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Auch wenn viele soziale Organisationen besser durch die Pandemie kommen als befürchtet: Corona hat das Arbeits – und Privatleben der meisten Mitarbeiter*innen stark verändert – sei es durch Angst vor der Krankheit oder um Angehörige, die Doppelbelastung in der Familie, Nöte oder Jobverlust. War der Übergang ins Home Office im Frühjahr für viel noch eine willkommene Neuerung, zeigen sich nun erste Ermüdungserscheinungen: Einsamkeit, Demotivation, Zunahme an Konflikten, Kontaktverlust innerhalb von Teams. Wir HRler*innen erleben dies hautnah mit und sind oft ratlos, ob und wie wir Unterstützung bieten können. 

Im vergangenen HR Frühstück widmeten wir uns daher ganz dem Thema "Mental Health und Corona". Die T4G-Coachinnen Irina Kähler und Kristina van Ede gaben anregende Impulse zum Austausch: 

In den letzten Monaten entstanden viele Studien zu den kurzfristigen Veränderungen und langfristigen Trends, die durch die Corona Pandemie hervorgerufen wurden. Dabei zeigt sich vor allem Eines: Corona wirkt wie ein Vergrößerungsglas. Positives wie Negatives wird vergrößert und sichtbarer als Vorher.

Viermal im Jahr organisiert tbd* zusammen mit Talents4Good eine Frühstücksrunde für Personaler*innen.
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Ein paar ausgewählte Daten:

  • Das Home Office wird für viele zum Alltag: während vor Corona nur ca. 12% der Arbeitenden die Möglichkeit hatten, im Home Office zu arbeiten, sind es in den letzten Monaten bis zu 26% geworden. 
  • Während im März viele Menschen angaben, dass 3-4 Tage im Home Office attraktiv für sie seien, geben jetzt die meisten an, dass 2-3 Tage ausreichend für sie seien. Die Gründe dafür:  Zu wenig Kontakt und zu wenig Kreativität im Vergleich zum Arbeiten im Büro. 
  • Corona beschleunigt die digitale Transformation der Arbeitswelt.
  • Die Pandemie macht nicht nur digitaler, sondern auch traditioneller: In den drei Monaten der geschlossenen Schulen mussten 27% der Frauen ihre Arbeitszeit reduzieren, um die Kinderbetreuung zu gewährleisten, während dies nur 17% der Männer taten. Somit wurde die Vereinbarkeit von Beruf und Familie (wieder einmal) hart auf die Probe gestellt.
  • Die Bindung der Mitarbeitenden an Unternehmen/ Organisationen wird noch schwieriger, weil das Erleben von Unternehmenskultur erschwert bleibt.
  • Während im Mai zwischenzeitlich mehr als 7 Millionen Menschen in Kurzarbeit waren, ist diese Zahl nun auf ca. 2 Millionen zurückgegangen. Langfristig besteht jedoch weiterhin Jobunsicherheit.

Wie wirken sich diese Entwicklungen  auf die mentale Gesundheit aus?

Mentale Gesundheit in der Arbeitswelt ist schon länger Thema (zum Beispiel auch in unserem HR Frühstücken zum Thema Burnout oder Psychische Krankheiten bei Mitarbeitenden).

Mentale Gesundheit: Was ist damit eigentlich gemeint?
  • Mentale Gesundheit ist Bestandteil der allgemeinen Gesundheit.
  • Mentale Gesundheit ist mehr als die Abwesenheit psychischer Beeinträchtigungen und Störungen (Burnout, Depressionen, kognitive Leistungsbeeinträchtigungen etc.). Das bedeutet:
  • Mentale Gesundheit schließt auch positive Aspekte ein, wie das Wohlbefinden, die Arbeitszufriedenheit, das Arbeitsengagement sowie individuelle und arbeitsbezogene Ressourcen.
  • Der Begriff der mentalen Gesundheit muss im Zusammenhang mit den Dimensionen Arbeits- und Funktionsfähigkeit gesehen werden. Sie sind eine entscheidende Voraussetzung für die Teilhabe am Arbeitsleben.
Quelle: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Corona befeuert die Wichtigkeit der mentalen Gesundheit und der Schaffung von Resilienz, denn:

  • Durch die veränderten Prozesse in der Arbeitsorganisation kann Zeitdruck entstehen. Für Mitarbeitende können im Home Office Abläufe schwerer verständlich sein. Routinen und eigene Grenzen müssen neu definiert werden.  
  • Durch die vermehrte Anwendung von Home Office besteht eine veränderte und verstärkte Eigenverantwortung der Mitarbeitenden. 
  • Führungskräfte, die Angst haben, dass ihre Mitarbeitenden nicht gut arbeiten, müssen neben klaren Handlungsanweisungen auch das nötige Vertrauen und Anerkennung gegenüber ihren Mitarbeitenden aufbringen. Das gegenseitige Vertrauen muss gestärkt und die Frage beantwortet werden: Welches psychologische Klima braucht ein Team in der aktuellen Situation?

All diese Veränderungen lösen Stress aus und können schwerwiegendeFolgen haben:

Auf der körperlichen Seite können sich Symptome wie Kopfschmerzen, Atembeschwerden, Nicht abschalten können, Flüchtigkeitsfehler, Konsum / Missbrauch von Genuss- und Betäubungsmitteln verstärken oder neu auftreten.

Das emotionale Empfinden kann sich ändern zu einem Gefühl des  gehetzt und gereizt Fühlens, Ohnmachtsgefühle können verstärkt auftreten, Angst als beherrschendes Grundgefühl aufkommen.

Wie können Personaler*innen ihre Teams unterstützen?

Irina und Kristina gaben uns Folgendes mit auf den Weg:

Auf der Organisationsebene ist es hilfreich die Situation für Menschen sinnhaft, verstehbar und handelbar werden zu lassen:

Sinnhaftigkeit in dem Sinne, dass Mitarbeitende Maßnahmen in die aktuelle Situation einordnen können und auf die Vorgehensweisen vertrauen können. Dies funktioniert, wenn Führungskräfte das Vertrauen schaffen, dass es Sinn macht, was man tut.

Verstehbarkeit in dem Sinne, dass Mitarbeitende nachvollziehen können, warum sie in der aktuellen Lage sind und dass alle im gleichen Boot sitzen. Hierbei hilft klare Krisenkommunikation sowie eine starke interne Kommunikation (zum Beispiel durch die Personalabteilung), die dafür sorgt, dass alle auf dem Laufenden sind, Transparenz herrscht und Prozesssicherheit (“Wo stehen wir im Prozess?”) besteht.

Handhabbarkeit bedeutet, dass Mitarbeitende die Möglichkeiten haben, über die eigene Gefühlslage zu reflektieren und sich auszutauschen. Professionelle Ansprechbarkeit ist hierbei besonders wichtig (hier hilft zum Beispiel das Fürstenberg Institut mit anonymen Hilfeangeboten für Mitarbeitende teilnehmender Unternehmen). 

Einen positiven Frame in Krisenzeiten kann der Purpose in einer Organisation bieten. Rückt dieser stärker in den Fokus, besteht eine gemeinsame Richtung, an der alle sich in ihrer täglichen Arbeit orientieren können. Auch die gemeinsam geteilten Werte bieten Halt und schaffen Vertrauen.

Vielen Dank an Irina und Kristina für die vielen Denkanstöße und das geballte Fachwissen!

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