Für uns, als Sozialunternehmer*innen, ist Nachhaltigkeit eine Selbstverständlichkeit. Es ist unser primäres Ziel, mit unternehmerischen Lösungen gesellschaftlichen Mehrwert zu schaffen. Dies passiert sowohl durch sozial-innovative Startups, als auch gemeinwohlorientierte Unternehmen, die gesellschaftlichen Fortschritt vorantreiben. Damit wird auch an die Tradition des deutschen Mittelstands angeknüpft, der mit seinen Werten des "Ehrbaren Kaufmanns" eigentlich der Kern unserer Sozialen Marktwirtschaft ist. 

Ganz gleich jedoch, ob soziales Startup oder etabliertes Unternehmen, die Gemeinwohlorientierung auch bei Skalierung, Besitzer*innen - oder Managementwechsel, anderen großen Umbrüchen oder über lange Zeit zu wahren, also den sogenannten mission-drift zu vermeiden, kann schwierig sein, insbesondere wenn es sich nicht um offiziell gemeinnützige Organisationen handelt. 

In dieser Blogreihe wollen wir drei Bereiche beleuchten, die es uns ermöglichen, die Gemeinwohlorientierung von Sozialunternehmen zu gewährleisten. Diese Bereiche sind die folgenden und umfassen jeweils drei konkrete Methoden:

  1. [Berichterstattung/Transparenz]
    • Social Reporting Standards (SRS)
    • GWÖ & Gemeinwohlbilanz
    • Initiative Transparente Zivilgesellschaft
  2. [Zertifizierung]
    • B Corp
    • Wirkt-Siegel
    • EU Label
  3. [DNA der Organisation]
    • Purpose Economy
    • Genossenschaften
    • Menschheit

Dieser erste Artikel wird sich mit der [Berichterstattung & Transparenz] befassen.

Seit März 2017 sind laut CSR-Richtlinie Umsetzungsgesetz (CSR-RUG) große Unternehmen von öffentlichem Interesse und mit mehr als 500 Mitarbeiter*innen in Deutschland dazu verpflichtet, eine nichtfinanzielle Berichterstattung über die soziale und ökologische Nachhaltigkeit ihres Wirtschaftens mit in ihren Lage- und Konzernlagebericht aufzunehmen.

In einer Studie hat das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) zusammen mit der Unternehmensinitiative Future diverse CSR-Berichte unter die Lupe genommen und dabei bei etwa zwei Drittel der Unternehmen große Defizite festgestellt.

Gerd Scholl vom IÖW berichtet:

„Diejenigen KMUs [kleinen und mittleren Unternehmen], die freiwillig einen Nachhaltigkeitsbericht erstellen, sind tendenziell engagierter und messen einem wertegetriebenen Unternehmenshandeln eine höhere Bedeutung bei. Im Durchschnitt waren die von uns geprüften Nachhaltigkeitsberichte der KMUs qualitativ besser als die der Großunternehmen – inhaltlich genauso wie hinsichtlich ihrer kommunikativen Aufbereitung."

(Quelle: Pressemitteilung von unserem Mitglied Polarstern GmbH)

Für Sozialunternehmen gibt es verschiedene Möglichkeiten, über ihre Nachhaltigkeit zu berichten und diese in einem anerkannten Format zu kommunizieren. Durch regelmäßige Berichterstattung wird eine Transparenz geschaffen, die einen Kurswechsel mit Distanzierung von der Gemeinwohlorientierung vor der Öffentlichkeit nur schwer verbergen und rechtfertigen lässt.

1. SRS

Die Social Reporting Standards sind eine Möglichkeit für Stiftungen und Unternehmen, ihre gesellschaftliche Wirkung in Form eines Jahresberichtes zu beschreiben. Dieser kann helfen, Geldgeber*innen und andere Stakeholder von der Gemeinwohlorientierung und Wirkungslogik der Organisation zu überzeugen. Die SRS sind also primär ein Kommunikationsinstrument.

Der Social Reporting Standards Leitfaden wurde von mehreren großen Organisationen wie Ashoka, Phineo aber auch der Vodafone Stiftung, der Schwab Foundation und dem BMFSFJ mitentwickelt. Knapp 200 Organisationen in Deutschland nutzen die Standards, um die Resultate ihres Engagements im sozialen Sektor sichtbar und vergleichbar zu machen.

