Titelbild: Gründer Felix Friedrich und Dario Nassal/ Foto: Alisa Sonntag/ Copyright: The Buzzard UG

Auch wenn es nicht jedem*jeder ständig bewusst ist: wir leben alle in unser eigenen Bubble. Unser Meinungsbild wird zu großen Teilen aus eigenen Erfahrungen und subjektiven Begegnungen mit anderen konstruiert. Dies gilt vor allem für das Internet, in dem jedes einzelne Like von Algorithmen dazu genutzt wird, unseren ganz persönlichen Feed zu generieren. Die Folge dessen ist, dass wir uns alle in Meinungs-Paralleluniversen befinden, die Gesellschaft zunehmend auseinanderdriftet und sich radikalisiert.

Felix Friedrich und Dario Nassal – beide Journalisten mit Politikwissenschaft-Background – beschlossen etwas gegen die politische Gespaltenheit im Land zu tun und gründeten Buzzard, ein Medien Start-Up. Gerade haben die beiden eine Mitgliederfinanzierungs-Kampagne am Laufen, die ihr hier unterstützen solltet! Wir haben den beiden einige Fragen über ihr Unternehmen und ihre Arbeit gestellt:

Was genau ist ein Social Journalismus Start-Up? Welche Ziele verfolgt ihr?

Wir sehen uns als Social Startup, weil finanzieller Gewinn nicht unser oberstes Ziel ist. Unser Ziel ist, der zunehmenden Radikalisierung der Gesellschaft etwas entgegenzusetzen. Wir wollen einen neuen Medienkonsum möglich machen und zu einer Welt beitragen, in der Menschen mehr Verständnis füreinander haben. Wir wollen einen Wandel in der Debattenkultur anstoßen. Daran wollen wir uns messen lassen. Haben Menschen, die Buzzard nutzen, das Gefühl, dass sie andere Positionen in der Gesellschaft besser verstehen? Haben Menschen, die Buzzard nutzen, das Gefühl, dass sie sprechfähig sind zu aktuellen Themen, dass sie den Überblick haben, dass sie konstruktive Debatten führen können, die sie weiterbringen? Diese Fragen sind uns wichtig. Wesentlich wichtiger als finanzieller Erfolg.

Um diese Ziele zu erreichen, setzen wir auf ein ganz neues journalistisches Modell: Eine App, kein Online-Magazin, die einen Überblick gibt über Positionen vom ganzen Meinungsspektrum. Ein Werkzeug in der täglichen Informationsflut, mit dem Menschen den Überblick bekommen und mehr Verständnis entwickeln. Auch wenn wenig Zeit ist.

Video der Crowdfunding Kampagne

Wie bekämpft man Extremismus mit Journalismus?

Der berühmte Soziologe Niklas Luhmann hat einmal gesagt: "Was wir über unsere Gesellschaft, ja über die Welt, in der wir leben, wissen, wissen wir durch die Massenmedien." Und in gewisser Weise stimmt das noch immer. Zwar gibt es nicht mehr die Massenmedien, sondern einen zunehmend individualisierten Medienmix. Aber der entscheidende Punkt bleibt: Wir erleben die Welt über Medien. Die wenigsten von uns waren schon einmal in Afghanistan. Trotzdem haben wir eine Vorstellung davon, wie es dort aussieht.

Deshalb ist Journalismus so wichtig: Medien prägen, welche Bilder wir im Kopf haben. Wie wir über Andersdenkende urteilen, welche Positionen wir für gut befinden und worüber wir uns aufregen. Das gilt auch für Extremisten: Radikale Täter zimmern sich ihr menschenverachtendes Weltbild meist über Online-Medien zusammen, sie sind lange Zeit in Filterblasen unterwegs, bevor sie zur Waffe greifen.

Wir sagen deshalb: Radikalisierung ist vor allem auch ein Medienproblem. Wenn wir wollen, dass die Debatten in Deutschland weniger vergiftet sind, dass der Diskurs weniger verroht, dass Menschen mehr Verständnis füreinander haben, dann ist es nicht nachhaltig auf Verbote zu setzen. Es bringt nichts am Symptom herumzudoktern. Wir müssen da ansetzen, wo Menschen ihre Stereotypen, ihr Urteil über andere Menschen entwickeln: Bei den Medien.

Daran arbeiten wir mit Buzzard. Wir wollen einen neuen Zugang zur Nachrichtenwelt schaffen: Eine App, die alle Perspektiven des gesamten Medienspektrums beleuchtet und so Verständnis für andere Positionen fördert - auch für Smartphone-Nutzer, die wenig Zeit im Alltag haben. Eine App, die politisch Andersdenkende wieder öfter miteinander ins Gespräch führt.


Das Team von The Buzzard /  Foto: Eike Vogler/ Copyright: The Buzzard UG

Wo verläuft die Grenze zwischen objektiven Journalismus und politischer Meinungsmache für euch?

Objektivität ist ein erstrebenswertes Ideal. Aber kein Mensch kann in seinen Beobachtungen ganz und gar objektiv sein. Auch kein Journalist. Das sieht jeder, der fünf beliebige Menschen in einen Raum setzt und sie fragt eine Alltagssituation zu beschreiben. Jeder der fünf wird die Situation ein kleines bisschen anders beschreiben, denn jeder hat andere Dinge in der Vergangenheit gelernt, hat andere Erfahrungen gemacht, ist ein bisschen anders veranlagt und achtet auf andere Details.

