Berlin, im Juli – Die Schulbank drücken, Hausaufgaben machen, für die nächste Klausur lernen – bereitet das wirklich auf ein Arbeitsleben vor, das sich immer weiter ausdifferenziert und in dem lebenslanges Lernen Normalität ist?! Viele Jugendliche haben zunehmend Lust, abseits der Schule an ihren Fähigkeiten und Talenten zu arbeiten, die sie nicht in der Schule erproben können.

Das Social-Start-up After School Hustle bindet deshalb zum ersten Mal großflächig Berufstätige und ihre Expertise in die Ausbildung von Jugendlichen in Ergänzung zur Schule ein. Das Prinzip: Experten aus der Arbeitswelt bringen in hochwertigen und kostenlosen Wochenend-Workshops Teenagern ihr Wissen und ihre Kompetenzen nahe. In konkreten Arbeitsprojekten lernen sie zum Beispiel von bekannten Fotografen professionell zu shooten, Kreative aus renommierten Agenturen erarbeiten gemeinsam mit Jugendlichen Kampagnen, und CEOs von Start-ups erklären, wie man professionell ein Unternehmen aufbaut und führt. Und all das pro bono. 

„Es ist wichtig, Jugendlichen zu zeigen, was es da draußen für Möglichkeiten gibt und wie viel- fältig die Arbeitswelt ist. Wir und unsere Profis geben ihnen die dafür nötige Orientierung und das nötige Netzwerk“, sagt Pawel Mordel, der After School Hustle 2017 gründete und heute als Geschäftsführer leitet. „Wir wünschen uns, dass die Jugendlichen bei uns eine Passion entdecken, die sie im Idealfall durch ihr gesamtes Berufsleben trägt.“ Doch auch das Lernen an sich erfüllt seinen Zweck. Mordel ist überzeugt: „Der Glaube in das eigene Können schafft ein Gefühl von Wirksamkeit, das essenziell für das gesamte Leben ist.“ 

Die gemeinnützige UG hat bislang bereits 83 meist eintägige Wochenend-Workshops in Berlin umgesetzt und damit mehr als 240 Jugendliche erreicht. Und denen gefällt es: Jeder zweite von ihnen hat mindestens einen weiteren Kurs besucht, ein Dutzend nahm sogar an mehr als zehn Workshops teil. In den obligatorischen Befragungen nach jedem Workshop gaben die Teenager dem Angebot im Durchschnitt die Schulnote 1,2, auf einer Empfehlungsskala von 1 (will ich nicht empfehlen) bis 10 (kann ich absolut empfehlen) kam das Programm auf einen Wert von 9,8. 

„Unser Ziel ist es, eine Community von lernwilligen Jugendlichen aufzubauen, die aus allen Bezirken und allen Lebenswelten kommen“, so Mordel. Dabei setzt After School Hustle auf Freiwilligkeit und persönliche Begegnung: In den meist 6-stündigen Workshops, in denen auch Material und Verpflegung kostenlos sind, wird der Einsatz neuer Technologien auf ein Minimum beschränkt. Im Zentrum stehen die Menschen, die gemeinsam und auf Augenhöhe an realistischen Projekten arbeiten. Dabei passiert es nicht selten, dass auch die Coaches aus ihrem Leben und ihren prägenden Stationen erzählen, was die Jugendlichen anregt, über ihren eigenen Weg nachzudenken. 

Das Programm wird kontinuierlich erweitert. Laufend kommen neue Workshops hinzu, ausgerichtet an den Bedürfnissen der 13- bis 19-Jährigen. Die Workshops finden an unterschiedlichen Orten statt, insbesondere in Büroräumen, die am Wochenende nicht genutzt werden, viele davon derzeit im Szeneviertel Kreuzberg. Doch dabei soll es nicht bleiben: After School Hustle soll nicht auf die Hauptstadt beschränkt bleiben, sondern auch in andere Städte und Länder expandieren. Mordel: „Dafür legen wir mit standardisierten Prozessen und innovativen Strategien schon heute die Grundlagen. Und dazu zählt natürlich auch, dass wir hohen Wert auf Qualität, Kundenzufrieden- heit und Effizienz legen.“ 

Eine Handvoll Teilzeit-Angestellte kümmert sich derzeit darum, das Netzwerk der Berufstätigen und die kostenlosen Workshops zu koordinieren und wachsen zu lassen sowie Jugendliche zu begeistern. Ermöglicht wird ihre Arbeit durch Geld- und Sachspenden von Einzelpersonen und Partnern wie der Beisheim Stiftung und Unternehmen wie H&M, Adidas und Reebok. Doch es dürfen noch mehr werden. „Vor dem Hintergrund der zunehmenden Privatisierung der Bildung ist es eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, jungen Menschen die Freude am Lernen und Lust auf ihre Zukunft zu machen – und das mit einem kostenfreien Angebot“, so der 35-Jährige. Für Unternehmen dürfte interessant sein, dass das Programm motivierte und kreative künftige Jung-Arbeitnehmer hervorbringt. „Wenn man so will, leisten wir einen Beitrag zur regionalen Wirtschaftsförderung.“

Gründer Pawel Mordel kommt gebürtig aus Polen und kam 1988 als Kind politischer Flüchtlinge nach Deutschland. Er wuchs „im billigsten Stadtteil von Berlin“ auf – in Staaken, wo er die Arbeit von Jugendclubs kennenlernte. Als Autodidakt erarbeitete er sich seinen Weg in die Arbeitswelt, nach dem Abitur studierte er Politikwissenschaften am Otto-Suhr-Institut und machte seinen MBA in Yale. Später arbeitete er für große Unternehmensberatungen und Werbeagenturen sowie diverse Start-Ups. Ein Mann mit Erfahrung also, der weiß, welches Know-how Jugendliche brauchen, um später im Berufsleben erfolgreich zu sein. 

Mehr über das Programm und das Unternehmen erfahrt Ihr auf afterschoolhustle.org

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