Ihr löst an einem Ort erfolgreich eine gesellschaftliche Herausforderung und möchtet eure Wirkung nun auch in anderen Städte und Regionen verbreiten? Skalierung ist für viele Sozialunternehmen der logische nächste Schritt.

Ob wellcome, GemüseAckerdemie, die Eltern AG oder climb, es gibt jede Menge Organisationen, die ihre Wirkung in ganz Deutschland und oft darüber hinaus verbreitet haben. Doch nicht immer gelingt das Vorhaben. Planung und strategisches Vorgehen ist wichtig, um erfolgreich zu skalieren. Wer das nicht macht, riskiert sein Vorhaben an die Wand zu fahren. Was alles schiefgehen kann und wie ihr das verhindern könnt, erfahrt ihr hier.

1. Ihr habt zu wenig Ressourcen für die Skalierung eingeplant

Die Verbreitung gesellschaftlicher Lösungsansätze birgt jede Menge Vorteile. Es werden mehr Menschen erreicht und die Wirkung erhöht. Mehr Standorte bedeuten oft auch mehr Sichtbarkeit und eine gemeinsame Lobby für das eigene Thema. Die Erfahrungen und Erkenntnisse, die die neuen Standorte gewinnen, tragen außerdem zu einer Optimierung des Projekts bei. Es gibt aber immer zwei Seiten der Medaille – auch hier. Denn um von den Vorteilen zu profitieren, braucht es Zeit und Ressourcen. So müssen die Standorte natürlich erst einmal aufgebaut werden. Lokale Partner:innen, die euer Projekt vor Ort umsetzen, müssen geschult und begleitet werden. Ansonsten steigt das Risiko, dass sie das Projekt anders umsetzen als gedacht. Um von der gemeinsamen Arbeit und dem Wissensaustausch zu profitieren, braucht es jemanden, der das Netzwerk zusammenhält und koordiniert. Bevor ihr also in die Verbreitung geht, überlegt euch, welche zeitlichen und personellen Ressourcen ihr dafür aufbringen müsst und ob ihr diese zum aktuellen Zeitpunkt aufbringen könnt. Gibt es andere Projekte oder Bereiche, die ihr erst einmal reduzieren müsst, um den Transfer zu stemmen? Nehmt euch auf jeden Fall nicht zu viel vor.

2. Ihr skaliert am Bedarf vorbei

Ihr seid an einem – oder sogar mehreren – Orten erfolgreich und könnt eine beachtliche Wirkung nachweisen? Leider ist das nicht immer ein Garant, dass es auch an anderen Orten funktioniert. Denn eventuell gibt es dort gar keinen Bedarf für euer Projekt? Hiermit ist nicht gemeint, ob es die Herausforderung auch an anderen Orten gibt. Die Antwort auf diese Frage ist meistens „ja“. Die Frage sollte vielmehr sein, ob ihr mit eurem Angebot eure Zielgruppe erreicht. Vielleicht ist das Bewusstsein, dass etwas getan werden muss bei ihnen noch nicht angekommen und sie nutzen das Angebot nicht, egal wie gut und hilfreich es ist. Zudem kann der Markt auch schon durch andere, ähnliche Initiativen gesättigt sein. Die Erfahrung hat gezeigt, dass viele Organisationen skalieren, ohne vorab eine Markt- und Bedarfsanalyse durchzuführen. Das kann dazu führen, dass das Projekt an anderen Orten nicht die gewünschte Wirkung erreicht. Dadurch werden Ressourcen gebunden, die an anderer Stelle fehlen könnten. Eruiert also vorab, wo es Bedarf gibt und welche Anpassungen eures Angebots eventuell notwendig sind, damit ihr die Zielgruppe erreicht.

3. Eure Skalierungsmethode passt nicht

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, euer Projekt an andere Orte zu bringen. So könnt ihr zum Beispiel euer Wissen und eure Erfahrungen an unabhängig agierende Organisationen weitergeben. Ohne rechtliche Bindung können sie es übernehmen und an die lokalen Gegebenheiten anpassen. Wir nennen das die offene Verbreitung. Eine andere Möglichkeit ist das sogenannte Social Franchise. Ähnlich wie beim kommerziellen Franchise setzen unabhängige Organisationen als Social-Franchisenehmer*innen das Projekt nach vorgegebenen Prozessen und Standards um. Dabei erhalten sie Unterstützung vom Social-Franchisegeber*innen. Des Weiteren können eigene rechtlich abhängige Filialen gegründet werden. Daneben gibt es natürlich auch noch hybride Modelle. Welche Methode schließlich die jeweilig richtige ist, hängt von der Komplexität des Projektes, euren Zielen und Kapazitäten ab. Wer nicht all diese Aspekte in Betracht zieht, wählt womöglich eine Methode, die nicht optimal passt. Das kann dazu führen, dass es entweder zu wenig Kontrollprozesse gibt und sich das Ziel des weitergegebenen Projekts im schlimmsten Falle verwässert. Das ist oft der Fall, wenn ihr eure Erfahrungen und euer Wissen zu offen herausgebt ohne vorab zu definieren, welche Standards euch eigentlich wichtig sind. Auf der anderen Seite kann es sein, dass die lokale Anpassung wichtig ist und diese durch Methoden, bei denen viele Standards und Prozesse vorgegeben werden- wie Social Franchise und Filialisierung - unterdrückt wird. Außerdem benötigen diese Methoden mehr zeitliche und personelle Ressourcen, die dann an anderer Stelle fehlen. Wenn die gleichen Ziele auch mit geringerem Aufwand erreicht werden könnten, wäre das ärgerlich. Nehmt euch also vorab die Zeit und überlegt: Erreiche ich mit der gewählten Methode mein anvisiertes Ziel?