Deshalb sagen wir: Lest mehrere Quellen, verlasst euch nicht auf eine Perspektive. Vergleicht verschiedene Darstellungen, wenn ihr News lest. Und vor allem: Beschäftigt euch auch mit Positionen, die eurer eigenen Einstellung widersprechen.

Aber natürlich ist das nicht immer einfach, vor allem weil man im Alltag oft nicht viel Zeit hat. Deshalb ist unsere Arbeit wichtig. Wir wollen Perspektivenvielfalt ermöglichen. Und zwar im Alltag. Auf dem Smartphone. Den Überblick über Positionen vom ganzen Meinungsspektrum geben. Auch für Menschen, die wenig Zeit haben.

Viele Stimmen in aktuellen politischen Debatten verfolgen natürlich ihre eigene Agenda und betreiben politische Meinungsmache. Leider auch Menschen, die sich als Journalisten bezeichnen. Deshalb ordnen wir alle Medienstimmen ein, die wir auf unserer Plattform zeigen und geben Hintergrundinformationen. Wir zeigen zu jeder Perspektive stets, wer hinter den Beiträgen steckt, wie Autor*innen politisch eingestellt sind, wo sie herkommen und wer sie finanziert.

Dasselbe gilt für unser Redaktionsteam: Wir zeigen nicht nur, wo wir herkommen und was uns bewegt. Sondern machen transparent, wie wir arbeiten: Wir veröffentlichen die Kriterien, nach denen wir Themen und Perspektiven kuratieren, geben Einblicke in den Redaktionsalltag und die Kostenstruktur und Finanzierung.


Die neue App /  Copyright: The Buzzard UG

Der Journalismus selbst wird im Zeitalter der „Fake News“ oft kritisiert – wie gewinnt ihr das Vertrauen der Leser?

Wir gewinnen das Vertrauen der Leser durch zwei Dinge. Einerseits dadurch, dass wir auf maximale Transprenz setzen. Wie oben bereits erwähnt: Wir zeigen, wo wir herkommen, was uns bewegt, wie wir arbeiten. Andererseits sind Leserinnen und Lesern bei Buzzard nicht nur Reziepenten, sondern Gründungsmitglieder. starten mit Buzzard eine Bewegung für einen neuen partizipativen Journalismus. Mitglieder seid ein grundlegender Bestandteil. Sie können mitbestimmen über Themensetzung und Perspektivenwahl, Auswahlkriterien und Recherchen und sich einbringen. In Zeiten, in denen oft Algorithmen auswählen, welche Inhalte wir im Newsfeed sehen, setzen wir mit Buzzard bewusst auf Empfehlungen von Menschen für Menschen. Das schafft Nahbarkeit und Vertrauen.

Buzzard ist ein rein digitales Projekt – welche Rolle spielen digitale Innovationen bei euch?

Eine große Rolle. Wir sind ständig am Experimentieren mit neuen Formen des Storytellings und der Nutzererfahrung. Wir setzen auf moderne UX, auf Podcast-Elemente, auf Bild-, Video- und Textkombinationen, die auch im Alltag zwischendurch den Überblick vermitteln. Wir freuen uns schon riesig auf die App, die im neuen Jahr kommt und freuen uns auch, danach die nächsten Schritte zu gehen und alles, was wir tun, stetig weiterzuentwickeln.

Eine Innovation, auf die wir bewusst nicht setzen, sind Machine-Learning Algorithmen. Denn Machine-Learning ist zwar ein mächtiges Tool, bleibt aber immer intransparent. Algorithmen entscheiden abhängig von der Datenlage und die ist hochkomplex. Deshalb sind viele der Einzelentscheidungen, die Algorithmen von Facebook und Google treffen, im Nachhinein für Nutzer nicht nachvollziehbar. Wir glauben, dass das Gift für Vertrauen ist und gehen deshalb einen anderen Weg: Wir setzen auf transparente Auswahl von Menschen für Menschen.

Am 5. November ist ja eure Crowdfunding Kampagne gestartet. Worum geht es dabei?

Um alles. Die App ist fertig entwickelt, wir stehen in den Startlöchern. Aber jetzt geht es um alles: Wir können Buzzard als neues Medium nur starten und täglich in einer Redaktion mit Artikeln bestücken, wenn die Finanzierung für ein Jahr gesichert ist. Deshalb das große Crowdfunding. Wenn wir scheitern, ist das das Ende von Buzzard. Wenn wir es schaffen, gemeinsam 4500 Gründungsmitgliedern an den Start zu gehen, dann wird ein ganz neuer Blick auf die Nachrichtenwelt möglich werden.

Wichtig vielleicht fürs Verständnis: Die bevorstehende Kampagne ist kein klassisches Crowdfunding-Kampagne, sondern eine Mitgliederfinanzierungs-Kampagne. Das bedeutet: Jeder, der das Projekt für 5 € im Monat unterstützt, wird Gründungsmitglied, bekommt vollen Zugriff auf die neue Plattform und App, kann jeden Tag alle unsere Inhalte lesen, mitdiskutieren, über Themen abstimmen und diese neue Form von Journalismus mitgestalten. Von dem Geld werden wir eine professionelle Tagesredaktion für ein Jahr finanzieren, die die App bestückt. Sowie Budget für Entwicklung, Design und Marketing einsetzen können. Alle Ausgaben stellen wir für Gründungsmitglieder auf der neuen Homepage transparent dar.

Unterstützt das Team von Buzzard HIER und werdet Mitglied!