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DayCare Technology ist überzeugt von einer modernen und integrativen Gesellschaft und versucht mit modernster Technologie die gesellschaftliche Teilhabe von Menschen zu erhöhen. Das Projekt ist auf die ganz speziellen Anforderungen, Bedürfnisse und Fähigkeiten von älteren, pflegebedürftigen Menschen (60+) und Menschen mit Behinderungen ausgerichtet. Mit Virtual Reality, Augmented Reality und Mixed Reality kann die Lebensqualität dieser Menschen optimiert und virtuelle Barrierefreiheit geschaffen werden. Außerdem ermöglicht diese Technik auch pädagogische und therapeutische Ansätze. Wir bei tbd* wollten diesem Konzept auf den Grund gehen und haben den Gründer Thomas zu seiner Arbeit interviewt.

DayCare Technology versucht mit modernster Technologie die gesellschaftliche Teilhabe von Menschen zu erhöhen, ist das richtig? Wie wollt ihr das erreichen?

Wir möchten vor allem den Menschen in unseren Zielgruppen – das sind besonders ältere oder behinderte Menschen – Freude und schöne Moment schenken und wenn möglich auch ihre Lebensqualität verbessern. Virtuelle Realität kann Türen öffnen, Träume wahr werden lassen, Erinnerungen wieder lebendig und unzugängliche Orte für jeden zugänglich und erlebbar machen.

Treibende Kraft und Inspiration ist für uns die Geschichte des kleinen eckigen und kantigen Lilliput Roboters der in den späten 1930er Jahren in Japan als Blechspielzeug entwickelt wurde. Ein kleines mechanisches Spielzeug, welches vor fast 100 Jahren erdacht wurde, als die meisten Menschen noch ohne fließendes Wasser oder Elektrizität in ihren Wohnungen gelebt haben, es noch kein Fernsehen oder Computer gab. Heute gibt es so gut wie keinen Bereich unseres Lebens mehr, der nicht von Robotern unterstützt wird.

Wir folgen bei der Entwicklung von Anwendungen und technischen Lösungen einem einfachen Glaubenssatz: “Wenn Du es denken kannst, dann kannst Du es auch bauen!” Wir sind davon überzeugt, dass unserer Vorstellungskraft keine Grenzen gesetzt sind und alles was wir uns vorstellen können, das können wir auch gestalten und in realen Produkten und Anwendungen ausdrücken.

Was kann virtuelle Realität, was die „wirkliche“ nicht kann? Was denkst du, in welchen Bereichen wird uns diese in Zukunft verstärkt begegnen?

Wir können mit VR bereits heute Teilhabe und virtuelle Barrierefreiheit schaffen und Menschen dort „hin gehen lassen“ wo sie im realen Leben nicht mehr hinkönnen. Ein schönes Beispiel dafür ist Schloss Burg a/d Wupper. Ein altes und historisches Gemäuer deren Baumeister vor allem eins im Sinn hatten – „Je unzugänglicher die Burg, desto besser ist die Burg“. Barrierefreiheit stand somit definitiv nicht im Anforderungsprofil mittelalterlicher Baumeister.

Schloss Burg liegt auf einer Anhöhe und zeichnet sich durch dicke Mauern, holprige gepflasterte Zuwege und Innenhöfe sowie besonders die engen Gänge und schmalen Wendeltreppen aus. Wunderschön anzusehen, aber mehr als eine Herausforderung für Menschen mit einer Gehbehinderung oder für Menschen, die auf einen Rollator oder Rollstuhl angewiesen sind. DayCare Technology macht Schloss Burg “virtuell barrierefrei” und erlaubt damit jedermann die Burg virtuell zu besuchen und in echten Bildern zu erleben, als wäre man selbst vor Ort.

Neben dem was wir ganz speziell mit VR tun, lässt sich das Konzept der VR-unterstützten realen Bilder bereits heute in der Medizin, in der schulischen wie der betrieblichen Aus- und Weiterbildung, der beruflichen Qualifizierung und z. B. bei der Wartung komplexer Geräte und Maschinen einsetzen. Das Erlernen der Wartung einer Flugzeugturbine beispielsweise: die ganze Ausbildungsklasse kann drum herum stehen und zuhören oder durch technische Pläne und Handbücher blättern – so wie es heute üblich und analog praktiziert wird – oder aber mit einer VR Brille und als Augenzeuge im Detail verfolgen, was der Ausbilder / Techniker gerade genau macht. Mit Hilfe von VR kann man quasi bis in den letzten Winkel der Maschine kriechen und bei einer Flugzeugturbine sozusagen dem Kerosin auf dem Weg durch die Einspritzdüsen bis in die Verbrennungskammer folgen.

