Den genauen Mehrwert von Social Entrepreneurship zu berechnen ist kein leichtes Unterfangen. Insbesondere, da Social Entrepreneurs sehr unterschiedliche Produkte und Dienstleistungen vertreiben und sehr unterschiedliche Anspruchsgruppen haben.

Allgemeiner Nutzen

Eines ist jedoch unumstritten: Mit ihrer Tätigkeit unterstützten Social Entrepreneurs die Volkswirtschaft auf unterschiedlichste Weisen. Folgenden Nutzen hat Social Entrepreneurship für Deutschland:

  • Arbeitsplätze

Ganz offensichtlich schaffen Social Entrepreneurs Arbeitsplätze, so wie auch konventionelle Gründer. Viele bauen ihre Unternehmen jedoch als ein Inclusive Business auf, welches Menschen einstellt, die systemisch daran gehindert werden, in den allgemeinen Arbeitsmarkt zu kommen ( z.B. Menschen mit Beeinträchtigung, Geflüchtete, Drogenerkrankte, ehemalige Strafgefangene). Diese Menschen können durch die Anstellung in einem Sozialunternehmen ein selbstbestimmtes Leben führen und sind nicht mehr abhängig von Sozialleistungen. Das führt zur Entlastung des Staatshaushalts.

  • Einsparung staatlicher Programme

Social Entrepreneurs senken zusätzlich die Kosten staatlicher ökologischer und sozialer Programme. Denn Social Entrepreneurs lassen die volkswirtschaftlichen Kosten von Umweltschäden und sozialem Missstand gar nicht erst entstehen; sie haben sich sogar zur Aufgabe gesetzt, ökologische und soziale Herausforderungen von ihren Ursachen her zu lösen.

  • Aufbau sozialen Kapitals

Soziales Kapital, beispielsweise in Form von Vereinen und öffentlichen Events, ist ein wichtiger Grundbaustein für ökonomische Entwicklung. Dieses Kapital bietet beispielsweise die Grundlage für Unternehmen, Personal in ihrer Region zu akquirieren. Social Entrepreneurs sind in den meisten Fällen sehr kompetent darin, diese Art von Netzwerken aufzubauen und weiter zu entwickeln. Sie befeuern damit die lokale Ökonomie, was wiederum positive Effekte auf die gesamte Volkswirtschaft hat.

  • Innovationskultur

Social Entrepreneurship liefert neue Lösungen auf gesellschaftliche Probleme. Durch die unternehmerische Herangehensweise liefern sie wertvolle Impulse für Veränderungen in der Wirtschaft und Sozialwirtschaft. Ich wage zu behaupten, dass etablierte Unternehmen erst durch die innovativen Vorstöße der Social Entrepreneurs Lösungen für soziale und ökologische Probleme finden können.

  • Neugefundener Mut zur Nachhaltigkeit

Die täglichen Berichte aus den Nachrichten zeigen globale Verwüstung, Wirren und Unfähigkeit der Entscheidungsträger. Diese Berichte suggerieren, dass eine nachhaltige Zukunft nicht möglich ist. Social Entrepreneurs konterkarieren dieses Bild, indem sie immer wieder mit ihren innovativen Lösungen Möglichkeiten aufzeigen, wie diese Zukunft sehr wohl möglich ist. Dieser Mut ist es, der immer notwendiger ist – auch für die deutsche Gesellschaft. Und er ist unbezahlbar!

Konkreter Nutzen

Allgemeine Wertvorteile sind schön und gut. Oftmals benötigt es jedoch konkreter Zahlen, um wirklich zu überzeugen. Ein guter Anhaltspunkt dafür ist die Sozialrendite oder Social Return on Investment (kurz: SROI). Sie zeigt den sozialen Mehrwert einer gewissen Aktivität. Bei einem SROI von 200% beispielsweise erhält man für jeden Euro, den man in eine Aktivität investiert zwei Euro an volkswirtschaftlicher Leistung zurück. 

Einige deutsche Sozialunternehmen haben diese (recht aufwendige) Berechnung bereits unternommen und liefern einen beispielhaften Wert, welcher Nutzen aus der Förderung von Social Entrepreneurship erwächst. Das erste Beispiel: Dialog im Dunkeln.

2015 bewerteten Mitarbeiter des Beratungsunternehmens PwC eine Filiale des Sozialunternehmens nach dessen SROI. Sie fanden, dass mit jedem Euro, das dem Dialog Museum in Frankfurt zufließt über drei Euro in die Volkswirtschaft wieder zurück fließen. Wenig verwunderlich lag der größte Anteil an diesem Rückfluss in der Beschäftigung und Inklusion benachteiligter Menschen. Durch die Anstellung von vornehmlich blinden Menschen spart der Staat, das Finanzamt und die Sozialkassen. Gleichzeitig schafft das Unternehmen ein zusätzliches gesamtwirtschaftliches Einkommen aufgrund von Konsumeffekten.

Effekte gleicher Größe aber in ganz anderen Bereichen wurden dem Sozialunternehmen Balu und Du zugesprochen. Eine unabhängige Beratungsfirma fand 2014 bei einer SROI-Analyse, dass das Unternehmen vor allem in den Punkten Bildung und bürgerschaftliches Engagement eine positive Auswirkung hatte. Der veranschlagte SROI belief sich auf 425%; für jeden Euro fließen demnach über vier Euro in die Volkswirtschaft zurück.

Das sind nur zwei Beispiele von einer Vielzahl von Sozialunternehmen, die einen immensen Mehrwert für Deutschland generieren. Überträgt man diese Zahlen auf das gesamte Ökosystem wird schnell klar: Jeder Euro, der in die Entwicklung und das Wachstum von Social Entrepreneurship fließt bringt einen vielfachen Nutzen zurück.

Es bleibt also zu hoffen, dass die neue Bundesregierung sich den Forderungen von SEND annimmt – für mehr Mut für eine nachhaltige Zukunft.