2015 haben wir bei tbd* (früher The Changer) unsere Community zum ersten Mal gefragt: "Wie viel verdient man eigentlich im sozialen Sektor?". Die Ergebnisse waren (auch für uns) faszinierend und viele Menschen aus dem Sektor, sowohl Manager als auch Berufseinsteiger und -umsteiger, bedankten sich bei uns. Wir haben uns über die große und positive Resonanz sehr gefreut, denn bis zu diesem Zeitpunkt gab es kaum Informationen über die Gehälter im sozialen Sektor. Gutes tun und dabei über Geld sprechen war bis dahin ein Tabu. 

Viele Gerüchte hatten sich über die Jahre entwickelt, die Menschen davon abhielten in den Sektor einzusteigen. Ganz nach dem Motto: "Im sozialen Sektor verdient man eh nichts”. Oder sie warfen die Branche mit unbegründeten Aussagen in ein schlechtes Licht: “NGOs zahlen ihren CEOs mittlerweile Beratergehälter!” Zusätzlich - und das ist für uns vielleicht der wichtigste Grund - führt eine solche Intransparenz zu Ausbeutung, denn ohne Vergleichswerte leidet auch die Verhandlungsposition der MitarbeiterInnen. 

Genau das möchten wir mit dieser Studie ändern.

GEHÄLTER IM SOZIALEN UND IM NACHHALTIGEN SEKTOR

Im November 2016 führte tbd* zum zweiten Mal eine Online-Befragung zum Thema Gehalt im sozialen Sektor durch. Über 1100 Fach- und Führungskräfte nahmen an dieser Umfrage teil. Der The Changer Gehaltsreport zeigte die durchschnittlichen Gehälter aufgeteilt nach Geschlecht, Berufserfahrung, Organisationstyp, Bereich, Berufsfeld und Studienfach.

Bei der Hauptauswertung der Durchschnittsgehälter wurden aus Gründen der Vergleichbarkeit nur die Angaben derjenigen berücksichtigt, die in Vollzeit (über 32 Stunden) arbeiteten. Bei der Auswertung zu Überstunden und Zufriedenheit wurden die Daten aller TeilnehmerInnen berücksichtigt. Gehälter sind in EUR angegeben. Sämtliche Gehaltszahlen beziehen sich auf das durchschnittliche Bruttojahresgehalt exkl. Sonderzahlungen (z.B. Boni). Diese wurden separat erfasst.

Um die breite Vielfalt des sozialen Sektors möglichst gut abdecken zu können, standen uns unsere Freunde von greenjobs.de und Impact Hub Berlin bei der Datensammlung unterstützend zur Seite. Insbesondere möchten wir Dalia Research für ihre Pro-Bono Unterstützung vom Design bis hin zur Auswertung der Umfrage danken. Zuletzt möchten uns natürlich bei den vielen TeilnehmerInnen der Studie bedanken, die es uns überhaupt  ermöglicht haben, diese Daten zu sammeln. Vielen Dank! 

tbd* Gehaltsreport 2017 findest Du hier zum Download bereit. 
 

10 Highlights aus dem Bericht

1. Die Mehrheit der TeilnehmerInnen sind zwischen 30 und 39 Jahren alt. 70% sind weiblich, über 95% sind Akademiker. Über 78% aller Befragten haben sogar einen Masterabschluss oder höher.   

Abschluss sozialer Sektor

2. Das Durchschnittsgehalt im gesamten Sektor liegt bei 37,616 EUR  

Durchschnittsgehalt sozialer Sektor

3. Der durchschnittliche Jahreszusatzverdienst (Bonus, Provision usw.) liegt bei 1,369 EUR

4. Das Durchschnittsgehalt bei Männern liegt bei 41,782 EUR

5. Das Durchschnittsgehalt bei Frauen liegt bei 35,723 EUR

Gehalt Männer und Frauen

Männer haben unter den Befragten durchschnittlich 1,5 Jahre mehr Berufserfahrung.  

