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Minimalismus ist nicht (nur) das asketische Leben mit 100 Dingen.

Minimalismus ist für mich vor allem Werkzeug, mich immer wieder bewusst auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Vor allem, weil ich mich als Vielbegabte schnell und intensiv für vieles, für alles und sofort begeistere.

Schnell bin ich überwältigt von zu vielen Ideen, Eindrücken, Projekten, kostenlosen Webinaren, WordPress Plug-ins, Begegnungen, Online Werkzeuge, Konferenzen, Büchern, Online Kursen, mögliche Podcast Folge Interview PartnerInnen, Netzwerk Treffen, neue Datenschutzbestimmung Anpassungen, Aktionstagen, Kooperationsmöglichkeiten, To-Dos sowieso…

Und vielleicht geht es dir ähnlich. Schnell hast du mehr, als du brauchst und es fällt dir schwer, dich (immer) wieder (mal) auf dein Wesentliches zu konzentrieren.

Hier sind 12 praktischen Tipps, dich der Einfachheit, nach der du dich sehnst einen Schritt weiter zu bringen…

Minimalismus im business

Grafik: Susanne Speer von designpiranha

1. Wenn etwas Neues kommt, geht lässt du etwas Altes gehen. Wenn etwas Altes geht, machst du dir bewusst, was seinen Platz einnehmen soll.

Das One-in = One-out Prinzip gilt nicht nur für Dinge und alle den Kram, die sich räumlich bei dir ansammeln. Es gilt auch für Projekte & Termine.

Nur weil etwas Neues im Anmarsch ist, entsteht nicht automatisch mehr Zeit und Raum. Es wird nur enger. Und manchmal eben zu eng. Und schon weißt du wieder nicht, wo oben und unten ist und wie du das alles überschauen und schaffen sollst.

Auch wenn etwas geht – egal ob Kram oder auch Gewohnheiten – rückt etwas anderes nach in den entstandenen Leerraum. Mach es dir bewusst, was nachrücken soll. Sonst füllt es sich schnell wieder mit Unwesentlichem.

Mein Tipp: So bald ich ein neues Projekt annehme – egal ob neuer Auftrag oder ein Onlinekurs, für den ich mich eingeschrieben habe, entscheide ich sofort woher die Zeit kommt. Kann ich manche Dinge sofort vorher erledigen? Kann ich etwas ‚ins Regal packen‘ für später? Kann ich etwas ganz lassen? Kann ich etwas an jemand anderen abgeben?

2. Minimalismus ist auch immer ein Maximalismus

Es ist ein Maximalismus dessen, was du so groß und reichhaltig wie möglich haben möchtest in deinem Leben.

Minimalismus kann mit vorzeigbarer Ordnung, Askese, Disziplin… zu tun haben. Muss er aber nicht.

Minimalismus hat auch einfach nur etwas mit Lebensverliebtheit zu tun, mit dem, was mehr werden soll für dich. Fokus, Einfachheit, Zeitreichtum.

Mehr Freiheit in deiner Auftragsauswahl, weil weniger Rechnungen zu bezahlen sind. Mehr Zeit für Beziehungen in deinem Business, weil weniger Zeugs zu verwalten ist. Mehr Ruhe, Kraft und Frieden in dir, weil das ständige Gefühl des Zuviels sich mit all dem aussortierten Kram auf allen Ebenen verabschiedet hat.

Was soll für dich mehr werden? Wovon hast du nicht genug?

Mein Tipp: Ich nehme mir manchmal einfach Zeit und Raum für das Wesentliche und beobachte dann, wie sich alles drumherum fügt. Auch wenn es für diesen Schritt viel Mut braucht. Zum Beispiel gehe ich einmal im Monat für meinen Strategietag im Wald um Berlin wandern. Mit verlässlicher Regelmäßigkeit habe ich den Tag davor das sichere Gefühl, dass ich mir einen freien Tag gerade überhaupt nicht leisten kann. Und dann leiste ich es mir.

3. Lerne etwas zu reparieren. Auch Beziehungen.

Das ist nicht nur besser für die Umwelt, deinen Geldbeutel (und damit auch deine dafür benötigte ArbeitsZeit). Es verstärkt auch deine Beziehung zu dem Gegenstand.

Ein selbstrepariertes Wackelbein am Tisch, lässt dich ganz anders daran Platz nehmen. Auch Selbstgeflickte Wollsocken fühlen sich gleich viel kuscheliger an. Und eine Geschäftsbeziehung, die die erste gemeinsame Krise überstanden und verarbeitet hat, ist stärker als je zuvor.