Die Vorlage für einen Jahresbericht nach den SRS sieht folgende Ausführungen in der Berichterstattung vor:

  • Vision der Organisation
  • Erläuterung der relevanten (z.B. gesellschaftlichen) Probleme 
  • Angebotene Leistungen, um die Probleme zu lösen
  • Von den diesen Leistungen angesprochene Zielgruppe 
  • Angestrebte Wirkung und letztendlich gesellschaftliche Veränderung 
  • Details zur Organisation selbst, ihrer Mitglieder und der Finanzen

Obwohl es bei den SRS keine Auszeichnung oder Kennung gibt, die einen verpflichtet bestimmte Mindestanforderungen zu erfüllen, helfen sie Organisationen, eine potentielle Abwendung von der Wirkungsausrichtung zu erkennen und korrektiv einzugreifen.

2. GWÖ & Gemeinwohlbilanz

Die Grundidee hinter der Bewegung der Gemeinwohlökonomie ist es, Produkte und ganze Unternehmen messbar bzw. bewertbar zu machen. Die Konsument*innen sollen zu allen Produzent*innen eine Aufschlüsselung des gemeinwohlorientierten Hintergrundes (die Gemeinwohlbilanz) erhalten und dadurch eine Kaufentscheidung auf Basis vollständiger Informationen treffen können. Dadurch will die Bewegung sowohl effiziente Märkte schaffen als auch einen sozialverträglicheren Konsum fördern.

Jedes Unternehmen wird auf die Faktoren Menschenwürdigkeit, Solidarität, ökologische Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit und demokratische Entscheidungsprozesse auf drei verschiedenen Ebenen (kooperierende Unternehmen & Zulieferer, Mitarbeitende und Kunden/Kundinnen & Gesellschaft) überprüft. Für jeden der Faktoren gibt es auf allen Ebenen Punkte, die Summe dieser Punkte ergibt dann die Gemeinwohlbilanz, anhand derer Unternehmen verglichen und hinreichend informierte Kaufentscheidungen getroffen werden können. So können gemeinwohlorientierte Unternehmen auch gezielt durch z.B. Steuer- oder Zollbegünstigungen unterstützt werden.

Um eine Gemeinwohlbilanz zu erhalten, muss jedes Unternehmen den folgenden Prozess durchlaufen:

Die Gemeinwohlökonomie ist ein größeres Konzept und ein eher systemischer Ansatz, der versucht, andere Faktoren (beispielsweise das Gemeinwohlprodukt) zur Messung von Erfolg heranzuziehen, als das bloß das Bruttoinlandsprodukt. Sie möchte als Alternative zur wachstumsorientierten Ökonomie des Kapitalismus dienen.

3. Initiative Transparente Zivilgesellschaft

Bei der Initiative Transparente Zivilgesellschaft hat Transparency International Deutschland e.V. mit zahlreichen weiteren Akteur*innen zehn grundlegende Punkte definiert, die eine gemeinwohlorientierte Organisation der Öffentlichkeit gegenüber transparent kommunizieren sollte.

Diese zehn Punkte umfassen Dinge wie die Satzung, die Namen der wesentlichen Entscheidungsträger sowie Angaben über Mittelherkunft, Mittelverwendung und Personalstruktur, welche auf den Websites der Organisationen leicht zugänglich präsentiert werden. Ein Leitfaden hilft bei der Auswahl der richtigen Informationen.

An der Initiative teilnehmen können alle gemeinnützigen Organisationen, unabhängig von ihrer Rechtsform, Größe oder Tätigkeitsbereich.

Ganzheitlich stärkt die Initiative also die Transparenz der im gemeinwohlorientierten Sektor aktiven Organisationen und geht über die allgemeine Berichterstattungspflicht hinaus.

Diese drei Methoden der Berichterstattung erlauben es Sozialunternehmen also, durch Transparenz und daraus resultierende Verantwortlichkeit gegenüber der Öffentlichkeit, ihre Gemeinwohlausrichtung zu wahren.

Im nächsten Teil unserer Reihe werden wir auf Zertifizierungen als Methode eingehen und aufschlüsseln, welche unterschiedlichen Möglichkeiten es dabei gibt.

[Wir Danken unserem Mitglied Polarstern für die Anregung, zum Thema Berichterstattung einen Artikel zu verfassen.]

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