Manche Konzepte hören sich so rund an, dass man sich wundert, dass keine*r früher auf die Idee gekommen ist. Wahrscheinlich scheitert es oft daran, den Schritt von der Idee zur Realisation zu gehen.

Iulia Mitzner hat diese erste – und vielleicht schwierigste – Hürde beim Gründen bewältigt und im April Queen of the Neighborhood, kurz QUOTN, gelauncht. Die App möchte ihren User*innen einen Überblick über Unternehmen bieten, die sowohl von Frauen oder Trans* gegründet bzw. geführt werden, als auch nachhaltig sind. Klar, dass wir total begeistert von diesem Format sind und uns umso mehr gefreut haben, als Iulia einem Interview zugesagt hat.


Iulia Mitzner / Bild: QUOTN

tbd*: Wie bist du darauf gekommen QUOTN zu gründen? Was ist deine Geschichte?

Iulia: Ich habe 6 Jahre beim Film gearbeitet und während meiner Zeit in Berlin, aber auch schon davor, immer gerne Leute und Projekte zusammengeführt. 

Als ich beschlossen habe mit Film aufzuhören und eine Weiterbildung im Onlinemarketing zu machen, habe ich mir überlegt, wie ich aus dieser Tatsache etwas Sinnvolles machen könnte. Dabei wurde mir schnell bewusst, dass es eigentlich hauptsächlich Frauen sind, die ich da zusammengebracht habe. Jede hatte irgendein tolles, kreatives Projekt am Start. Das war 2017. Ich glaube auch noch vor #metoo, als in der Öffentlichkeit noch nicht so viel feministische Diskussion stattfand. Ich habe also begonnen zum Thema Unternehmerinnen zu recherchieren und bin von der Idee einen Blog zu schreiben, über die Idee ein Kollektiv gründen, eigentlich ziemlich schnell auf die Idee gekommen eine App zu machen. Mich persönlich haben die damals bereits vorhandenen Projekte eigentlich überhaupt nicht angesprochen. Mir war das immer alles zu corporate. Zu brav. Zu angepasst an den Mainstream. Deshalb wollte ich unbedingt etwas “Alternativeres” erschaffen. Auch so ein bisschen nach dem Motto “Change the system, not the womxn!"

tbd*: Wie seid ihr auf den vielversprechenden Namen gekommen?

Iulia: “Queen of the Neighborhood” ist eine Zeile aus einem Lied von Bikini Kill. Rebel Girl muss man ja mittlerweile schon als feministischen Klassiker bezeichnen, finde ich. DIE Hymne der Riot-Grrrl-Bewegung der 90er. Diese Brücke zu schlagen fühlte sich für mich einfach richtig an und damals hatte auch noch niemand diese Zeile wirklich aufgegriffen. Heute, zwei Jahre später ist Bikini Kill auf Re-Union Tour… Wer hätte sich das gedacht! Inhaltlich passt der Name natürlich auch perfekt. Denn wir möchten ja vor allem lokale und kleine Unternehmen eine Plattform bieten. Unternehmen die nachhaltig und sozial arbeiten. 

tbd*: Wie könnte ich mein Unternehmen bei euch listen lassen? Welche Prüfinstanzen gibt es?

Iulia: Anmelden kann man sich einfach über das Anmeldeformular. Wir schalten momentan noch jedes einzelne Unternehmen persönlich frei und überprüfen natürlich wer sich da angemeldet hat und was hochgeladen wird. Wir erarbeiten gerade noch ein besseres Assessment-Tool, um die Nachhaltigkeit der Unternehmen abzufragen, aber momentan können die Unternehmerinnen anklicken welche der Sustainable Development Goals auf sie zutreffen und uns noch mitteilen was sie tun um ihr Unternehmen und die Zukunft/ Welt nachhaltiger zu gestalten. 


Das Team von Queen of the Neighborhood, das die erste Vision der App erstellt hat / Bild: Peter Sorries; QUOTN

tbd*: Wie viele Unternehmen findet man momentan bei euch? 

Iulia:  Momentan haben wir rund 200 Unternehmen in unserem Netzwerk. Hauptsächlich in Berlin, aber es gibt auch schon ein paar deutschlandweite Ausreißer. Wir freuen uns natürlich über Anmeldungen aus der ganzen Welt!

tbd*: Was für ein Unternehmen würde bei euch nicht gelistet werden?

Iulia: Ein Unternehmen, das im Gründerteam, die von uns vorgegebene Frauen*-Quote von mindestens 50% nicht erreicht, können wir momentan nicht listen. 

Wir haben mit dem wirklich harten Kern begonnen und erst nur von Frauen* gegründete Unternehmen aufgenommen, aufgrund einiger Anfragen haben wir das dann aber auf eine 50% Quote geöffnet. Ganz allgemein auch noch, zu große Franchise-Unternehmen. Ich denke die sind für uns nicht wirklich spannend und wir für sie nicht. 

tbd*: Auf welchen Betriebssystemen läuft die App?

Iulia: Auf allen. Wir haben uns bewusst dazu entschieden eine Web-App zu machen. Genau aus dem Grund die Betriebssysteme und Appstores zu umgehen. 

Ich finde das hat was Inklusives und macht einen unabhängig. Was viele nicht wissen ist, dass man sich einen Shortcut für die Webapp ganz einfach am Telefon Desktop abspeichern kann. Damit ist es von der Bedienung eigentlich ganz gleich wie eine native App. Wie man das genau macht erklären wir übrigens in einem Video in unseren IG Highlights. In den Appstores findet man uns deshalb bisher nicht. Die App ist unter app.quotn.co zu erreichen

tbd*: Was sind eure Pläne für die Zukunft?

Iulia: 2020 haben wir viel vor! Gerade sind wir wieder in zwei Wettbewerben nominiert. Unter anderem für das "Global Goals Lab”. Da freuen wir uns auf jeden Fall über Stimmen; noch bis zum 13.12. geht das Voting.

Unsere App muss natürlich noch immer weiter ausgebaut werden. Wir haben im April ja erst mal nur ein MVP (Minimum Viable Product) gelauncht und finanziert bekommen. Daran arbeiten wir auf jeden Fall weiter. Wir möchten die ganze Plattform gerne auch noch zirkulärer gestalten und suchen nach Wegen und Möglichkeiten das umzusetzen. Aber auch offline möchten wir 2020 noch mehr Community Building betreiben und werden hoffentlich ein paar spannende Events auf die Beine stellen.

Da unser Stipendium im September zu Ende gegangen ist, sind wir natürlich auch auf der Suche nach neuen Finanzierungswegen. Momentan ist alles wieder Bootstrapping. 

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