Header: © Sina Goeschen

Vor einiger Zeit haben wir ein Interview mit Iulia Mitzner geführt. Sie hat die App Queen of the Neighborhood (kurz: QUOTN) gegründet, die User*innen mit nachhaltigen, von Frauen und Trans* gegründeten oder geführten Unternehmen verbindet. Einmal im Monat wird dort die "Queen of the Month" gekürt und in einem Interview per Video vorgestellt. Im Februar (ja, leider haben wir den März aussetzen müssen) ging die Krone an FairForce (das Interview könnt ihr hier nachlesen).

Diesen Monat wird die Ehre Dzaino zuteil. Das Up-cycling-Label aus Berlin, gegründet von Hanna und Julia – Freundinnen seit über zehn Jahren, wurde gegründet, weil ein Wandel in der Mode- und Textilindustrie in Richtung Nachhaltigkeit und Circular Economy unausweichlich ist. Und bei diesem Prozess möchte das Dzaino Team dabei sein. Was genau das bedeutet und wie der Weg zur Gründung aussah, haben wir im folgenden Interview mit den beiden geklärt.

Dzaino. Ein besonderer Name und ein besonderes Konzept. Kannst du (oder ihr) kurz erzählen was dahinter steckt? 

Hannah: “Dzaino” ist ein Taschen und Accessoire Label aus Berlin, mit Upcycling Konzept. Wir produzieren komplett lokal in Berlin in Kooperation mit Werkstätten für Menschen mit Beeinträchtigung und mit der Stadtmission Berlin. Das besondere an “Dzaino” ist außerdem, dass wir Upcycling machen, aber ohne den “typischen” Upcycling-Look. Das heißt die Taschen sehen auf den ersten Blick gar nicht nach Upcycling aus.  

Ihr habt ja mit einer Yogamatten-Tasche begonnen. Wie kamen die anderen Produkte dazu? Ein organischer Prozess oder bewusste Entscheidungen? 

Julia: Genau, die Yogamatten-Tasche war unser erstes Produkt, mit dem die Zusammenarbeit gestartet ist. Die weiteren Produkte kamen eigentlich eher organisch dazu. Hannah hatte schon häufig Weekender genäht und ich hatte viele Gym-Bags genäht und das waren dann die weiteren Produkte. Nach und nach kam immer mehr dazu. Das kam häufig aus einer Entscheidung was uns gerade interessiert hat, oder welche Anfragen wir bekommen haben. Dann haben wir einfach losgelegt.

Was habt ihr beide davor gemacht? Könnt ihr vielleicht auch kurz erzählen wie so die Verantwortung und Aufgabengebiete zwischen euch verteilt sind?

Hannah: Wir haben beide vor Dzaino sehr viele unterschiedliche Sachen gemacht. Wir haben zwar beide Design studiert, Julia hat aber zusätzlich noch eine Schneiderlehre gemacht und hat in Bereichen Yoga, Theaterpädagogik und Film gearbeitet. Ich hab viel Grafik Design gemacht. Aber auch mal bei nem Upcycling Label gearbeitet und in einem Concept-Store und so weiter und sofort. Alles was wir davor gemacht haben, war aber schon immer an die Kreativbranche geknüpft und auch an Nachhaltigkeits-Themen. 


Aus dem Lookbook von Dzaino; © Daniel Weigel für Dzaino

Ich habe gesehen, ihr seid seit über 10 Jahren befreundet. Wie viele Jahre davon kanntet ihr euch vor der Gründung? Gab es DEN Entscheidungsmoment wo ihr wusstet: JETZT wird gegründet und DAS Produkt wir hergestellt?

Julia: Seit 2005 kennen Hannah und ich uns. Bei einem Vorstudium in Hamburg haben wir uns kennen gelernt und haben eigentlich dann erst 2015, nachdem wir die ganze Zeit auch schon befreundet waren, uns hier in Berlin wieder zusammengetan. Und 2017 haben wir dann, nachdem wir die ganze Zeit schon nebenberuflich Dzaino aufgebaut haben, entschieden – okay, lass uns das jetzt Mal hauptberuflich machen. Weil das so ein intensives Hobby geworden ist, dass das nebenberuflich eigentlich schon so zu viel war. Dann haben wir gesagt: lets go! 2018 haben dann den Startschuss gehabt und 100% Dzaino gemacht.    

