Wir finden uns schon ganz schön gut, oder? Wir Weltverbesser*innen meine ich. Wir setzen uns für eine bessere Welt ein. Wir helfen anderen, die, aus welchen Gründen auch immer, nicht so privilegiert sind wie wir. Für Geflüchtete, für Obdachlose, für den Elefanten, für den Ozean, für Frauen oder für Kinder. Wir machen Kampagnen gegen ungefähr jeden. Gegen die Politik, gegen die Wirtschaft, gegen die Bösen. 

Aber wie kritisch sind wir mit uns selbst?

Läuft alles wirklich so wunderbar gerecht, fair und ethisch innerhalb unseres eigenen Sektors, wie wir es anderen suggerieren? Die Antwort lautet klipp und klar: Nein. Und es ist irgendwie uns allen bewusst. Wir tendieren zu Selbstausbeutung, Burnout und Armut. Dafür sind wir aber selbst verantwortlich. Wir könnten ja auch woanders arbeiten oder auch einfach anders arbeiten.

Aber so ganz kann man das nicht von strukturellen Bedingungen trennen. Insbesondere, wenn es um das Thema Geld geht. Und das sollten wir auch nicht tun. Denn Strukturen, die „andere Arbeits-Welten“ betreffen, sind genauso relevant für unsere Branche. Und wenn wir nicht anfangen, sie von Innen heraus auseinanderzunehmen, wie wollen wir dann die entscheidende Veränderung zu einer gerechteren Welt herbeirufen?

Wir haben ein Diversity Problem.

Viel zu wenig Menschen mit anderen kulturellen Hintergründen arbeiten im Sektor – insbesondere auf Leitungsebene sind sie rar gesäht. Und wir haben viel zu wenig Frauen in Führungspositionen. Außerdem existiert eine Gender-Pay-Gap, die genauso groß ist wie im Gesamtdurchschnitt Deutschlands. Noch schlimmer allerdings, da viel mehr Frauen in dem Sektor arbeiten als Männer. Wenn sich Frauen dafür entscheiden im sozialen Sektor zu arbeiten verlieren sie also doppelt: weil die ganze Branche unterdurchschnittliche Gehälter zahlt und dann noch wegen der Gender Pay Gap, die ebenfalls existiert.

Laut dem neuen Gehaltsreport vom tbd* für den sozialen und nachhaltigen Bereich verdienen Frauen im Durchschnitt 20% weniger als Männer im gleichen Bereich. Der Unterschied wird sogar noch größer, je mehr Berufserfahrung man hat. Mit 15 Jahren Berufserfahrung kann eine Frau von einem Durchschnittsgehalt von 52.000 EUR ausgehen. Ein Mann dagegen von 63.000 EUR. Bei der Umfrage waren 66% der Teilnehmer*innen weiblich – das entspricht auch der Aufteilung der Nutzer*innen bei tbd*. Und das bei knapp zwei Millionen Nutzer*innen. Wovon man stark ausgehen kann, ist, dass es deutlich mehr Frauen in dem Bereich gibt, die durchschnittlich weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen.

Lass uns den Unterschied machen!

Helene Wolf, Gründerin von FAIR SHARE, und ehemalige stellvertretende Direktorin vom Berliner „International Civil Society Centre“ stimmt uns zu und glaubt, dass der Gender-Pay-Gap unter anderem auch damit zu tun hat, dass es weniger Frauen in Führungspositionen gibt. „Most CSOs include gender issues in their programming and advocacy – yet most of them don’t live up to gender parity within their own organisations. Based on the first FAIR SHARE Monitor we researched and published this year, we now know that most CSOs have a significant gap of women leaders in comparison to the number of women on their staff.” CARE Germany zum Beispiel hat 53% Frauen in der Organisation aber nur 38% der Manager*innen sind weiblich. Wir werden gemeinsam mit FAIR SHARE und anderen für eine gerechtere Welt auch innerhalb des Sektors arbeiten.

Möchtest Du auch dabei sein? Melde Dich bei hello@fairsharewl.org