Kommunikation ist eine Kunst, die kultiviert sein will. Nirgendwo scheitern wir so beständig, wie an den Worten, die aus unseren Mündern purzeln, oder sich in unseren Stimmbändern zu verheddern scheinen, bevor sie jemals das Licht der Welt erblicken könnten. Es ist mehr als an der Zeit, das Handwerk der Kommunikation zu erlernen.

Eine Übersicht:

  • Hierachien und dein Rolle respektieren
  • sprich nicht über Menschen, sondern mit ihnen
  • Halte dich raus, wenn Gerüchte verbreitet werden
  • Achte aus das Selbstwertgefühl
  • Gib richtiges Feedback
  • Ereignisse und Beurteilungen unterscheiden
  • Sei Lösungsorientiert

Hier einmal die Basics: Die Grundvoraussetzung für gute Kommunikation im Team ist ein gemeinsames Ziel, eine klare Aufgabenverteilung und eine (über Meetings, Gespräche, Summits, Konferenzen, Workshops etc.) strukturierte Kommunikation und Abgleichung darüber, was passiert. Sobald Kommunikation im Team nicht läuft, überprüfe einmal, ob a) Verantwortlichkeiten und Aufgaben geklärt sind und b) es ritualisierte Möglichkeiten des Austauschs darüber gibt, was im Moment passiert.

Tipp 1: Respektiere Hierarchien und Deine Rolle im Team

„Hi! Ich schick ihnen die Semesterarbeit bissi später! Bin grad noch im Praktikum. Ciao, Luisa“
Solche und ähnliche Emails landen auf dem Schreibtisch meines Mannes, der Professor für Medienkultur und Kommunikation ist. Die Kommunikation in beruflichen Kontexten verliert an Formalität, deswegen sollten wir aber dennoch respektvoll miteinander in Beziehung treten. Auch wenn Du in einem Team mit flachen Hierarchien arbeitest, ist es wichtig, deine Kommunikation anzupassen, wenn Du mit Deiner Chefin oder mit einem Experten sprichst. Sei ruhig mal wieder ein bisschen altmodisch: Klopfe an die Türe und frage, ob Deine Teamleitung Zeit für Dich hat. Beginne Deine Emails mit einer freundlichen Anrede und beende sie mit einem Gruß. Bereite Deine Beiträge in Teammeetings vor und gestalte sie inhaltsreich und kurzweilig.

Tipp 2: Sprich nicht über jemanden, sondern mit ihm!!

Oh, diese Regel halte ich für die Wichtigste. Sobald Kommunikation miteinander schwierig wird, neigen wir dazu, unsere Anliegen mit demjenigen nicht mehr authentisch zu besprechen. Stattdessen ziehen wir uns zurück und sprechen mit einem Dritten über das unsägliche Verhalten dieser Person. Nicht gut. Es ist wirklich ganz einfach. Wenn Du auf jemanden im Team wütend bist, oder mit ihm nicht klarkommst, dann nimmst Du Dir Zeit und fasst Dir ein Herz, um Dich mit diesem Menschen auszusprechen. Überprüfe Dich einmal, wie oft Du lieber über jemanden sprichst als mit ihm. Ändere das. Es ist herrlich, wie sich dann die Beziehungen entspannen.

Tipp 3: Raus aus der Gerüchteküche!

„Hast Du schon gehört, dass Paul zu Laura gesagt hat, dass er Marie vorgestern mit Max vor dem Kino gesehen hat? Und dann meinte Laura, dass sie sich das mit Marie und Max schon lange gedacht hat, denn hast Du gesehen wie sich die beiden immer anstarren? Aber was Lena dazu sagen wird, steht auf einem anderen Blatt. Jedenfalls meinte Leon dazu, dass Lena sich in letzter Zeit ja deutlich von Max distanziert hätte.“ Entweder Du ziehst Dich aus diesen Gesprächen sofort zurück, oder Ihr legt offen, dass es sich um eine harmlose Form des Gossiping handelt und jeder weiß, dass hier weder Realität noch Relevanz verhandelt wird!

Tipp 4: Das Selbstwertgefühl achten

In Kommunikation verhandeln wir auch immer unser Selbstwertgefühl, weil wir durch sie unsere Beziehungen zueinander gestalten. Jemand schreibt mir: „Du hast noch gar nicht die Dokumente zur Post gebracht!“ – und ich denke: „Auweia, ertappt! Ich bin so unzuverlässig und der andere findet mich jetzt sicher unprofessionell!“ Schau, dass Du die Beziehungsebene mitdenkst, wenn Du kommunizierst. Was willst Du sagen und wie könnte es beim anderen ankommen? Achte darauf, dass die Art wie Du etwas formulierst, das Selbstwertgefühl Deines Gegenübers stärkt anstatt schwächt.