Wegwerfgewohnheiten entfremden uns von dem, was wir eigentlich unser Eigen nennen. Wir sind umgeben von jederzeit Austauschbarem. Manches davon geht auch, bevor es je zum Einsatz kam.

Nimm dir Zeit dein Eigen kennenzulernen auch über die ersten Probleme hinaus. Finde heraus, wie du den Bug aus der Software kriegst. Kläre einen unausgesprochenen Konflikt. Und hol dir endlich einen Schraubendreher für deinen wackeligen Stuhl und zieh die Schraube fest.

Mein Tipp: Erschaffe dein eigenes Reparaturritual. Bei mir ist Sonntagvormittag Reparaturzeit im Bett mit Arte 360° Dokumentarfilm auf dem Laptop und Kaffee und Schokolade auf dem Nachttisch. Da werden Batterien ausgetauscht, ja – auch Socken gestopft, Lay-out Probleme bei einem Blogartikel gelöst, Bücher mit Klebeband geflickt und Unausgesprochenes der Woche nachgeholt – egal ob per Email, Audio Nachricht, Telefonat oder Postkarte.

4. Dein Wertvollstes ist nicht dein Geld, sondern deine Zeit.

Investiere sie so sparsam, wie du es mit deinem Geld tust. Auch kostenlose Dinge sind nicht kostenlos, sondern kosten dich mindestens Zeit (und Aufmerksamkeit).

Setz dir eigene Limits für Dinge, die du einfach so mal mitnimmst.

Angefangen von Stiften, Flyern und Visitenkarten auf einer Veranstaltung bis hin zu Freebies zum Runterladen oder kostenlosen Webinaren.

Was passiert, wenn dein Limit aufgebraucht ist? Nach welchen Kriterien siebst du aus? Was ist dir wichtig?

Wie entscheidest du, selbst ob du einen kostenlosen Stift mitnimmst? Nach der Farbe? Nach dem, wie viele Stifte du bereits hast? Nach dem, wie er schreibt? Nach dem, wer ihn dir gibt und was draufsteht?

Was lernst du aus diesen Kriterien über dich? Wie kannst du dir diese Werte bewusster machen, bevor du dich das nächste Mal selbst zu schüttest mit Dingen, die dir kostenlos entgegengebracht werden?

Mein Tipp: Ich war ein Junkie für kostenlose Kurse und Online- Challenges. Ich habe mich für alles angemeldet. Na, zur Not lade ich mir einfach nur das Material herunter und schaue es mir an, wenn ich mal Zeit habe. Die Zeit kam nicht, meine Sammlung wuchst und Lern-Ausbeute lag bei Null.

Daher habe ich mir selbst jetzt ein Limit von 0,5 kostenlose Kurse/Challenges pro Monat gesetzt – also jeden zweiten Monat etwas Neues. Und ich hebe nichts mehr auf, außer meiner eigener Notizen, die ich während der Laufzeit erarbeitet habe. Seitdem ist meine Ausbeute phänomenal.

5. Halte deinen Stapel von 'Was noch zu lesen wäre' so gering wie möglich.

Egal ob Zeitungsstapel auf dem Küchentisch, mit Lesezeichen versehene Blogartikel oder die noch ungelesenen Bücher in deinem Regal. Halte dich auch hier an ein Limit oder eine ‚Verarbeitungsroutine‘.

‚Wenn ich mal Zeit habe‘ wird nie passieren. Jedenfalls nicht in dem Umfang, wie es deine Sammlung bräuchte, um abgearbeitet zu werden.

Für viele von uns ist alles Lesbare auf eine Art heilig. Und das ist auch gerechtfertigt. Aber ein Zuviel bringt dich auch hier eher in die Handlungsunfähigkeit als in Aktion.

Sortiere regelmäßig aus – nach Aktualität, nach noch vorhandenem Interesse bei dir, nach Platz in deinem Regal…

Lesen soll nicht als weitere unbezwingbare To-Do-Liste über deinem Kopf schweben. Es soll lebendige Information, Impuls und Inspiration zu Handlung sein.

Mein Tipp: Mein erster Akt des Minimalismus war es meine über 1000 Bücher auf konstant 23 oder weniger Bücher zu reduzieren. Davon sind im Schnitt 16 ungelesen. Wenn ein neues Buch hinzukommt… Ich habe auch ein gut funktionierendes System, wohin Bücher gehen, wenn ich mit ihnen fertig bin.

BlogArtikel speichere ich für höchstens 24h. Wenn ich dann nicht dazu komme, sie zu lesen, lösche ich sie wieder – daher lese ich die meisten sofort.

6. FOMO (Fear of missing out) – Du wirst Dinge verpassen. Punkt.

Was möchtest du auf gar keinen Fall verpassen? Und wie kannst du dem, mehr Raum und Aufmerksamkeit geben?

