In Stuttgart organisiert der Verein Social Entrepreneurship BW seit vier Jahren den Social Innovation Summit. Was es damit auf sich hat und worum es in diesem Jahr geht, haben wir in einem Interview mit Projektmanager Philipp Tasler herausgefunden.


Philipp Tasler vom Verein Scocial Entrepreneurship BW/ Foto: privat

Erzähl uns ein bisschen über den Social Innovation Summit. Worum handelt es sich, wie kam die Idee auf und wer organisiert ihn?

Der Social Innovation Summit ist eine junge gemeinnützige Plattform und Konferenz zu den Themengebieten soziale Innovation und Social Entrepreneurship. Der Social Innovation Summit bietet nun schon zum vierten Mal verschiedenen Akteur*innen aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft eine Bühne, um gemeinsam an Lösungen für eine bessere Welt zu arbeiten.

Mit dem Social Innovation Summit trägt der Verein Social Entrepreneurship BW (#SocEntBW) zur Bildung und Vernetzung von relevanten Akteur*innen im Kontext sozialer Innovation bei. Der Verein strebt mit seinen gebündelten Kompetenzen einen Systemwandel zum Wohle der Gesellschaft an, anstelle nur Symptome zu bekämpfen. Die Idee, eine internationale Konferenz auszurichten, entstand 2015 aus ebendiesem Mangel an einer fehlenden übergreifenden Plattform sowie einer praxisorientierten Definition sozialer Innovationen.

Neben dem Social Innovation Summit veranstaltet #SocEntBW diverse andere Formate, um Social Entrepreneurship und soziale Innovationen voranzutreiben und fördert durch Inkubator- und Acceleratorprogramme Social StartUps, die durch wirtschaftliche Aktivitäten einen gesellschaftlichen Mehrwert schaffen.

Auf welche Programmpunkte können sich die Besucher*innen freuen?

Der diesjährige Social Innovation Summit trifft mit dem Thema ,,Shaping the Digital Future“ den Nerv der Zeit. Wir sind der Meinung, dass ein gutes und friedliches Zusammenleben im digitalen Zeitalter nur durch die Vermittlung fundierter Kenntnisse über technologische Trends sowie die gemeinsame Diskussion über positive Potentiale des Wandels möglich ist. Aus diesem Grund setzt sich das Programm der zweitägigen Konferenz mit den weitestgehend ungenutzten positiven Gestaltungsmöglichkeiten der Digitalisierung auseinander, die den technologischen Wandel in den Dienst der Menschen und der Umwelt stellt.

Dabei langweilt der Summit nicht mit langatmigen Vorträgen. Vielmehr setzen sich unsere Expertinnen und Experten in abwechslungsreichen Formaten, wie Keynotes, praxisorientierten Insights, Workshops und Case Studies, kritisch mit Konzepten und Kompetenzen des digitalen Zeitalters auseinander. Unsere Top-Speaker und Speakerinnen sind unter anderem Prof. Stephan A. Jansen von der Karlshochschule Karlsruhe, Joana Breidenbach - Gründerin von betterplace.org, Saskia Sassen von der Columbia University, Bas van Abel - Gründer von fairphone, Katherine Milligan von der Geneva University und Ulla Engelmann - Head of Unit Advanced Technologies, Clusters and Social Economy bei der Europäischen Kommission. Dies ist jedoch nur ein kleiner Auszug von unseren insgesamt 70 Speaker*innen.

Die rund 40 Sessions verbinden Konzepte, wie verantwortungsbewusstes Wirtschaften, Soziale Innovation, Social Finance, Impact Measurement, New Work und Organisationsformen der Zukunft, mit digitalen Kompetenzen, wie Künstliche Intelligenz, Virtual Reality, Internet of Things, Big Data, Robotics oder Blockchain. Weiterhin beinhaltet das Programm Formate, die sich kritisch mit der Digitalisierung und deren Folgen für unsere Gesellschaft beschäftigen. Themen sind in diesem Zusammenhang Digitale Demokratie, Digital Social Impact und Digitale Ethik.

Besonders freuen können sich unsere Besucher*innen auch auf die #SIS19 Specials, wie z.B. das 1:1 Networking-Matching über die Brella-App, die Digital-Detox.Zone, den Chillout.Space, die tbd* Jobwall oder den Wellbeing.Pavilion.


Die Mainstage des SIS 2018 während einer Paneldiskussion/ Foto: Verein Social Entrepreneurship BW

An wen richtet ihr euch? Gibt es auch internationales Publikum, das den Summit besucht?