Tipp 5: Richtig Feedback geben

Feedback bedeutet Rückkopplung. Im Feedback beschreibst Du, wie Du das Verhalten von jemandem wahrgenommen hast und was das bei Dir in diesem Moment ausgelöst hat. Wenn eine Kollegin oft zu spät kommt und Dich das nervt, könntest Du folgendes sagen:

Anstatt: „Leonie, Du kommst immer zu spät!!! Das nervt mich!!“, sagst Du: „Hey Leonie, ich habe bemerkt, dass Du in den letzten 4 Tagen je 15-20 Minuten zu spät ins Büro gekommen bist. Ich bin gerade sehr unter Druck wegen dieser Deadline und ich brauche Deine Unterstützung. Wenn Du zu spät kommst, fühle ich mich mit dem Projekt allein gelassen. Bitte komm‘ pünktlich, so dass wir direkt mit der Arbeit starten können und unsere Ziel erreichen.“

Feedback bezieht sich immer darauf, wie Du etwas wahrnimmst und was im Hier und Jetzt für Dich daraus folgt! Es gilt die Regel: Keine ollen Kamellen („letzten Monat war das auch schon so!!“) und keine Interpretationen („Du bist unzuverlässig!“). Dann läuft das.

Tipp 6: Ereignisse und Beurteilungen differenzieren lernen

Deine Chefin ruft Dich in Ihr Büro und bittet Dich, eine weitere Aufgabe zu übernehmen. Das ist ein Ereignis. Du hast nun die freie Wahl, dieses Ereignis vielfältig zu interpretieren: „Wow, sie traut mir echt was zu!“, „Warum immer ich? Ich bin doch nicht der Depp vom Dienst!“, „Sie kann wohl gar nichts allein!“ oder „Ich bin einfach so gut organisiert, bestimmt werde ich bald befördert.“ Naja, das mit der freien Wahl stimmt nur zum Teil, denn wir reagieren auf Kommunikationssituationen mit unserem eigenen Bezugsrahmen und der rastet schneller ein, als wir denken können. Wenn Du die innere Überzeugung hast, dass Du immer allen helfen musst, dann bist Du eher dazu geneigt, keine Grenzen zu setzen und sagst „ja“, auch wenn Du „nein“ meinst. Du findest Dich in einer Situation wieder, in der Du nicht sein möchtest und interpretierst: „Immer ich. Ich muss immer allen helfen!“ Nein, musst Du nicht, denkst Du nur. Deine Chefin ruft Dich in Ihr Büro und bittet Dich eine weitere Aufgabe zu übernehmen. Du kannst ablehnen, annehmen oder nur unter bestimmten Bedingungen zustimmen. Es ist sehr wichtig, dass wir lernen, unsere Interpretationen zu erkennen und sie von den Ereignissen zu unterscheiden. Die Fakten sind selten schlimm. Das, was uns zu schaffen macht, ist die Art, wie wir die Situation und uns bewerten. Reflektiere Dich in schwierigen Kommunikationssituationen selbst: Was ist mein Anteil? Was ist wirklich passiert und was glaube ich nur, dass es passiert ist?

Tipp 7: Willst Du eine Lösung oder Recht haben?

In schwierigen Kommunikationssituationen kannst Du Dich fragen: Bin ich an einer Lösung orientiert oder will ich Recht haben? Wenn Du Recht haben willst, mach Dich darauf gefasst, dass Dein Gegenüber seine Position nicht kampflos aufgibt. Wenn Du wirklich an einer Lösung orientiert und gewillt bist, Deinen Standpunkt zu verändern, dann gewinnst Du womöglich im Anderen einen Kooperationspartner. Die Sache ist die: Beides geht nicht. Du kannst nicht Recht haben wollen und dabei eine rosige Kommunikationssituation erwarten. Wenn Du auf Deinen Standpunkt bestehst, dann wird in jedem Fall einer verlieren – vielleicht sogar beide, weil Ihr die Möglichkeit verpasst, das Beste aus zwei Standpunkten zu vereinen und die Schwächen der jeweiligen Perspektive auszugleichen. Manchmal ist es rein strategisch gut, auf seiner Perspektive zu beharren; oft ist es besser, miteinander zu kooperieren. Wichtig ist, dass Du durch Analyse der Ereignisse und Selbstreflektion lernst zu unterscheiden, wann die eine oder die andere Strategie sinn- und wirkungsvoll ist.

So, und jetzt starten wir ins Training. Welcher der 7 Punkte hat Dich am meisten angesprochen? Wo ist Dein Entwicklungspotential am größten? Und was wäre für die kommenden Tage ein konkreter Wachstumsschritt in Sachen Kommunikation?

Gute Kommunikation lohnt sich. Denn schau‘ mal in Dein Leben! Was macht Dich wirklich glücklich? Wann macht Deine Arbeit Spaß? Und an welchen Abenden bist Du „gut müde“, anstatt ausgelaugt und energielos? Hat das nicht immer auch mit der Qualität Deiner Beziehungen zu tun? Lass uns durch eine gute Kommunikation gut in Beziehung stehen.

Über die Autorin 

Elisabeth Hahnke studierte Communication and Cultural Management an der Zeppelin Universität (Master of Arts) und gründete das renommierte Social Franchise ROCK YOUR LIFE! mit zwei Freunden. Für ihre Arbeit wurden sie und ihr Team mehrfach ausgezeichnet, z.B. mit dem MTV Voices Award. Elisabeth ist Responsible Leader der BMW Stiftung und setzt sich mit ihrer Arbeit für persönlichen und sozialen Wandel ein. Im Moment leitet sie das Potentialentwicklungsprogramm BILDUNGSROCKER und arbeitet darüber hinaus als Trainerin und Coach. Sie ist Expertin in den Bereichen Coaching, MBSR/Introvision und Potentialentwicklung.

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