VR wird im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung jeden der uns bekannten Lebens- und Lernbereiche beeinflussen und optimieren. Davor braucht man aber keine Angst haben, denn es wird nützlich für alle sein. Als sich die modernen Smartphones durchsetzten, war auch nur schwer einschätzbar, wozu man sie benutzen würde und heute gibt es unglaublich viele neue Geschäftsmodelle, die auf diesen aufbauen.

Mal angenommen, dass ich eine eurer Brillen teste. Welche Erlebnisse warten da konkret auf mich?

Aktuell bereiten wir VR Inhalte auf, die sich hauptsächlich um neue Erlebnisse und Wünsche (Stichwort Bucket List) und das auffrischen von Erlebtem (Erinnerungen) konzentrieren.

„Ich war noch niemals in New York…“, „Wie fühlt sich Fallschirmspringen an…?“ das sind die Dinge, die Du erleben kannst, wenn Du unsere VR Inhalte ausprobierst. Wobei es gar nicht immer so spektakulär wie z.B. das Fallschirmspringen sein muss, da es vielen Menschen, die nicht mehr aus dem Haus kommen oder schon länger nicht mehr in den eigenen vier Wänden wohnen, völlig ausreicht, wenn sie noch einmal durch ihren Stadtteil gehen, ihr altes Zuhause sehen, den geliebten Schrebergarten besuchen können usw. Letzteres sind übrigens ganz wichtige Erfahrungen und Hilfen für ältere Menschen und Menschen die unter Demenz leiden.

Unsere VR Inhalte sind übrigens mit jeder handelsüblichen VR Brille kompatibel. Die VR Brillen, die wir in Zukunft ausschließlich einsetzen werden, sind sogenannte All-In-One VR Headsets. Unsere All-In-One VR Headsets zeichnen sich dadurch aus, dass sie 100% mobil und autark sind und nur knapp 280 Gramm wiegen. Es wird also keine zusätzliche Hardware (Laptop, Smartphone usw.) benötigt und es ist auch keine Internetverbindung zur Nutzung nötig. Die Bedienung ist denkbar einfach und intuitiv gestaltet und an die Bedürfnisse und Fähigkeiten unserer Zielgruppen angepasst.

Virtual Reality, Augmented Reality und Mixed Reality. Könntest du den Unterschied mal für Unwissende erklären?

Ich versuche das mal in meinen Gedanken und Worten. Wobei ich fürchte, dass die Puristen und Hardcore VR Gamer jetzt eine Herzattacke bekommen.

VR ist einfach ausgedrückt, wenn ich von daheim z. B. als „Augenzeuge“ durch Schloss Burg laufe und es so erlebe, als wäre ich selbst vor Ort. Ob die Inhalte aufgenommene Videos oder vom Computer errechnet werden ist für die Unterscheidung unerheblich.

AR wäre in dem Fall noch die zusätzliche Einblendung von Informationen zu bestimmten Räumen und besonderen Ausstellungstücken innerhalb von Schloss Burg. Ich schaue mir also zum Beispiel im Rittersaal die Wandgemälde an und bekomme automatisch zusätzliche Infos zur Geschichte der Burg oder der Grafen von Berg auf mein Smartphone oder meine Brille, wenn ich bestimmte „trigger points“ auslöse oder „hotspots“ansehe. Es geht hier also um die „erweiterte“ Realität.

MR ist eigentlich „nur“ AR in höchster Ausprägung. Das bedeutet, dass ich meine Umwelt wie gewohnt wahrnehme, aber zusätzlich noch Objekte eingeblendet bekomme, die nicht nur irgendwo auf dem Bildschirm erscheinen, sondern so in die reale Umwelt eingepasst sind, dass es einen festen Bezug zwischen beiden gibt. Ein Beispiel wäre ich gehe Schloss Burg physisch besuchen und schaue mich vor Ort im Rittersaal mit VR Headset um. Im MR Modus könnte mich dann ein computergenerierter Ritter in voller Rüstung durch die Burg führen. Er läuft neben mir her und ich höre die klirrenden Schritte seiner Blechschuhe durch alle Räume hallen. Vertieft in seine Ausführung knallt der Ritter auf unserem Weg durch die Burg - mit viel geschepper – dann auch noch gegen eine der verschlossenen Türen.