Auch hier kannst du es auf eine Zahl beschränken. Wie viele Konferenzen pro Jahr, wie viele Netzwerktreffen pro Monat, wie viele Stunden auf Facebook pro Tag?

Frage dich auch immer wieder, wie du einzelne Dinge noch intensiver für dich erleben kannst. Möchtest du vielleicht vorher die TN-Liste einer Konferenz durchgehen und dir überlegen, wen du unbedingt treffen möchtest? Magst du selbst einen Impulsvortrag anbieten bei einem Netzwerktreffen? Oder du nimmst dir extra Zeit nach einem Workshop deine Ausbeute nochmals in Ruhe zu reflektieren?

Mein Tipp: Nach jedem Event notiere ich mir meine Top 3 Ausbeute Punkte – Was habe ich neues für mein Business gelernt? Welchen einen Kontakt möchte ich ganz besonders vertiefen? Was habe ich über mich gelernt?

7. Leere deinen Schreibtisch am Ende des Tages, wische dein Whiteboard ab, lösche deine To-Do-Liste.

Erlaube dir mit jedem neuen Tag, ganz neu auf die Dinge und Prozesse zu schauen. Indem du dich neu sammelst. Indem du fokussiert auf die Gegenwart schaust, was jetzt der nächste logische Schritt ist.

Ja, es kann am Abend einfacher erscheinen, einfach alles stehen und liegen zu lassen und morgen einfach weiter zu machen. Aber morgen bist du wieder ein neuer Mensch. Dinge haben in dir nachgewirkt und sich neu sortiert. Erlaube dir diese Pause bewusst einzusetzen.

Allein das neue Aufsetzen deines Arbeitsbereichs bringt dich zurück in den Fokus – jetzt hier in der Gegenwart.

Mein Tipp: Mein einfacher Schreibtisch arbeitet nach meinem Feierabend in zweiter Schicht als Höhle für Dinosaurier, als Piratenschiff, Ritterburg… All meine Materialien lassen sich in zwei Schubladen verstauen und ich baue jeden Tag nur das auf, was ich an dem Tag auch brauche.

Ich habe keine Master-To-Do-Liste und arbeite nach innerer To-Do-Liste. Ich checke öfter mit mir ein und entscheide immer frisch und aktuell, was der nächste Schritt ist.

8. Kenn dein Werkzeug.

Lese Gebrauchsanweisungen, schau Tutorial Videos, probiere aktiv aus (am besten bevor du es dringend und jetzt sofort brauchst) oder bitte jemanden es dir zu zeigen. Stell Fragen.

Lass das Werkzeug und was es für dich tun kann, Teil deiner Möglichkeiten und Ideeninspiration sein.

Wieviel Zeit und Energie verschwendest du für unwissendes Anwenden deiner Tools? Wie geht das jetzt wieder?

Wieviel Zeit verbringst du mit Problemlösungen, weil du keine Idee hast, welche Möglichkeiten dir überhaupt zur Verfügung stehen?

Spezialisiere dich auf Schweizer-Taschenmesser-artige Tools – erfinde neue Funktionen in dem du mit dem, was da ist, arbeitest und Wege findest, deine Probleme zu lösen.

Tipp: Ich nutze Evernote als Ablage und Projektmanagement System und halte es immer aktuell. Ich lese jede Neuerungsemail und entscheide schnell, ob die Funktion meine Arbeit erleichtern kann oder nicht. Ich halte es einfach und orientiere mich an meinen Gewohnheiten. Frage nicht, was du für dein Werkzeug tun kannst, sondern frage, was dein Werkzeug für dich tun kann.

9. Nimm dir Genuss Zeit dein Aufgehobenes zu genießen

Baue mit dem, was du aufhebst eine Beziehung in der Gegenwart auf und lass es mehr sein, als nur ein Denkmal der Vergangenheit.

Wie viel hebst du auf, weil es in seiner Zeit von großer Bedeutung für dich war? Ein Museum ist ein Ort der Erinnerung aber keine Werkstatt des Neuen. Und – in einem Museum wird das Aufgehobene bewusst bestaunt und genossen...

Mein Tipp: Ich gehe immer wieder mein Archiv durch und lasse Dinge los, die für mich heute keine Relevanz mehr haben. Und ich hole Dinge auch wieder hervor und integriere sie in meine Arbeit.

10. Konzentriere dich immer nur auf maximal 3 Bereiche deiner Arbeit.

Alles andere läuft auf Auto-Pilot oder wird ‚ins Regal gestellt‘ für später.

