ursprünglich erschienen: 29.09.2015

Wir haben mit Felix Leonhardt, MitGründer von Lycka Frozen Yogurt gesprochen. In Zusammenarbeit mit der Welthungerhilfe wird mit jedem gekauften Frozen Yogurt Becher eine Schulmahlzeit in Mali finanziert. Im Interview erzählt er uns von den Höhen und Tiefen der Gründungsphase und warum man niemals aufgeben darf. 

 Erzähl uns ein bisschen von Lycka. Was war die Motivation dahinter ein solches Produkt anzubieten? Was hat es mit dem Namen auf sich?

Ich hab 2011 Frozen Yogurt in Boston kennengelernt und in Deutschland keinen leckeren Frozen Yogurt gefunden. Meine Mitgründer Sven und Johannes haben FroYo ebenfalls 2011 in den USA und Spanien zum ersten Mal probiert und in Deutschland vermisst. Das war der erste Anstoß, selber Frozen Yogurt zu machen.

Als wir drüber nachgedacht haben was denn der Erfolgsfall wäre, war uns profitabel ein leckeren Frozen Yogurt zu verkaufen einfach nicht genug. Wir wollten mehr als nur ein leckeres Produkt verkaufen. Klar war für uns, dass unsere Produkte auf jeden Fall 100% natürlich sein sollten. Aber irgendwie fehlte trotzdem noch etwas. Die Idee uns im Kampf für eine Welt ohne Hunger zu engagieren, ist über mehrere Monate gewachsen. Der krasse Misstand zwischen unserem Lebensstandard und der Tatsache, dass Weltweit mehr als 800 Millionen Menschen hungern, war für uns einfach nicht akzeptabel.

Die Lösung für diese Hungersnot kann aber realistisch nicht sein, dass wir in Deutschland auf einmal in der breiten Masse weniger konsumieren oder genießen. "Die Kernidee von Lycka ist diesen Konsum und Genuss in Deutschland zu nutzen, um anderswo einen Unterschied zu machen." Lycka bedeutet Freude/Glück auf schwedisch, und genau das ist was wir mit Lycka erreichen möchten. Dir hier in Deutschland Freude bringen, weil du unser Produkt ohne Reue genießen kannst. Gleichzeitig einen Funken Hoffnung dorthin zu bringen, wo es wirklich an allem mangelt.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit der Welthungerhilfe? Wie viele Spenden konntet ihr schon sammeln?

Wir haben am Anfang überlegt, direkt eigene Projekte umzusetzen, aber weil wir uns darauf konzentrieren wollen und müssen Lycka in Deutschland erfolgreich zu machen, uns für die Zusammenarbeit mit einem Partner entschieden. Da waren dann mehrere Entwicklungsorganisationen interessant. Uns war wichtig, dass das Thema Ernährung das Kernziel unseres Partners ist.

Die Welthungerhilfe hat dann von den möglichen Partnern am schnellsten reagiert und wirkte aufgrund der Transparenz mit der Sie agiert und der kritischen Selbstreflexion (zum Beispiel durch den Bericht zum Stand der Entwicklungszusammenarbeit) sehr kompetent. Die operative Zusammenarbeit läuft so ab, dass wir versuchen möglichst viel Aufmerksamkeit für die Welthungerhilfe und Lycka zu erzeugen, und einige Aktionen gemeinsam mit der Welthungerhilfe planen.

Für jeden verkauften großen Becher Lycka spenden wir an die Welthungerhilfe 11 Cent, für jeden verkauften kleinen Becher 6 Cent. Über die Spenden für jeden Becher hinaus, sammeln wir auf allen Events und Promotions ebenfalls Spenden ein und planen in diesem Jahr diverse Veranstaltungen mit dem Ziel Spenden zu generieren. Wir haben mittlerweile auch ein konkretes Projekt der Welthungerhilfe in Mali, welches wir mit dem Verkauf von Lycka unterstützen. Pro Becher den wir verkaufen, ermöglichen wir eine Mahlzeit in einer Schule vor Ort. Außerdem unterstützen wir Events der Welthungerhilfe (darunter auch Spendenläufe an Schulen, die Woche der Welthungerhilfe und viele weitere Aktionen).

Mit Lycka starten wir in diesem Jahr erst so richtig, im letzten Jahr konnten wir die ersten Gelder für die Welthungerhilfe auftreiben (knappe 1.000 €). In diesem Jahr werden es hoffentlich deutlich mehr. Da wir ja pro großem Becher 11 Cent spenden, reichen schon geringe Absatzmengen für vernünftige Spendenbeträge. Was hier wichtig ist, ist das bereits kleine Beträge echt einen großen Unterschied machen können.

Über die Zusammenarbeit mit der Welthungerhilfe hinaus gibt es für uns 3 Ebenen auf denen wir einen möglichst großen Unterschied machen möchten:

  1. Bewussterer Konsum in Deutschland -> wirklich gute Lebensmittel, bewusst genießen.
  2. Nothilfe gemeinsam mit der Welthungerhilfe -> absolute Unterversorgung bekämpfen und Überleben retten
  3. Wirtschaftliche Entwicklung über unsere eigene Supply Chain.