4. Ihr nehmt eure Projektnehmer*innen nicht mit

Eure Projektnehmer*innen, also die Organisationen oder Personen, die euer Projekt an anderen Orten – mit euch gemeinsam oder eigenständig – umsetzen, sind für die erfolgreiche Skalierung essenziell. Im Idealfall unterstützen sie euch und nehmen Arbeit ab. Sie haben die notwendigen Kontakte, die es braucht, das Projekt lokale umzusetzen, oder können sie einfacher aufbauen. Sie stellen Ressourcen zur Verfügung und arbeiten daran, dass eure Vision auch an anderen Orten Realität wird. Damit dies gelingt, müsst ihr die Projektnehmer*innen mitnehmen. Sie müssen verstehen, was eure Vision ist. Sie müssen gleichzeitig aber auch die Möglichkeit haben, eigene Ideen und Erfahrungen einzubringen. Dadurch bleiben sie motiviert und sehen sich nicht nur als Handlanger. Das ist wichtig, wird aber tatsächlich oft unterschätzt. Natürlich habt ihr wertvolle Erfahrungen gemacht, die ihr weitergeben möchtet, ihr wisst, was gut funktioniert und was nicht. Begegnet ihr euren Partnern vor Ort aber auf Augenhöhe, kann dies für euren Transfer extrem bereichernd sein. Euer Verhältnis wird nicht nur besser sein, ihr könnt auch von den Praktiken und dem Wissen eurer Projektnehmer*innen profitieren. Überlegt also, wie ihr sie einbeziehen könnt. Die meisten Transferorganisationen organisieren zum Beispiel Jahreskonferenzen, auf denen Wissen ausgetauscht und gemeinsam an der Strategie gearbeitet wird.

5. Ihr startet erst gar nicht

Viele Transfervorhaben scheitern schon bevor sie überhaupt starten. Immer wieder sehen wir, dass der Perfektionismus, alles richtig zu machen und die Angst vorm Scheitern Organisationen davon abhalten, den Transfer zu starten. Das perfekte Skalierungskonzept wird allerdings nicht am Reißbrett geschrieben. Es braucht die Erfahrungen aus der Praxis. Natürlich müssen gewisse Überlegungen vorab gestellt werden: Welche Rolle möchten wir im Transfer spielen? Was erwarten wir von unseren Projektnehmern? Welche Standards müssen auf jeden Fall übernommen werden und wie überprüfen wir deren Einhaltung? Nehmt euch hierfür also unbedingt Zeit, auch wenn eure Organisation und in vielen Fällen auch Projektnehmer mit den Füßen scharren. Dennoch, erst in der Praxis wird sich zeigen, wo noch Herausforderungen sind und wo ihr euer Skalierungskonzept noch anpassen müsst. Daher ist es wichtig einfach loszulegen – traut euch, auch wenn noch nicht alles perfekt ist. Eine Pilotierungsphase hilft, das Konzept auszutesten und anzupassen, ohne das es schon perfekt sein muss. Fangt also erstmal mit einem oder zwei Standorten an - aber startet!

Nun wisst ihr, welche Fallstricke euch beim Transfer begegnen können und wie ihr diese umgeht. Wenn ihr bei eurem Wachstum weitere Unterstützung möchtet, um gut für den Transfer gewappnet zu sein, solltet ihr euch für den openTransfer Accelerator bewerben. In dem 12-monatigen Skalierungsstipendium begleitet die Stiftung Bürgermut 10 Organisationen bei der Entwicklung einer individuellen Skalierungsstrategie und den ersten Schritten – mit geballtem Praxiswissen, 1:1-Begleitung durch einen Transfer-Angel, intensiven Workshops, Zugang zu Netzwerken aus sozialen Initiativen und Förderern, dem Austausch mit Gleichgesinnten und einem Transfer-Bonus von 8.000 Euro. Noch bis zum 11.11. könnt ihr euch HIER bewerben! Der openTransfer Accelerator ist ein Programm der Stiftung Bürgermut mit Unterstützung der aqtivator gGmbH.

 

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