ursprünglich erschienen: 29.03.2016

Wir sprachen mit Torsten Schreiber, Gründer von Africa GreenTec, der zusammen mit seiner Frau ein Social Business gründete. Africa GreenTec möchte die  Energieversorgung Afrikas revolutionieren. Im Interview berichtet er, wie sie es geschafft haben eine Technologie zu bauen, die auch große Konzerne gerne realisieren würden und welchen Social Impact sie bereits heute erreicht haben.  

Was war die Motivation dahinter Africa GreenTec zu gründen?

Der Auslöser war ein Erlebnis in Afrika. Als wir im Juni 2014 in Bamako in Mali ein 20 Megawatt Dieselkraftwerk mit Generatoren aus den 60er Jahren besichtigt haben.  Das Kraftwerk Daressalam ist für die Grundversorgung der Hauptstadt eingesetzt  und verbrennt täglich 170.000 Liter Diesel mit der Effizienz von ein paar Prozent war mir klar, dass ich mit meinem Wissen und meinem Netzwerk  helfen kann, fossile Energieerzeugung durch moderne und nachhaltige Energieerzeugung in Afrika zu ersetzen.

Durch meine Erfahrung mit verschiedenen Querschnittstechnologien in Deutschland, im Bereich Energieeffizienz, habe ich mich entschieden diese beiden Komponenten zusammenzufügen. Das Ergebnis war die Gründung von Africa GreenTec als Projektentwickler.

kraftwerk

green tech

Was unterscheidet Africa Greentec von anderen Startups in diesem Bereich?

Wir sind kein klassisches „Solar Startup“, sondern haben Africa GreenTec als Social Business gegründet, dh. unser Ziel ist: Veränderung „Change“ und nicht Renditemaximierung.  

Weiterhin ist unser größtes Asset Glaubwürdigkeit und Authentizität. Meine Frau ist Malierin und unsere Familie ist über ganz Westafrika verstreut und wir kennen die Bedürfnisse und Ängste, aber auch die Träume der Menschen vor Ort. Ich bin Deutscher mit all den Tugenden. Natürlich weiß ich aber auch von unseren Stärken,  Schwächen, Herausforderungen. Ich setzte mich seit Jahren für Klimaschutz, Menschenrechte und politischen Ziele ein. Wir ergänzen uns somit und unsere Vision lebt in unseren Kindern, die beide Kulturen in ihrem Herzen tragen und unser Unternehmen einmal fortführen werden.

africa green energy

kinderprojekt

Was sind Eure Pläne bzw. Visionen für Afrika?

Die Vision von Africa GreenTec ist es: Afrikas erstes, ökoeffektives, nachhaltiges und soziales Schwarmkraftwerk zu bauen und zu betreiben.

Unsere Mission, die wir aktuell umsetzen, ist es zunächst in der Sub-Sahara mehrere tausend Dörfer mit erschwinglichem, erneuerbaren Strom zu versorgen und so Diesel überflüssig zu machen. 

Gleichzeitig entwickeln wir unseren Solarcontainer zu einer Super-Utility weiter, einem „Hub“ für nachhaltige Entwicklung, Bildung und Ausbildung. Außerdem verfogen wir einen Cradle to Cradle Ansatz, bei der wirtschaftlichen Entwicklung in den von uns versorgten Dörfern.

Wie messt Ihr Euren Social Impact?

Da unser Projekt eine sehr große Dimension hat und wir mit vielen Regierungen und auch NGOs zusammenarbeiten, und auch bei der Finanzierung künftig auf internationale Geldgeber zählen, richten wir das gesamte Projekt nach den Global Sustainable Goals der Vereinten Nationen aus.

Alle in der UN vertretenen Nationen haben sich auf die Erfüllung der folgenden 17 Ziele der globalen Entwicklung verbindlich geeinigt. Die Entwicklungsministerien und Fördermitteltöpfe richten ihre Arbeit weltweit nach diesen Zielen aus.