Derzeit stehen wir noch ganz am Anfang. Den ersten Teil realisieren wir langsam über unsere eigene Kommunikation, den zweiten Teil haben wir von Anfang an in das Produkt integriert, aber die Summen steigen jetzt langsam. Mit der Umsetzung des dritten Ziels fangen wir jetzt in diesem Jahr langsam an, realistisch wird dies aber noch etwas dauern.

Idealerweise könnten wir aber jede Frucht von einer Farm beziehen, die wir mit aufgebaut haben, aus einer Region wo vorher Nothilfe geleistet wurde. So, dass Lycka auf jeder Stufe einen positiven Impact hat.

In jedem Sektor gibt es Aufs und Abs. Was war bis jetzt Dein persönlich größter Erfolg? Gab es auch Rückschläge? 

Der erste wirklich tolle Erfolg, war die Zusage der Welthungerhilfe. Der größte Erfolg war die Aufstellung die Erreichung der ersten Listungen von Lycka bei Edeka und Rewe. Da das Produkt im letzten Jahr erst in einigen Testmärkten geführt wurde, haben wir uns riesig über die Listungen gefreut und können nun in diesem Jahr in NRW, in Berlin und in Bayern durchstarten. Mit ein wenig Glück und weiteren Unterstützern werden in diesem Jahr sogar noch weitere Gebiete dazukommen.

Rückschläge gab es natürlich auch - im letzten Jahr hatten wir drei Geschäftsbereiche definiert: Veranstaltungen, Shops und Retail. Wir mussten feststellen, dass wir es nicht schaffen als Startup so viele Distributionskanäle bzw. Geschäftsfelder parallel zu skalieren und haben uns dazu entschlossen die Bereiche Shops und Veranstaltungen komplett zu streichen. Das war natürlich zunächst ein starker Rückschlag, weil hier Umsätze generiert wurden, die dadurch erstmal wegfallen und wir in diesem Jahr gemessen am Umsatz natürlich niedriger starten, als mit den beiden Bereichen. Das mussten wir gedanklich erstmal verdauen, aber nun sind wir sehr glücklich damit, da wir deutlich fokussierter arbeiten und uns nun voll auf ein Geschäftsfeld konzentrieren können. Insofern war dieser Schritt zurück gleichzeitig für uns auch ein guter Schritt nach vorne und die Basis für unser weiteres Wachstum.

Bitte teile die 3 Top Learnings mit uns – Was würdest Du anderen empfehlen, die eine ähnliche Idee haben?

1. Nicht aufgeben - Niemals. Egal wie aussichtslos es erscheint. Klingt wirklich sehr klischeehaft, aber wir haben Anfang 2012 angefangen und standen seit dem of davor alles hinzuschmeißen. Wenn man sich durchbeißt findet man Lösungen für alles, auch wenn man ab und zu den Kurs wechseln muss.

2. Sprich mit jedem Menschen den du finden kannst, frage nach Feedback. Vertraulichkeitserklärungen sind wirklich sinnfrei. Menschen möchten helfen. Ich glaube daran, dass jeder Mensch gerne hilft, man muss Ihn nur Fragen.

3. Traue dir alles zu. Ich glaube, dass wir uns selber sehr stark limitieren, weil wir uns selber nicht genug zutrauen. Ich ertappe mich ab und zu selber dabei, dass ich mir sage: Das hast du noch nie gemacht, lass es lieber. Mit dieser Einstellung macht man aber nie was neues. Bevor wir gegründet haben, habe ich noch nie eine Finanzierungsrunde auf die Beine gestellt, noch nie Vertrieb im Lebensmitteleinzelhandel gemacht, noch nie eine Marke gestaltet. Trotzdem haben wir das alles, manches besser, manches schlechter hingekriegt. Ich glaube sehr fest daran, dass jeder Mensch alles lernen kann.

Was macht Dich zum Changer?

Ich habe mir vor 7 Jahren beim Kitesurfen einen Halswirbel gebrochen. Die Ärzte in Ägypten haben den Bruch nicht erkannt und mich mit Schmerztabletten aus dem Krankenhaus entlassen, wodurch ich mit gebrochnem Halswirbel für 12 Tage rumgelaufen bin. Jede kleinere Erschütterung in den 12 Tagen hätte mich vom Hals abwärts lähmen können. Ich habe unglaublich viel Glück gehabt und möchte dieses eine Leben was ich habe nutzen um möglichst viel Gutes zu tun, möglichst vielen Menschen eine Freude zu machen und möglichst glücklich zu sein. Ich glaube, dass die Summe von vielen kleinen Dingen einen Menschen zum Changer machen. Den Status Quo zu hinterfragen und sich zuzutrauen daran etwas zu ändern passiert nicht von heute auf morgen. Lycka ist sehr, sehr klein und ob wir Erfolg haben werden steht noch lange nicht fest, aber wir arbeiten daran Becher pro Becher einen kleinen Beitrag für eine Welt ohne Hunger zu leisten.