Wir wissen nur zu gut, dass Nischenjobplattformen eine wunderbare Sache sind, doch diese hat uns ganz besonders überzeugt. Capjob ist die einzige Jobplattform, die sich an Menschen mit Handicap richtet. Im Interview erzählt uns Gründer Felix Hüning welche technische Anforderungen die Plattform erfüllt und wie sie das Henne-Ei Problem überwinden konnten. 

Erzähl uns ein bisschen von Capjob. Was hat es damit auf sich?

Capjob ist eine Jobbörse speziell für Menschen mit Handicap auf der offene Stellen von Inklusionsbetrieben und Firmen mit sozialem Engagement durchsucht werden können.

Was war die Motivation dahinter Capjob zu starten?

Ich arbeite seit einigen Jahren mit einem Kollegen mit Sehbehinderung zusammen und letztes Jahr haben wir uns über das Thema Jobsuche als Behinderter unterhalten, da es mich interessierte wie er in der Vergangenheit bei der Jobsuche und Bewerbungsverfahren vorgegangen ist und wie er es zukünftig machen würde. Ich wollte wissen, ob man das Handicap verschweigt oder offen darlegt, auch wenn es die Arbeitsfähigkeit nicht beeinflusst, oder wie er im Internet einen neuen Job suchen würde. Als er meinte, dass er keine spezielle Jobbörse für Behinderte kenne, war ich sehr erstaunt, da es ja mittlerweile für fast alle Arbeitsbereiche und Nischen eine eigene Jobbörse gibt. Nach einiger Recherche fand ich ebenfalls keine Handicap Jobbörse, die die Grundlagen eines gewöhnlichen Jobportals anbot: eine aktive Suche nach Stelle und Ort, eine passive Suche über den Eintrag des eigenen Lebenslaufs, und das Abonnieren von passenden Jobs, um regelmäßig über neue Stellen informiert zu werden. Meine Motivation war mehr Transparenz im Arbeitsmarkt für Menschen mit Handicap zu schaffen und Unternehmen aufmerksam zu machen, dass Mitarbeiter mit Behinderung zum Alltag gehören sollten. Ich habe das als sinnvoll erachtet und habe deshalb im Dezember letzten Jahres Capjob gegründet.

Was unterscheidet euch von anderen Jobplattformen? 

Capjob unterscheidet sich vor allem inhaltlich von anderen Jobplattformen. Alle veröffentlichte Stellen stammen von Unternehmen und Einrichtungen, die Menschen mit Behinderung als neue Mitarbeiter wünschen und nicht nur auf dem Papier "dulden". Dies habe ich nun in der Vielzahl gehört, dass Bewerber, obwohl es nicht rechtens ist, wegen ihrer Behinderung bei Bewerbungen das Nachsehen haben. Weiterhin legen die Unternehmen die Arten von Behinderungen fest, die für den Job "geeignet" wären. Somit kann der Arbeitsuchende auch einfach nach z.B. Rollstuhlfahrer oder Autismus suchen und findet nur die passenden Jobs. Zusätzlich kann beim eigenen Lebenslauf angegeben werden, welche Hilfsmittel bei der Arbeit benötigt werden, was wiederum Transparenz für den Arbeitgeber schafft. 

Technisch wollte ich es so einfach wie möglich, damit das Portal mit großer Schrift und Fokus auf der Suchfunktion auch von Sehbehinderten und Blinden per Screenreader genutzt werden kann. Das heißt auch Verzicht auf Werbeblöcke und zu viel Text.

An wen richtet sich das Angebot?

Auf der einen Seite richtet sich das Angebot an alle Menschen mit Behinderung, die eine Anstellung auf dem ersten Arbeitsmarkt, sprich nicht in einer Behindertenwerkstatt suchen. Auf der anderen Seite liegt der Fokus auf Integrationsbetrieben, inklusiv denkenden Unternehmen und spezialisierte Firmen, die z.B. explizit mit Menschen aus dem Autismusspektrums (Auticon GmbH) oder blinden Frauen (discoveringhands) arbeiten.

Was waren bisher die größten Hürden, die ihr bewältigen musstet und wie habt ihr diese bewältigt?

Da eine Jobbörse dem Henne-Ei-Problem unterliegt, war die größte Hürde der Start. Wie bringt man Unternehmen dazu, Stellen zu veröffentlichen, wenn das Portal noch keinen Bekanntheitsgrad und somit Besuchertraffic hat. Genauso ist es nicht einfach, das Vertrauen von Arbeitsuchenden zu erlangen, die ihren Lebenslauf eintragen sollen, wenn es noch keine Stellenausschreibungen zu finden gibt.

Wir haben den Unternehmen unsere Vision in Aussicht gestellt und sie somit überzeugen können. Wenn erstmal ein paar mitmachen und sich gleichzeitig Arbeitsuchende auf die Stellen bewerben, funktioniert das Konzept im kleinen und kann organisch wachsen. Dank des Networkings über den FreiesSehen e.V. und das NetzwerkInklusion haben wir bereits einen recht guten Start hingelegt.