Mehr als die Hälfte der Deutschen sehen die Digitalisierung als potentiellen Problemlöser des Klimawandels (56%). Das zeigt eine Studie im Auftrag des Digitalverbands Bitkom. Demnach meinen 23% der Bundesbürger, dass die Digitalisierung keinen Einfluss auf den Klimawandel hat und 13% denken, dass die Digitalisierung den Klimawandel verschlimmert. Was vielen nicht bewusst ist: Letztere haben momentan Recht: die (zunehmende) Digitalisierung setzt unserem Klima gewaltig zu.

 

No Fun Fact: Das Abspielen von YouTube-Videos verbraucht jährlich so viel Strom, wie die Stadt Glasgow (ca. 600.000 Einwohner).

Aufwendige Herstellung

Dabei geht es in erster Linie nicht um die Energiemenge, die ein technisches Gerät zum funktionieren bzw. laden benötigt, sondern vor allem um die versteckte Energie dahinter. 85% der Gesamtemissionen eines technischen Geräts, wie Laptop oder Smartphone, fallen bei der Produktion an. Viele Bauteile benötigen sogenannte seltene Erden, deren Abbau und Weiterverarbeitung Unmengen an Energie verbraucht. Zudem weisen die Bestandteile elektronischer Geräte oftmals lange Transportwege auf, die zusätzlich auf die CO2 Bilanz schlagen. Der Abbau der Rohstoffe geschieht oft in afrikanischen Ländern, wobei die Produktion oft in Asien liegt. Anschließend werden die fertigen Geräte in die ganze Welt zu den Kunden verschifft.

 

No Fun Fact: Digitaltechnologien sind heutzutage für 3,7 Prozent der weltweiten Treibhausgas-Emissionen verantwortlich. Im Vergleich: der zivile Luftverkehr verursachte in 2018 nur 2% der Emissionen.

Der Verkauf technischer Geräte steigt nach wie vor massiv an. 2011 besaßen zum Beispiel nur 700 Millionen Menschen ein Smartphone, 2017 waren es bereits drei Milliarden. Und Zukunftsprognosen sehen keine Kehrtwende dieses Trends. Im Gegenteil. Ein großes Problem besteht auch in den geringen Recycle-Quoten von technischen Geräten. In Deutschland werden zum Bespiel gerade 54 Millionen Smartphones benutzt und zusätzlich liegen 124 Millionen aussortierte Geräte in deutschen Schubladen. Dabei kann für jedes Handy, das wieder aufbereitet wird, 48 Kilo CO2 eingespart werden.

Energieverbrauch nach Gerät 2017/ Quelle: Forecast Model. Produced by The Shift Project from data published by (Andrae & Edler, 2015)

Leider liegt ein nachhaltiger Umgang mit den Geräten nicht im Interesse der Hersteller. Die Lebenszyklen von Technik wird immer kürzer, auch weil die Produzenten Reparaturen boykottieren oder so teuer machen, dass es sich für die Kunden mehr lohnt gleich ein neues Gerät zu kaufen.

Unsichtbare Energieschlucker

Doch bei der Produktion bleibt es leider nicht. Unsere Daten, die wir aus dem Netz ziehen, bzw. dort einstellen benötigen riesige Speichermedien. Rund um den Globus sind aus diesem Grund große Datenzentren entstanden, in denen Millionen von Servern stehen. Ihre Prozessoren erzeugen zum einen Wärme, auf der anderen Seite sind Kühlsysteme nötig, damit sie nicht überhitzen. Lotfi Belkhir, Forscher an der W Booth School of Engineering Practice and Technology in Hamilton in der kanadischen Provinz Ontario hat rausgefunden, dass aufgrund des Stromverbrauchs dieser riesigen Datenzentren, die Emissionen von Geräten wie Smartphones, Laptops, und Mobilfunk-Sende- und Empfangsstationen 2040 halb so hoch sein werden, die die des weltweiten Verkehrs. Damit bedeutet unsere Kommunikationsmittel werden in zwanzig Jahren die größten Umweltsünder sein!

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Wie viel verdient man eigentlich im sozialen und nachhaltigen Sektor?
Der tbd* Gehaltsreport – Gehalt, Präferenzen und Zufriedenheit der Mitarbeiter im sozialen Sektor.
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