Wie oft hast Du bei irgendeiner Panel Diskussion gesessen und das Kommentar gehört: „Ja, aber was ist Social Entrepreneurship eigentlich?“. Oder: „Ja, aber, wie sollen wir über Unterstützungsmöglichkeiten für Social Entrepreneurship sprechen, wenn wir uns nicht einig darüber sind, was ein Social Entreprise ist“ oder „Ja, aber hat ein Social Enterprise nicht eigentlich genau die gleichen Chancen wie ein normales Start-up? Warum braucht es was Neues?“. Vielleicht hast Du auch kein richtiges Gefühl dafür. Fair enough. Seit eh und je diskutiert man hierzulande – aber auch in anderen Ländern – darüber, was ein Social Enterprise wirklich auszeichnet. Häufig wurden dadurch jegliche Diskussionen ausgebremst und Fortschritte verhindert.

Spätestens in der Fernsehsendung Die Höhle der Löwen (DHDL) letzte Woche haben wir verstanden, warum es so wichtig ist, dass wir eine Definition haben. Dort hat Raphael Fellmer sein Social Enterprise Sirplus vorgestellt. Für uns alle im Sektor, insbesondere diejenigen die ihn kennen, war es ganz offensichtlich, warum sein Business Social ist. Für die DHDL-Investoren nicht. Vor allem Georg Kofler, ein Inverstor, ist dort völlig ausgerastet. „Das sind doch alles Schwindler!“, meint er. Die Gründer täten seiner Meinung nach einfach einen auf sozial, aber die Hauptmotivation läge darin, sich zu bereichern.

Solche plumpen Vorturteile nerven. Und sie können dem ganzen Sektor schaden. Denn viele der Zuschauer werden im Zweifel gleich ticken wie Georg. Oder sich vom ihm überzeugen lassen. Dagegen brauchen wir Klarheit und eine starke Lobby. Genau dafür ist der SEND e.V. da.

Als wir gemeinsam mit anderen das Social Entrepreneurship Netzwerk Deutschland (SEND) ins Leben gerufen haben, um für die Rechte und Belange der Social Entrepreneurs in Deutschland einzustehen, hatten wir ebenfalls keine eindeutige Definition. Lange lange haben auch wir im Vorstand darüber diskutiert. Für die einen musste es was mit dem systemischen Wandel zu tun haben – für die anderen war das Finanzierungsmodell entscheidend. Und was ist mit der Gesellschaftsform? Muss es gemeinnützig sein? Darf es überhaupt gemeinnützig sein? Tja... Auch ich habe irgendwann geglaubt, es lässt sich einfach nicht lösen und wir müssen damit leben, dass es eine persönliche Ansichtssache ist und bleibt.

Und dann kam Katharina. Unterstützt und angefeuert von der großartigen Katrin Elsemann und Markus Sauerhammer hat Katharina Osbelt – einst Praktikantin und mittlerweile unabdingbare Community Managerin und Kern vom SEND Team – sich die Definition von Social Entrepreneurship zur Aufgabe gemacht.

Und wie ist sie da herangegangen?

  • Sie hat mit Vertreter*innen aus anderen Ländern gesprochen, die es geschafft haben, eine Definition zu finden.
  • Sie hat in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Innovationsmanagement und Entrepreneurship der TU Berlin erst eine ausführliche Literaturrecherche durchgeführt und dann eine für den deutschen Markt passende empirische Forschungsmethode entwickelt.
  • Sie hat einen sehr durchstrukturierten und durchdachten, kollaborativen Prozess angestoßen – mit jeglichen Vertreter*innen aus dem Sektor. Es war wirklich jede*r dazu aufgefordert, mitzumachen.
  • Über Monaten hat sie per Mail, per Telko und in Person sich mit dieser Gruppe auseinandergesetzt und sie entlang dem Prozess begleitet.
  • Am Ende getestet und getestet.

Definition fertig, erklärt und begründet!

Die Definition lautet:

„Das primäre Ziel von Social Entrepreneurship ist die Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen. Dies wird durch kontinuierliche Nutzung unternehmerischer Mittel erreicht und resultiert in neuen und innovativen Lösungen. Durch steuernde und kontrollierende Mechanismen wird sichergestellt, dass die gesellschaftlichen Ziele intern und extern gelebt werden.“

Hier findet ihr die lange Version ihrer Definition!

Nun können Politiker*innen, die Verwaltung und weitere Förderer viel leichter neue Programme entwickeln und ältere Programme öffnen, die Socents in ihre Besonderheiten ansprechen. Auch Journalist*innen haben einen besseren Zugang zum Thema, so dass hoffentlich viel häufiger in den Medien davon berichtet wird. Vielleicht checken es auch endlich die etwas weniger feinfühlige Investor*innen wie Georg Kofler dann auch endlich. Aber mit oder ohne ihn ist egal, denn dank dieser Definition und der großartigen Arbeit vom SEND-Team wächst der gesamte Sektor und auch die Anerkennung dessen ungeheuer. Und irgendwann sind die Dinosaurier ja auch ausgestorben.

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