Welche Möglichkeiten eröffnet ihr Menschen, die eure Produkte nutzen? Wieso sind gerade die älteren, auch betreuungs- und pflegebedürftigen Menschen, Menschen mit Behinderungen und Menschen aus schwierigem sozialem bzw. finanziell angespanntem Umfeld eure Zielgruppe?

Die Menschen in unseren Zielgruppen haben fast alle ein und dasselbe Problem: sie können gar nicht oder nur unter größten Schwierigkeiten am normalen Leben teilhaben. Barrierefreiheit bezieht sich ja in der Realität für viele Menschen nicht nur auf enge Gänge, steile Treppen und fehlende Rampen. Es gibt Menschen die physisch nicht mehr aus dem Haus kommen, aber das Geld für die Eintrittsgelder des Lieblingsmuseums bezahlen könnten. Und dann gibt es Menschen, die fit sind und überall hin können, aber denen einfach die finanziellen Mittel fehlen, um überhaupt nur über den Besuch eines Museums mit der Familie nachzudenken. Für diese Menschen sind wir von DayCare Technology mit VR-unterstützer Teilhabe und virtueller Barrierefreiheit tätig. Ganz vereinfacht ausgedrückt öffnen wir Türen, ebnen Wege, erfüllen kleine Wünsche und Träume, ermöglichen Erlebnisse und beleben schöne Erinnerungen für die Menschen in unseren Zielgruppen.

Die Anzahl der älteren Menschen wird in Zukunft stetig wachsen. Der Bedarf an dem, was DayCare Technology leisten kann wird durch den demografischen Wandel in den nächsten Jahren immer größer werden. Was Menschen in einer finanziell angespannten Situation angeht, handelt es sich aktuell trotz der guten Wirtschaftslage in Deutschland leider ebenfalls um eine stetig wachsende Anzahl von Menschen. Wenn wir über den Bereich Erlebnis und Unterhaltung mit VR hinausgehen, dann kommt in den nächsten Jahren eine stetig steigende Zahl von Menschen auf uns zu, die mit VR-unterstützter Therapie z.B. noch besser ihre Schmerzen lindern, mobiler werden bzw. mobil bleiben und ihre kognitiven Fähigkeiten erhalten und trainieren können.

Ein kleiner Throwback. Im Herbst haben wir dich als Social Innovator to Watch 2017 ausgezeichnet, und zwar in der Kategorie Intrapreneurship. Inwiefern siehst du dich selbst auch als Intrapreneur und weshalb?

Um ehrlich zu sein musste ich im Herbst 2017 erst einmal nach der genauen Definition Googlen…

DayCare Technology ist zu einem großen Teil aus der persönlichen und tagtäglichen Erfahrung von mehr als 12 Jahren Pflege meines Vaters (mit)entstanden. Innerhalb der Familie haben wir uns im Laufe der Jahre quasi zu einem privaten Pflegeunternehmen entwickelt. Immer auf der Suche nach Möglichkeiten, wie wir für meinen Vater (er leidet an Demenz und ist auf den Rollstuhl angewiesen) den Alltag schöner, anspruchsvoll und weiterhin fördernd gestalten können. Dazu gehören auch therapeutische und VR-unterstützte Ansätze, wie z. B. Training und Erhalt von Alltagskompetenzen sowie Mobilitätstraining.

Im übertragenen Sinne bin ich ein Intrapreneur, der aus dem Unternehmen „familiäre Pflegeeinrichtung“ durch DayCare Technology noch zusätzlich unternehmerisch und gemeinnützig tätig geworden ist.

Wie lange gibt es DayCare Technology schon? Was würdest du sagen sind die größten Erfolge, die ihr schon erreicht habt und welche Ziele für die Zukunft habt ihr euch gesteckt?

