ursprünglich erschienen: 01.12.2015

Immer mehr Menschen engagieren sich, und immer mehr Initiativen stellen sich angesichts der steigenden Zahl an Geflüchteten auf. Damit diese so effizient wie möglich arbeiten und um zu vermeiden, dass sie parallel zueinander arbeiten oder auch noch ähnliche Fehler begehen, ist es wichtig, dass sie sich vernetzen und Erfahrungen austauschen. 

Mit dabei waren Initiativen, die Flüchtlingen in Notunterkünften unterstützen (WestendLichtenberg), die Wohnungen vermitteln (Flüchtlinge willkommenFlüchtlingswohnungen), solche die Deutschunterricht organisieren, Kleiderkammern (ZESAA) und Bildungsangebote (Asylothek Berlin) bieten und diejenigen, die sich speziell um minderjährige Flüchtlinge kümmern. Aber auch App-Entwickler, die wichtige Informationen für Menschen auf der Flucht zusammenführen (Kos SolidarityMigration Hub) oder in Deutschland die Orientierung erleichtern (Place4RefugeePlaceMaking) trafen sich zum Austausch. Ebenso gab Mentorenprogramme und Tandems (aeWorldwideWir für Flüchtlinge), Probono-Angebote (Proboneoyouvo) und Hilfsangebote für Helfer.

Die TeilnehmerInnen waren also divers – doch alle mit einem Ziel: die Geflüchteten in Deutschland willkommen heißen und gemeinsam Integration erleichtern.

Anhand von Beispielen werden hier ein paar der Key-Learnings der verschiedenen Sessions zusammengefasst:

1. Kooperation suchen!

Die Zusammenarbeit mit Betrieben oder Ministerien ist zwar arbeitsintensiv, doch häufig sehr lohnenswert und vermeidet unnötige Verdoppelung von Angeboten.

  • Ein BeispielAsylothek – eine Initiative die in Flüchtlingsunterkünften Bewohnern Bücher, Spiele, CDs und DVDs zur Verfügung stellt. Um das Angebot auch auf andere Sprachen zu erweitern, wurde eine Kooperation mit Dussmann oder ähnlichen Verlagen vorgeschlagen. Außerdem, wurde noch während des Barcamps ein Kontakt zu Stiftung Lesen hergestellt, die zusammen mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung Lesestarter-Set speziell für junge Flüchtlinge bereitstellen. Ein Hoch auf Vernetzungen und Kooperation!

2. Crowdfunding ist mehr als Finanzierung!

Startnext erklärte wie durch Crowdfunding neben der Finanzierung auch Markttests, Marketing (Kommunikationswert von Projekten), Reputation (der faktische Beweis, dass eine Vielzahl von Menschen hinter einer Idee steht), Vertrieb, Netzwerk („es sollte eigentlich Community-Funding heißen“), Planungssicherheit und Feedback ermöglicht werden. Hier könnt Ihr nochmal die speziellen Crowdfunding Tipps nachlesen.

  • Die Beispiele: erfolgreiche Crowdfunding Kampagnen kann man sich zum Beispiel bei Cucula, morethanshelters, Über den Tellerrand kochen,  Magdas Hotel oder ICOON abgucken.

3. Den HelferInnen helfen!

Viele Organisationen und Initiativen funktionieren allein durch das Engagement der vielen Ehrenamtlichen. Durch diese Arbeit erleben jedoch auch sie emotionsintensive Situationen, Geschichten und Schicksale. Bedarf an Supervision gibt es also zuhauf. Doch viele lehnen direkte Hilfe ab, und auch erfahrenes Personal fehlt häufig. Daher ist der Top Tip zur Kommunikation mit und für Ehrenamtliche Austausch- oder Gesprächsrunden anzubieten.

  • Ein Beipiel: Hier gibt es natürlich keine patent Lösung. Aber niedrigschwellige, partizipative kommunizierte und gestaltete, offline Angebote im zweiwöchigen Rhythmus sind einfach zu organisieren und zugänglich für alle. Mehr Infos zur Kommunikationsform gibt es hier.

4. Auf Augenhöhe kommunizieren!

Reflektion über die eigene Arbeit wirft wichtige und schwierige Fragen auf: Tun wir zu viel oder zu wenig? Sind wir als Helfer nicht sogar zu verschlossen für einen Dialog auf Augenhöhe mit den Flüchtlingen? Key Learnings der Session waren: Gegenseitiger Respekt, Raum lassen für neue Ideen und die Kommunikation mit Geflüchteten aktiv suchen, um kulturelle Unterschiede besser zu verstehen und einen besseren Überblick zu kriegen, was gebraucht und was geboten wird. Außerdem zeigt diese Problematik vor allem, wie wichtig es ist, sich mit bereits bestehenden Initiativen im gleichen Bereich zusammen zu tun. Die Vernetzung zu vereinfachen versucht zum Beispiel:  www.schnell-helfen.de 

  • Beispiel: Kommunikation mit Geflüchteten kann auch durch die Kooperation mit Universitäten erleichtert werden. Thematisch und mit Projekten, durch Forschung von Kulturthemen, der Evolution von Migration oder dem Aufbau eines Wissenstransfer-Netzwerks.

5. Technik zusammenführen!

Für die unterschiedlichsten Bedarfe gibt es schon jede Menge Angebote. Das ist super. Doch leider bleibt es oft bei lokalen Lösungen – die adhoc und mit wenig technischem know-how aufgestellt wurden. So ist beispielsweise die Expansion und Erweiterung von welcomenews.de, einer Plattform für Kleinanzeigen in 5 Sprachen, sinnvoll und auch technisch möglich – jedoch noch nicht ausreichend umgesetzt. Die Komplexität und Vernetzung überfordert oft das ehrenamtliche Engagement vieler. Diese sechs Lösungen wurden zur weiteren technischen Koordination vorgeschlagen:

Ein E-Book zum Thema „Gutes einfach verbreiten – Flüchtlingsinitiativen“ ist in Vorbereitung.

Zunächst gibt es aber hier  den Sessionplan im Überblick. Und noch mehr Informationen und Einblicke vom Tag findest Du auf der openTransfer website.

 

Über die Autorin

http://www.opentransfer.de/wp-content/themes/in-motion/scripts/timthumb.php?src=http://www.opentransfer.de/wp-content/uploads/2014/01/katarina.jpg&h=150&w=160&zc=1

Katarina Peranić ist geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Stiftung Bürgermut. Die Stiftung fördert mit ihren Projekten Weltbeweger, openTransfer und dem Enter Magazin den digitalen und realen Erfahrungsaustausch und die Vernetzung von engagierten Bürgern. Die Politikwissenschaftlerin begann schon während des Studiums in verschiedenen Non-Profit-Organisationen mit dem Aufbau von Communities, zunächst off- dann auch online. Nach ihrem Diplom-Abschluss arbeitete sie bei der Stiftung Bürgermut in diesem Feld weiter und baute dort die Weltbeweger-Community auf, zu der mehr als 1.000 bürgerschaftlich initiierte Projekte und deren Macher zählen. Nach einer Zwischenstation in einer Online-Agentur ist sie seit Herbst 2012 wieder in der Stiftung tätig. Neben einer hohen Internet-Affinität begeistert sich Katarina Peranić auch leidenschaftlich für die Themen Barcamp sowie offener Wissens- und Projekttransfer in der Zivilgesellschaft. Twitter @staranov

Foto: #otc15 (CC BY-NC) www.eventfotografie-klant.de

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