Das Solarcontainer-Projekt von Africa GreenTec ist ein Grundlagenprodukt für die Entwicklungshilfe 2.0 und leistet den folgenden Beitrag zu den Zielen der UN.

Was war bis jetzt Euer größter Erfolg? 

Erstens unsere über 140.000 Fans aus ganz Afrika, die uns jeden Tag mit ihren Nachrichten und Likes unterstützen und uns motivieren weiterhin gegen Vorurteile und Herausforderungen anzukämpfen.

Natürlich sind wir auch auf unsere Technologie stolz, dass wir als Startup etwas geschafft haben, was große Konzerne und Unternehmen und auch Organisationen seit Jahren planen. 

Ein ehemaliger Vorstand von RWE hat mir neulich mal gesagt: "Sie haben etwas geschafft, wovon wir seit Jahrzehnten geträumt haben" das macht natürlich sehr stolz. 

Ähnlich geht es uns in Mali, wo der Umweltminister, der Energieminister und Präsident Dionkounda Traoré uns unterstützen.

torsten

Mit Präsident Dioncounda Traoré in Mourdiah/ Mali

Für Aida und mich sind die Zukunftschancen der 1.200 Kinder in Mourdiah und die 50.000, die in den nächsten Monaten folgen werden, der größte Erfolg

Viele davon können jetzt wieder zur Schule gehen und haben von uns 20 Computer bekommen, die in Landessprache Bambara ausgestattet sind und jetzt mithelfen, dass die Bildungschancen und Ausbildungschancen verbessert werden.

Gab es Krisen? Bzw. Schwerwiegende Fehler? Wie habt Ihr das gemeistert? 

Die Länder in denen wir aktiv sind gelten ja ganz offiziell als “Krisenländer” und Terroranschläge in diesen Orten sind natürlich sehr belastend für unsere Projekte. Investoren verstehen oft nicht, dass gerade dann ein Investment am besten wirken kann, wenn Menschen in einer Krisensituation sind.

Natürlich gab es auch technische Herausforderungen, Schwierigkeiten beim Zoll, dem Transport, Probleme mit Mitarbeitern und Geschäftspartnern, ethnische Themen, Missverständnisse. 

Letztlich haben wir aber viel gelernt und können uns mit jedem weiteren Solarcontainer immer wieder steigern und verbessern.

Was sind die 3 wichtigsten Learnings? Was würdet Ihr anderen Social Entrepreneurs raten?

  1. Das Wichtigste ist definitiv der Wunsch die Welt besser zu machen und die Überzeugung das auch zu können. Dabei geht es nicht darum ein „Gutmensch“ zu sein, sondern man muss diesen Wunsch und diesen inneren Drang leben und lieben, egal was andere sagen und tun. Man wird mehr Kritiker begegnen, als einem lieb ist.
  2. Man sollte sich sehr genau überlegen, wie man das Projekt finanziert. Ich glaube fest, dass Social Entrepreneurship das Unternehmertum der Zukunft ist, aber die Finanzierungsstrukturen unterscheiden aktuell nur zwischen „gemeinnützig und kommerziell“, die Stärke von Social Entrepreneurship ist es, eben ohne den Zwang von permanentem Wachstumszwang, nachhaltig eine unternehmerische Antwort auf gesellschaftliche Herausforderungen zu geben. Man sollte daher auf Methoden, wie Lean-Startup, Bootstrapping und die Effectuation-Methode bauen.
  3. Ein Social Entrepreneur sollte über ein sehr starkes Netzwerk verfügen und sich mit anderen Gleichgesinnten zusammentun. Im Gegensatz zu normalen Unternehmern, die immer auch Wettbewerber und Konkurrenten sehen, empfinden sich Social Entrepreneure meist als Gleichgesinnte im (gemeinsamen) Kampf um ein höheres, (gemeinsames) Ziel. Das ist ein entscheidender Vorteil, den man nutzen sollte. Deshalb ist ein starkes Netzwerk der Schlüssel zum Erfolg.