DayCare Technology gab es als Idee bereits 2014. Ende 2016 waren wir der Meinung, dass die Technik ausreichend fortgeschritten ist, um als Unternehmen zu starten. Der Startschuss für DayCare Technology fiel im Februar 2017.

Wir erhalten viel Zuspruch von den Menschen denen wir DayCare Technology vorstellen und mit denen wir über den gezielten Einsatz von VR reden und verhandeln. Und natürlich auch von den Menschen, für die wir ganz konkret mit VR etwas tun. Zu unseren Erfolgen der letzten Monate gehört z. B., dass wir eine Kooperationsvereinbarung mit dem DRK (Kreisverband Herford-Stadt e.V.) für die Zusammenarbeit VR-gestützter Projekte unter anderem in der Pflege geschlossen haben. Weiterhin wurde DayCare Technology von digital.engagiert – eine Förderinitative von Amazon und Stifterverband – im Februar 2018 in ihr Programm zur Unterstützung innovativer Startups aufgenommen.

Zu den wirklich sehr schönen Erfolgen und Erlebnissen gehören in jedem Fall die vielen Begegnungen mit Menschen und Verantwortlichen von Einrichtungen und Sehenswürdigkeiten, wie z. B. Schloss Burg a/d Wupper. Wir werden begeistert empfangen und erleben für unsere Vorhaben tatkräftige Unterstützung, die es uns z. B. erlaubt mit Kameras bis in den letzten Winkel der höchsten Türme und die hintersten Ecken dunkler Verliese zu kriechen. Nur durch diese herzliche Unterstützung können wir das alles tun. Für die Zukunft wünschen wir uns noch mehr Menschen und Einrichtungen, die uns so freundlich und großzügig unterstützen.

Mit dem (Teil-) Projekt "Meine Welt in 360°" starten wir ein VR-Einsteigerprojekt, welches die Teilnahme und die Erstellung virtueller Inhalte vereinfacht. So können sich in Zukunft noch mehr Menschen direkt beteiligen und ihre Geschichten und virtuellen Inhalte mit den Menschen aus unseren Zielgruppen und der Welt teilen. Wir ermöglichen mit diesem Projekt, dass Kinder, Jugendliche und Familien „ihre Welt in 3D und 360°“ als virtuelle Geschichten erzählen und veröffentlichen. Wir erwarten uns von diesem Projekt viele neue Inhalte für Teilhabe und virtuelle Barrierefreiheit. Das Projekt hat das Potential, ganz viele Menschen zu motivieren, sich direkt zu beteiligen und uns bei unserer Arbeit auf einfache und unkomplizierte Art und Weise zu unterstützen.

Darüber hinaus machen wir uns für den therapeutischen Einsatz von VR stark und als langfristiges Ziel haben wir die Vision von „VR auf Rezept“ im Hinterkopf. Das ist ein noch sehr langer Weg und deshalb haben wir uns auch schon auf die Reise begeben. Wir freuen uns über jeden, der uns auf unserem Weg begleitet, uns anfeuert und motiviert und uns nach seinen Möglichkeiten und Kräften bei der Erreichung unseres Ziels unterstützt.

Zu guter Letzt: Wo kann man euer Produkt mal testen oder euch unterstützen?

Testen und dabei sein kann, wer am 17. April 2018 zufällig Zeit und Lust hat um beim „Kochen mit VR“ im Social Impact Lab Frankfurt mitzumachen. Mehr Infos dazu und die Möglichkeit sich anzumelden finden sich hier.

Auf dieser Webseite veröffentlichen wir auch weitere Termine von Veranstaltungen, auf denen wir u.a. bei regionalen Gesundheitstagen ausstellen, unsere Angebote demonstrieren bzw. uns mit Vorträgen an Konferenzen beteiligen. An solchen Tagen kann jeder nach Herzens Lust die VR Inhalte und unsere All-In-One VR Headsets ausprobieren.

Wir freuen uns über jede Unterstützung und die einfachste und beste Art unsere Arbeit direkt zu unterstützen ist es, wenn sich möglichst viele Menschen ab Mai / Juni 2018 bei „Meine Welt in 360°“ anmelden und ihre eigenen virtuellen Geschichten und Rundgänge veröffentlichen. Darüber hinaus freuen wir uns natürlich über viele Follower bei Twitter, Tweets, Re-Tweets, Interviews, Blogbeiträge usw.