Habt ihr Tipps für Freund*innen die gemeinsam gründen wollen? Manche raten ja davon ab.

Hannah: Tipps für Freundinnen oder Freunde die gemeinsam gründen wollen: Auf jeden Fall die Freundschaft dahinter nicht vergessen!

Vertrauen zu haben ist auf jeden Fall eine gute Basis und, dass man gut, offen und ehrlich über alles sprechen kann. Über Kritik, über Probleme, über Unzufriedenheiten. Wenn das gegeben ist, dann ist eine Freundschafts-Gründung das Beste, das man machen kann.

Gab es mal einen Tiefpunkt oder eine besondere Belastung für eure Freundschaft durch das gemeinsame Unternehmen? Wenn ja, wie seid ihr da wieder rausgekommen?

Julia: Also ich glaube wir meistern Tiefpunkte oder Belastungsmomente immer sehr gut, weil wir sehr viel reden. (lacht) Und eigentlich jeden Morgen so eine Art Check-In machen wie es uns geht. Und haben ein sehr großes Vertrauen ineinander, sodass wir uns auch immer die Wahrheit sagen wie es uns gerade geht. Auch mit der beruflichen Situation. Und ja, das ist ganz wichtig. Ehrlich zu sein. Ich glaube das ist das Hauptding.

Weil wir gerade bei Ausnahmesituationen sind: Wie hat sich euer Business durch die momentane Situation verändert?

Hannah: Ja, die momentane Situation hat natürlich unsere Arbeit auch sehr verändert. Anfangs waren wir sehr geschockt, weil große Aufträge für uns weggebrochen sind und wir wirklich nicht so richtig wussten, ob wir weitermachen können. Kurz darauf kamen dann die ersten Anfragen für Mund-und Nasenmasken und wir haben erst mal abgelehnt und gesagt – nee sowas machen wir nicht. Wir wissen gar nicht wie das geht. Wir machen ja eigentlich Taschen. Dann war die Nachfrage aber so groß und es haben echt so viele danach gefragt, dass wir doch damit angefangen haben und tatsächlich jetzt auch viele Masken produzieren und verkaufen. Was uns momentan ein bisschen Umsatz beschert, aber trotzdem ist es nicht so, dass wir jetzt irgendwie total erleichtert sind. 


Handarbeit; © Sina Goeschen für Dzaino

Habt ihr bisher irgendwelche Learnings aus dieser Krisensituation für euch als Team ziehen können, die ihr vielleicht anderen ans Herz legen könnt? 

Julia: Ein Learning ist auf jeden Fall, Dinge nicht zu verkomplizieren und gut erarbeitete Strukturen einfach kreative anders umsetzen. Weiterhin, jetzt in unserem Fall, viel reden über Ängste und Bedenken, dem Anderen zuhören. 

Auf was hofft ihr nach der ganze Corona-Krise? Für Dzaino, aber auch allgemein für Unternehmer*innen und die Fashion-Industrie.

Hannah: Wir hoffen, dass nach der Krise die ganzen Fairfashion-Labels,  Unternehmen, Initiativen, Projekte weiter überleben können. Nicht so sehr in finanzielle Notlage geraten sind, dass sie aufhören müssen mit ihren tollen Ideen und ihrer tollen Arbeit. Denn es wurde bis heute schon so viel geschafft in dem Bereich nachhaltige Mode, dass es wirklich sehr, sehr tragisch wäre, wenn die kleinen Unternehmen von der Bildfläche verschwinden. Und genauso hoffen wir natürlich auch für uns, dass wir weitermachen können. Mehr upcyclen und mehr Textilmüll reduzieren können.

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