Ein Bereich ist etwas, dass immer wieder deine besondere Aufmerksamkeit braucht und nie wirklich fertig ist. Zum Beispiel: Finanzen, Webseite, Marketing, Kundenbeziehungen…

Wenn ein neuer Bereich extra Aufmerksamkeit braucht, geht einer der drei Bereiche ‚ins Regal‘.

Du kannst nicht alles gleichzeitig bearbeiten und im Blick haben. Du kannst nur deine volle Aufmerksamkeit geben, wenn so viele Ressourcen wie möglich zur Verfügung stehen. Manchmal sind das nicht viele. Manchmal aber verschwendest du auch Ressourcen, weil du zwischen zu vielen hin und her springst.

Mein Tipp: Meine Monatsplanung mache ich mit 3 Fokus Bereichen mit je 3 Projekten. Ein Projekt ist etwas, das messbar irgendwann beendet ist. Um einen Anfang zu finden schreibe ich für jedes Projekt die ersten drei zeitlich messbaren Schritte auf, die zu tun sind. Erst wenn diese erledigt sind, überlege ich mir die nächsten – wenn sie sich nicht schon von allein ergeben, wenn ich richtig im Projekte drin bin.

11. Du hast viel zu tun heute? Verkürze deine Arbeitszeit.

Fokus ist eher ein Sprinter als ein Marathonläufer. Wir können auf kürzere Zeitdistanz die Konzentration besser halten, als auf lange Strecken.

Du wirst überrascht sein, wie viel du in 6h schaffst, wenn du danach wirklich aufhörst, (dich aufhören lässt und nicht erwartest jetzt in diesem tollen Tempo auch noch dies und das erledigen zu können).

Du kennst das vielleicht – du hast den ganzen Tag Zeit für eine Aufgabe und du kommst nicht wirklich weiter, weil du dich immer wieder zerfusselst. Es ist ja Zeit.

Dein Fokus weiß, wenn er den ganzen Tag durchhalten soll, dass er auf Sparflamme laufen muss.

Wenn du gar nicht voran kommst, arbeite in festen Zeitintervallen von 25 oder 90 Minuten. Dein Fokus wird geschärfter sein.

Und vertraue darauf, wenn du dich ablenken lässt. Dann brauchst du eine Pause. Nimm sie dir. Fang dann wieder an und setzte das Arbeitsintervall kürzer.

Mein Tipp: Ich weiß welche Aufgaben bei mir mit welchen Zeitintervallen am besten funktionieren. Für Aufgaben, die aus mehreren kleinen und aufeinander folgenden Schritten bestehen, arbeite ich am besten mit 90 Minuten Zeitfenstern – Podcast Folge ins Netz stellen. Für Aufgaben, die aus rein lateralem (Ideenfindung) oder rein analytischem (Entscheidungen) Denken bestehen komme ich mit 25 Minuten schneller und intensiver auf den Punkt (z.B. Brainstormen für eine neue Podcast Folge).

12. Übe das Nichtstun. Immer wieder.

Beobachte, was dabei in dir so hochkommt an Stimmen und Stimmungen. Was ruft es in dir? Wohin zieht es dich? Welche Werte und Bewertungen erheben in dir ihre Stimme?

Vielleicht erlebst du sogar einen Augenblick des Genießens. Aber verordne ich dir nicht als Aufgabe fürs Nichtstun.

Nimm, was auch immer der Augenblick hergibt und lerne damit umzugehen und davon zu lernen.

Was zählt bei dir überhaupt als Nichtstun? Gibt es ein Nichtstun?

Lerne diese Momente ohne Impulse von außen für dich zu nutzen. Um nach zu spüren. Um Dinge sich in dir ordnen zu lassen. Um weitere Entscheidungen aus tieferem Wissen und Überzeugungen treffen zu können.

Mein Tipp: Ich gehe regelmäßig wandern und stelle mir vorher Fragen, auf die ich gern eine Antwort hätte. Ich lade mein Unterbewusstsein ein, sich an der Problemlösung zu beteiligen. Dann laufe ich los und tue weiter nix.

In den Pausen und am Ziel frage ich nochmals nach und halte die Antworten Vielfalt fest. Manchmal tun sich auch eher neue Fragen auf, was die Ausbeute vertieft.

Die Autorin

Jesta Phoenix arbeitet als Slow Business Coach mit Menschen, die ihre Art des Arbeitens vereinfachen möchten für mehr Fokus und Zeitreichtum.

Im Moment entwickelt Jesta ein neues Produkt - ein immer-währendes Jahresprogramm ‚Der Minimalismus in deinem Business‘. Wer an diesem Werkstatt Angebot bereits 2018 teilnehmen möchte, erhält den Abenteurerin & Pionier der ersten Stunde Preis. Alle Infos hier.

Foto: Sabine Kristan