Die Europäische Kommission hat vor ein paar Monaten Plastikstrohhalme als eine der größten Quellen für Plastikmüll in den Weltmeeren identifiziert und will diese nun verbieten. Doch gibt es Alternativen? Braucht die Welt überhaupt Strohhalme? Hannah Cheney und Sebastian Müller haben HALM gegründet, ein Unternehmen, das Strohhalme aus Glas herstellt. Im Interview erzählen sie, wie sie damit einen Beitrag zur Vermeidung von Plastikmüll leisten wollen.

Wie ist die Idee zu HALM entstanden?

Hannah Cheney: Meine persönliche Motivation für die Gründung von HALM kam als wir 2015 in Thailand auf einer kleinen Insel im Urlaub waren. Alles war total schön, nur der Strand war zugemüllt. Ich habe dann einen Beach Cleanup mit Freunden organisiert. Beim Müll sammeln haben wir gemerkt, dass gefühlt jedes zweite Teil ein Plastik Trinkhalm war. Als Sebastian und ich uns dann abends die Zahlen angeschaut haben, sahen wir, dass weltweit täglich drei bis sechs Milliarden Plastiktrinkhalme im Müll landen. Das hat mich total geschockt und sehr bewegt. Ein Strohhalm ist so ein kleines Teil, das aber so einen großen Impact hat. Und dann habe ich mir gedacht: „Es ist wichtig die kleinen Dinge zu ändern, die in der Summe einen großen Effekt haben auf unsere Umwelt. Das hat mich dann bewegt eine Alternative zu entwickeln.

Gab es Hürden auf dem Weg dorthin?

Hannah Cheney: Am schwierigsten war es am Anfang einen Partner zu finden mit dem wir unsere Produktvision umsetzen konnten. Dies war in einer Jahrhundert Jahre alten Industrie, wie der Glasindustrie, nicht einfach. Dazu kommt, dass es unser Anspruch ist eine Firma mit Null Plastik Impact zu sein. Dies stellte uns bei weiteren Produktionsschritten wie Verpackungen und Bürsten vor Herausforderungen und benötigte sehr viel Erklärungsbedarf. Viele unserer Partner haben extra für uns ihre Prozesse umgestellt.

Es gibt mittlerweile viele kleine Helfer um den eigenen Plastikkonsum zu reduzieren. Warum gerade Trinkhalme? Wäre es nicht einfacher komplett darauf zu verzichten?

Sebastian Müller: Klar, in vielen Fällen kann direkt aus dem Glas oder Flasche getrunken werden. Schmeckt ja auch oft besser und ist gesünder als auf BPA rumzukauen. HALM bietet ein besonders pures Geschmackserlebnis und kommt bei hochwertigen Getränken zum Einsatz. Mehrschichtige Drinks wie White Russian und Caipirinha oder Frozen Margarita funktionieren ohne Trinkhalm für mich einfach nicht. Hinzu kommt der Gesundheitssektor. Es gibt Menschen, die ohne Trinkhalm gar nicht trinken können. Auch für die gibt es dann den nachhaltigen HALM. Eltern lassen ihre Kinder gerne durch HALM trinken, da sie so die Kids motivieren können, genug Flüssigkeit zu sich nehmen - dazu noch Mineralöl- und BPA-frei.

Innovative Ideen gibt es mittlerweile viele, nur schaffen die wenigsten den Durchbruch. Wie wollt ihr es schaffen, dass jeder Haushalt eure Trinkhalme nutzt?

Hannah Cheney: In der Produktentwicklungsphase haben wir ausgiebig Alternativen getestet. Papier weichte durch, Bambus war für den Gastronomiebetrieb zu unhygienisch und Metall verfälschte den Geschmack. Glas ist einfach zu reinigen, schmeckt am besten und es ist total stylisch. Man kann das Trinken durch HALM geschmacklich beschreiben mit dem Trinken einer Cola aus einer Glasflasche im Vergleich zu einer Cola aus einer Plastikflasche. Auf so ein nachhaltiges Geschmackserlebnis will einfach kein Gastronom und kein Haushalt verzichten.

Plastik zu vermeiden ist für Konsument*innen häufig mit finanziellem und zeitlichem Aufwand verbunden. Welche Rolle sollten deiner Meinung nach Unternehmen und der Staat in der Debatte übernehmen?

Sebastian Müller: Meiner Meinung nach liegt es in der Hand der Privatwirtschaft die Welt zu verändern. Vor allem Unternehmer mit leitenden Positionen haben mit ihren Entscheidungen im Handumdrehen einen riesen Einfluss beim Kampf gegen Plastik. Wir von HALM streben danach eine Firma mit Null Plastik Impact zu sein. Es ist nicht einfach, aber nicht unmöglich.

Die Rolle der Politik haben wir am eigenen Leib erlebt. Als wir im Juni 2017 an den Markt gegangen sind, haben wir uns den Mund oft fusselig dabei geredet Gastronomen für den Umstieg auf wiederverwendbare Trinkhalme zu überzeugen. Die Absicht der EU Kommission, in Zukunft Einwegplastik zu verbieten, hat uns viele Türen geöffnet. Auch Supermärkte und große Konzerne denken jetzt über Alternativen nach.

Was sind eure Tipps, wie ich als Einzelperson meinen Plastikkonsum verringern/ stoppen kann?

Sebastian Müller: Zuerst einmal natürlich immer seinen eigenen HALM dabei haben ;). Die drei wichtigsten Tipps von mir sind 1. Verzicht, 2. Verzicht, 3. Verzicht. Mir fällt es im Alltag auf, wenn ich durch die Stadt gehe. Hier lockt mich ein Café mit seinen schmackhaften Angeboten, dort bekomme ich aufgrund der Werbung Lust auf neue Schuhe. In so vielen Produkten und Verpackungen ist Plastik enthalten. Je mehr ich diesen Reizen widerstehe und verzichte, je mehr stoppe ich meinen Plastikkonsum. Und Hand aufs Herz: Wie viele Klamotten brauche ich denn wirklich? Und den Kaffee kann ich mir auch ein paar Minuten später zuhause oder im Büro machen, vorausgesetzt, dass ich ihn dann überhaupt noch haben möchte. Mit Verzicht kann ich also eine ganze Menge an Plastik verringern.

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