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Erstelle gedanklich mal eine Liste der 10 Menschen, mit denen du in letzter Zeit dich am meisten im Austausch befunden hast (z.B. Kolleg*innen, Freund*innen, Familienmitglieder etc.) und frage dich: wie sind diese Menschen mit der COVID-19 Pandemie umgegangen? Wie schätzt du ihre Reaktion im Vergleich zu deiner eigenen ein? Keine Sorge, hier geht es nicht um einen Wettberwerb und es gibt keinen Preis für die*denjenigen, der*die es am besten verkraftet hat. Aber fällt dir auf, wie jede*r auf seine eigene Weise auf diese Umstände reagiert hat? Ich wundere mich oft, wie manche Menschen mit Unglück besser umgehen können – ja sogar trotz der negativen Erlebnisse in ihrem Leben gedeihen können –, während andere sich sehr schwer tun. In meinem letzten Artikel Aufbau eines resilienzfähigen Teams habe ich gemeinsam mit dir das Konzept der Resilienz ergründet, eine phsychische Fähigkeit mit Stress und Rückschritten umgehen zu lernen.

In The Power of Meaning: Finding Fulfillment in a World Obsessed with Happiness, erwähnt die Autorin Emily Esfahani die beiden Männer Smith Steven Southwick und Dennis Charney, die beobachteten, wie "resiliente Menschen nicht nur wieder auf die Beine kamen, sondern manche sogar wuchsen". Sie identifizierten auch zehn Merkmale, die widerstandsfähige Menschen von anderen unterscheiden, und unter diesen Merkmalen findet man Sinn und Bedeutung (mehr dazu kannst du in meinen früheren Beiträgen des Meaningful May finden: Leidenschaft ergibt Sinn und "Wer ein Warum hat zu leben, erträgt fast jedes Wie"), soziale Unterstützung (siehe die Artikel im Friendly February, Verbundenheit und Zugehörigkeit und Der Unzivilisiertheit am Arbeitsplatz trotzen) und einen moralischen Kompass, der an Altruismus gebunden ist.

Wie erhöht Altruismus deine Widerstandskraft und in welchem Zusammenhang steht er mit deinem Glück? Der buddhistische Mönch Matthieu Ricard betont, dass es "einen Zusammenhang zwischen Altruismus und Glück gibt, der bestimmt, dass diejenigen, die sich selbst für die Glücklichsten halten, auch die Altruistischsten sind" (The art of happiness, Matthieu Ricard). Wenn man glücklich ist, verringert sich im Grunde genommen das Gefühl der Selbstgefälligkeit und man ist anderen gegenüber offener. Es ist jedoch auch wichtig zu beachten, dass es mehrere Kreise des Mitgefühls und der Empathie gibt, so dass man eher geneigt sein könnte, einem geliebten Menschen, einem*einer Freund*in oder jemandem, mit dem*der man etwas gemeinsam hat, zu Hilfe zu kommen, als einem Fremden, zu dem*der man sich nicht besonders verbunden fühlt. Die Herausforderung für uns besteht darin, den Kreis des Mitgefühls auf alle Wesen auszudehnen, damit wir ein Gefühl dafür entwickeln können, was Seine Heiligkeit der Dalai Lama "universelle Verantwortung" nennt.

Der glücklichste Mensch ist der, der keine Spur von Bosheit in seiner Seele hat. (Platon)

Kann Altruismus wirklich selbstlos sein oder steckt immer ein Hauch von Egoismus darin? Der Psychologe Daniel Batson unterscheidet zwischen zwei Arten von Altruismus: wahrer und falscher Altruismus. "Echter Altruismus wird durch keinen anderen Grund motiviert, als Gutes für andere zu tun", während sich der falsche Altruismus darauf konzentriert, die eigene Not angesichts des Leidens anderer Menschen zu verringern (The art of happiness, Matthieu Ricard). Wie kann man lernen, seine eigene emotionale Belastung zu verarbeiten, um gegenüber dem Leiden anderer Menschen präsent zu bleiben und echten Altruismus zu praktizieren?

Im The Book of Joy stellen Seine Heiligkeit der Dalai Lama und Erzbischof Desmond Tutu die Praxis des Tonglen – des Sendens und Empfangens – vor, die es einem erlaubt, "präsent zu sein und anderen zu helfen, wenn sie leiden, Widrigkeiten begegnen oder mit Krankheit konfrontiert sind". Das folgende Rezept "Mit dem Leiden anderer umgehen" wurde aus When Things Fall Apart - Heart Advice for Difficty Times der tibetisch-buddhistischen Nonne Pema Chödrön adaptiert, die erklärt, dass Tonglen "eine Praxis ist, Schmerz aufzunehmen und Freude auszusenden". Sie hat zahlreiche Vorteile:

  1. Es reduziert dein eigenes Leiden, weil es dich davon befreit, dich nur auf deine "Selbstbesorgnis" zu konzentrieren;
  2. Sie erlaubt dir, eine Oase des Friedens und der Heilung zu werden; und
  3. Es ermöglicht es, sich weniger belastet zu fühlen und gleichzeitig bedingungslos zu lieben.

Tonglen ist nicht einfach, aber mit Übung, Geduld und Mitgefühl wird es dir helfen, dich auf schmerzhafte Situationen zuzubewegen und mit ihnen vertraut zu werden, damit du dein Herz vollständig öffnen und wahre Freude und Glück erfahren kannst.

Die vollständigen Richtlinien findest du hier. Der nächste Beitrag stellt eine Peer-Coaching-Praxis vor, um das eigene Team dabei zu unterstützen, "aus der Sackgasse" herauszukommen und voranzukommen.

Über Greta und Recipes for Wellbeing

Greta Rossi ist eine Changemakerin, die an mehreren gemeinnützigen Initiativen beteiligt ist, darunter Recipes for WellbeingAkasha InnovationPitch Your Failure und ChangemakerXchange. Recipes for Wellbeing arbeitet darauf hin, die Kultur des Changemakings so zu gestalten, dass der Schwerpunkt auf ganzheitlichem Wohlbefinden liegt, damit jeder effektiver zur Schaffung positiver Veränderungen in der Welt beitragen kann. Von frei zugänglichen Wohlfühlrezepten, über Wellbeing-Vorträge und Workshops bis hin zu immersiven Wellbeing-Labs machen wir Wohlbefinden für Changemaker*innen und ihre Teams zugänglich. Wenn du einen Vortrag, einen Workshop oder ein Retreat für dein Team oder deine Organisation veranstalten möchten, wende dich an uns unter info@recipesforwellbeing.org.

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