Der Social Innovation Summit richtet sich weltweit an alle soziale Innovator*innen und Entscheidungsträger*innen aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft. Ziel ist es, über die Grenzen Deutschlands und sogar Europas hinaus, Definitionen und Konzepte sozialer Innovation kennen zu lernen und mit Hilfe der neuesten (technologischen) Trends in der Branche Lösungen für eine bessere Welt zu entwickeln. Essentiell für die gelebte Diversität der Veranstaltung ist die Teilnahme von Akteur*innen verschiedener organisatorischer Entitäten, von internationalen Konzernen, jungen Social Start-Up´s, bis hin zu Vertreter*innen der Zivilgesellschaft, wie Stiftungen und gemeinnützigen Vereinen. Auch Studierende und Young Professionals sind herzlich willkommen, sich auf dem Event inspirieren zu lassen und wichtige Kontakte für ihre zukünftige berufliche Laufbahn zu knüpfen.

Der #SIS18 verzeichnete 400+ Teilnehmer*innen aus insgesamt 14 verschiedenen Nationen - viele davon Teil eines internationalen Stammpublikums, das bereits zum wiederholten Male die Reise nach Stuttgart angetreten hat.

Ihr organisiert den Summit ja schon seit 2015 – was hat sich in seitdem in der Branche geändert?

Die Branchen ist in den letzten vier Jahren merklich gewachsen und hat extrem an Bekanntheit gewonnen. Während Social Entrepreneurship vor wenigen Jahren der Öffentlichkeit in Deutschland noch kein Begriff war, wurde 2019 zum ersten Mal im Bundestag über soziales Unternehmertum gesprochen. Der Trend ist auf unserer Seite, da immer mehr Menschen sich mit verantwortungsvollem und sozialem Wirtschaften auseinandersetzen und generationenunabhängig nach sinnstiftender Arbeit suchen.

Darüber hinaus ist die Beteiligung klassischer Unternehmen und internationaler Konzerne an der Diskussion gestiegen. Gerade am diesjährigen Summit verzeichnen wir die Teilnahme vieler Corporates, die sich auch außerhalb ihrer CSR- oder Nachhaltigkeits-Abteilungen mit dem Thema verantwortungsvolles Wirtschaften im digitalen Zeitalter auseinandersetzen. Dies zeigt, dass auch etablierte wirtschaftliche Akteure den Austausch zu den Themen nachhaltige Innovation und digitale Transformation suchen und sich für eine positive Entwicklung der Gesellschaft einsetzen.

Zudem eröffnet der technologische Wandel nicht nur soziale Innovationspotenziale, sondern birgt auch neue ethische und philosophische Fragestellungen und Herausforderungen für unsere Gesellschaft. Aus diesem Grund sind die Themengebiete„Digital Ethics“ oder „Digital Democracy“ wichtige Teile von Social Entrepreneurship geworden. In diesem Sinne sind wir gespannt auf viele weitere soziale Innovator*Innen, die erfolgreich die Brücke zwischen Digitalisierung und gesellschaftlichem Mehrwert schlagen.


Workshop auf dem SIS 2018/ Foto: Verein Social Entrepreneurship BW

Stuttgart ist ja vor allem für die ansässige (Automobil-) Industrie bekannt. Wie sieht es in Baden-Württemberg mit den Social Innovations aus?

Unser Verein wurde vor einigen Jahren aufgrund mangelnder Austauschmöglichkeiten und Plattformen für Social Entrepreneurs am Standort Stuttgart gegründet. Die Gründer*innen verzeichneten schon damals großes Potenzial für das Vorantreiben sozialer Innovation im Bundesland. Die Notwendigkeit, Changemaker zu vernetzen und zu fördern lag auf der Hand. Mittlerweile befinden sich über 50 Sozialunternehmer*innen in unserem landesweiten Netzwerk. Aufgrund des städtischen Bezuges zur Automobilindustrie in Stuttgart gibt es natürlich auch einige erwähnenswerte E-Mobility bzw. Smart Mobility StartUps, die lokal auf fruchtbaren Boden treffen.

Wie soll es im Idealfall mit dem Summit weitergehen?

Der Social Innovation Summit soll im Idealfall weiter wachsen und internationaler werden. Weiterhin würden wir uns freuen, wenn die Konferenz dazu beiträgt, das Konzept Social Entrepreneurship auf internationaler, nationaler und auf Landesebene zu etablieren und das Bundesland zum Hot Spot für sozialeInnovationen zu machen. Zugunsten der nachhaltigen Wirkung sind wir außerdem gerade dabei, die Veranstaltung um ein Format für einen kontinuierlichen Austausch zwischen Theorie und Praxis zu erweitern. Mehr dazu erfahrt ihr auf dem #SIS19.

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