ursprünglich erschienen: 02.11.2015

20 Communities, 200 Menschen und ein großes, gemeines Ziel: Open Data für alle! Den Gemeinschaftssinn und die Innovation dahinter fanden wir so toll, dass wir gleich ein Interview mit Code for Germany gemacht haben. Projektleiterin Julia Kloiber erzählte uns, was mit Open Data alles erreicht werden kann und wie man am Besten eine engagierte Community aufbaut und am Leben hält. 

Was ist Code for Germany, wer steckt dahinter und wo seht Ihr Euch in fünf Jahren?

Code for Germany ist ein Netzwerk von 20 lokalen Open Data Communities, die sich für mehr Transparenz, Civic Tech und Open Data einsetzen. In den sogenannten Open Knowledge Labs treffen sich regelmäßig EntwicklerInnen, JournalistInnen und DesignerInnen, um ihre Stadt zu verbessern und um zu zeigen, wie offene Daten sinnvoll genutzt werden können. Wir sind Teil eines internationalen Netzwerks, Code for All. Hinter dem deutschen Projekt steckt die Open Knowledge Foundation, ein gemeinnütziger Verein zur Förderung offenen Wissens.

In fünf Jahren hoffen wir, auf viele coole Anwendungen und Projekte zurückblicken zu können. Außerdem wollen wir, dass Open Data und Civic Tech ein festes Thema in Verwaltung und Politik wird, und dass gute ehrenamtliche Arbeit auch vom Staat gefördert wird. Deshalb arbeiten wir gerade an einem Fellowship Programm.

Für viele Initiativen ist die Skalierung besonders problematisch. Wie habt Ihr es geschafft deutschlandweit so schnell zu wachsen?

Unser Ansatz ist lokal: die OK Labs haben ihre eigenen Struktur und Organisation, die Aufgaben werden also immer an den Fähigkeiten und Bedürfnissen der Community angepasst. Dadurch wächst das Netzwerk organisch. Und: Lokalpatriotismus ist eine gute Motivation, die Menschen haben einfach Spaß daran, ihre Stadt zu verbessern. Sie sehen schnell die Ergebnisse ihrer Arbeit und kriegen direktes Feedback aus der Nachbarschaft und der lokalen Verwaltung.

Code for Germany basiert sehr auf der Community – was sind Eure Top Tipps für Communityerhalt und - expansion?

Kommunikation! Mehr als 200 Menschen engagieren sich im Netzwerk ehrenamtlich, teilweise jede Woche, seit über einem Jahr. Da ist es wichtig, diese Arbeit anzuerkennen und das auch regelmäßig zum Ausdruck zu bringen. Mit Unterstützung, Beratung, persönlichen Gesprächen, Besuchen und natürlich: sich bedanken für die großartige Arbeit. Die Organizer der einzelnen Labs laden wir auch zweimal im Jahr zu einem Workshop ein, wo sie sich austauschen und vernetzen können.

Aber auch Zuhören ist wichtig: Wir suchen aktiv den Dialog, um herauszufinden, wie wir die Labs am Besten unterstützen können und um möglichst viele Mitglieder gut kennenzulernen. Für diese Aufgaben hat Code for Germany auch eigens eine Mitarbeiterin, die Ansprechperson für die Community ist und die Labs betreut.

Was kann Open Data Deiner Meinung nach erreichen? Und was nicht?

Für uns sind offene Daten die Voraussetzung für Transparenz und Bürgerbeteiligung. Denn erst durch gute Informationen können BürgerInnen ihr Mitspracherecht ausüben. Aber offene Daten sind auch kein Selbstzweck, sie müssen genutzt werden um nützlich zu werden. Deshalb fördern wir diejenigen, die Daten für ihre Arbeit nutzen wollen.

Auch kommerzielle Projekte profitieren übrigens von offenen Daten und bereichern die Wirtschaft mit innovativen Ideen.

Es gibt also (fast) nichts, was Open Data nicht erreichen kann!

Wie steht es um die langfristige Finanzierung von Code for Germany und den resultierenden Apps und Projekten?

Der Großteil unserer Arbeit geschieht ehrenamtlich. Die Förderung der Labs und unser kleines Team in Berlin werden momentan durch öffentliche Gelder, Stiftungen und Unternehmenssponsoren gefördert. Dieses Budget jedes Jahr wieder zu füllen, ist eine kontinuierliche Herausforderung und bei einem noch nicht so bekanntem Thema wie Open Data / Civic Tech gar nicht so einfach. Wir sind aber in vielen Gesprächen und vor allem die guten Beziehungen zu unseren jetzigen Partner machen uns zuversichtlich, dass es die nächsten Jahre weitergeht.

Wirklich schön wäre, ein Budget für Öffentlichkeitsarbeit für die einzelnen Labs und ihre Projekte zu haben. Momentan verschwinden zuviele tolle Ideen und Anwendungen in der Schublade, weil kaum jemand weiß, dass es sie gibt.

Hast Du bisher ein Lieblingsprojekt das aus Code for Germany entstanden ist?

Wir haben viele coole Projekte aus sehr unterschiedlichen Bereichen. Eines davon, dass unsere Arbeit gut veranschaulicht, ist “Bürger baut Stadt” (http://www.buergerbautstadt.de/). Wenn in Berlin gebaut wird, muss oft zuerst der entsprechende Bebauungsplan geändert werden. Im Rahmen eines solchen Bebauungsplanverfahrens werden die Pläne vier Wochen vorher öffentlich ausgelegt. Dies geschieht in den Amtblättern von Berlin, die jedoch die wenigsten BürgerInnen tatsächlich lesen. Daher die Idee des Berliner OK Labs: eine Website, die alle geplanten Bauvorhaben in Berlin auf einer Karte anzeigt. Dadurch kann man nicht nur sofort sehen, was im Kiez entstehen soll, sondern auch gleich darauf reagieren. Das Projekt leistet also einen echten Beitrag zur Demokratie und Bürgerbeteiligung. Inzwischen wird es auch in anderen Städten verwirklicht.