6. Das Einstiegsgehalt liegt bei durchschnittlich 29,451 EUR 
Einstiegsgehalt sozialer Sektor

7. Diejenigen, die bei Stiftungen arbeiten, verdienen mehr als andere bei einem Durchschnittsgehalt von 42,577 EUR. Unter den Befragten bei den Wohlfahrtsverbänden ist das Durchschnittsgehalt etwas niedriger bei 33,786 EUR.

Gehalt nach Sektor

8. Das Durchschnittsgehalt im Bereich der Energiewende liegt bei 46,000 EUR und somit deutlich über dem Durchschnittsgehalt aller anderen untersuchten Bereiche. Diejenigen, die mit Geflüchteten zusammenarbeiten, haben vergleichsweise das geringste durchschnittliche Gehalt (34,615 EUR). 

9. Von allen Befragten leisten 92% Überstunden. Davon werden durchschnittlich 63% für diese Überstunden kompensiert.

Überstunden

10. 57% der Menschen im sozialen Sektor sind mit ihrem Gehalt zufrieden. Frauen sind weniger zufrieden mit ihrem Gehalt als Männer. Bei Frauen sind es 55%, die zufrieden sind - bei Männern sind es 62%.

Den Gehaltsreport 2017 findest Du hier zum Download bereit. 
 

Nächste Schritte

Gemeinsam können wir die Welt verändern. Wille und Brainpower sind vorhanden. Doch dafür müssen die Berufe, die darauf hinarbeiten, gerecht entlohnt und wertgeschätzt werden. 

Teile diese Ergebnisse mit Deinen Freunden und Kollegen. Lass uns diskutieren!

Bist Du überrascht? Entspricht es Deinen Erfahrungen? Was hättest Du erwartet? Was würdest Du Dir wünschen? 

Habt Ihr bei Euch in der Organisation bzw. im Unternehmen eine transparente Gehaltsstruktur? Warum eigentlich nicht? Wäre es nicht eine Idee, Deinen Vorgesetzten danach zu fragen? Durch einzelne Aktionen können wir gemeinsam viel bewegen. 

Bist Du selbst ArbeitgeberIn, HR-lerIn oder TeamleiterIn und möchtest mehr über die Studie und unsere Arbeit im Recruiting erfahren? Dann melde Dich bei Gina: gina@tbd.community

Im Interesse der Transparenz und zur kollaborativen Analyse, werden die (natürlich anonymisierten) Daten open source zur Verfügung gestellt. Möchtest Du Einblick in die Daten erhalten? Schicke uns eine Mail.

Wir freuen uns über Euer Feedback. Wir werden die Studie jedes Jahr durchführen und haben uns vorgenommen, jedes Mal eine immer bessere Datengrundlage zu schaffen. Schicke Deine Kommentare und Anmerkungen an: naomi@tbd.community.

Schon mal vorab in Sachen Feedback: Einige TeilnehmerInnen haben unsere Definition einer Vollzeitstelle bei "über 32 Stunden" hinterfragt. Diese Definition haben wir deshalb festgelegt, weil es internationalen Standards in der Marktforschung entspricht. Ganz pragmatisch gesehen ist eine Stelle, die eine Wochenarbeitszeit von über 32 Stunden entspricht, höchstwahrscheinlich die Haupteinkommensquelle eines Mitarbeiters. Das möchten wir hiermit abbilden. Die alternative Methodologie in der Marktforschung wäre es nach der Selbsteinschätzung zu fragen (d.h. "Ist deine Stelle eine Vollzeitstelle?") und die Stundenzahl gar nicht zu berücksichtigen. Zukünftig würden wir beide Optionen in Erwägung ziehen.

Dazu hatten wir von einigen TeilnehmerInnen die Rückmeldung, dass sie es schwer fanden, einige Fragen zu beantworten, weil sie mit befristeten Verträgen eingestellt werden. Das ist natürlich ein besonderes Merkmal des Sektors und das hätten wir daher besser berücksichtigen müssen. Insgesamt wäre es interessant zu erfahren, welcher Anteil der Befragten in einem befristeten Verhältnis steht und wie er bzw. sie dies bewertet. Augen auf für 2018!