Sozialunternehmer und Impact Investoren tun sich schwer, eine gemeinsame Sprache zu finden. Woran liegt das? Unternehmern auf der Suche nach Wachstumskapital fehlt es oft am nötigen Finanzierungswissen, während Investoren sich häufig mit der sozialen Wirkungsdimension schwer tun. Eine neue Online Lern-Plattform, die Social Finance Academy, will diese Sprachbarriere überwinden.

“Investorengespräche sind immer für eine Überraschung gut”, erinnert sich der Sozialunternehmer Felix Schäfer an seine Erfahrungen mit dem Einsammeln von Wachstumskapital. “ [ ] Eine wichtige Erkenntnis ist, dass man die eigene Idee auch in eine Sprache übersetzen muss, die für Dritte verständlich ist”. Trotz des aktuellen Hypes rund um Impact Investing herrscht immer noch ein krasses Missverhältnis zwischen der Nachfrage und dem Angebot an Finanzierungsmitteln. Diese Lücke ist am problematischsten für Sozialunternehmen, die sich noch in früheren Phasen ihrer Entwicklung befinden. Wie sollen sie je wachsen und skalieren? Auf der Suche nach Ursachen für dieses Phänomen wird ein Grund schnell offensichtlich: Sozialunternehmer und Impact Investoren sprechen schlicht nicht dieselbe Sprache. Aber wie lässt sich diese babylonische Sprachverwirrung auflösen?

Der Zugang zu einer passenden Finanzierung ist nach wie vor die größte Hürde für soziale Startups und etablierte Social Enterprises, wie auch eine jüngere Umfrage in Großbritannien zeigt. Sich die richtige Finanzierung zur richtigen Zeit in der richtigen Form zu sichern, bleibt die gewaltigste Herausforderung für Organisationen mit sozialer Mission. In einer früheren Umfrage gaben Sozialunternehmer zu, dass ihre größte Wissenslücke im Finanzmanagement und der Fähigkeit liegt, sich externe Finanzierung zu sichern. Diese Lücke beschränkt sich jedoch nicht auf Großbritannien. Weltweit beklagen Investoren einen Mangel an Finanzierungsreife bei ihren potenziellen Investment-Kandidaten. Was sie hören möchten, ist eine überzeugende Impact-Geschichte, die auf einer gesunden finanziellen Basis beruht – vorzugsweise in einer für sie leicht verständlichen Sprache.

Sozialunternehmer wiederum fühlen sich nicht weniger missverstanden. In einer Studie über Wirkungsmessung im Auftrag der DCED berichteten Social Entrepreneurs aus verschiedenen Kontinenten über ihre doch sehr gemischten Erfahrungen mit Investoren, wenn es um deren Umgang mit Impact geht. Sogar Impact Investoren geben zu, dass es an einem gemeinsamen Ansatz für die Wirkungsmessung mangelt. Ein Diskussionspapier von Oxfam geht sogar noch einen Schritt weiter. Um das Missverhältnis zwischen Kapitalangebot und –nachfrage zu adressieren, sollten Investoren - anstatt beweisen zu wollen, dass Impact Investments marktübliche Finanzrenditen erwirtschaften können – sich eher einen anderen Aspekt anschauen: welche Art von Fähigkeiten, Unterstützung und Finanzierung das Sozialunternehmen für seinen Erfolg braucht und ob sie in der Lage sind, diese bereitzustellen. Wo sind sie also, die Investoren, die die wahre Dimension der sozialen Wirkung verstehen und eine hervorragende Lösung erkennen, wenn sie sie vor sich sehen?

Beide Seiten zusammenzubringen ist die Vision der Social Finance Academy. Die freie Online Plattform bietet praxisorientiertes, offen zugängliches und kostenloses Wissen aus einer Hand, kombiniert mit gezielten, persönlichen Trainingsangeboten vor Ort. “Unsere Mission ist Impact Investoren, Social Entrepreneurs und Philanthropen auszubilden, damit sie erfolgreich Kapital für die Skalierung positiver sozialer Wirkung anziehen und investieren können”, erklärt Björn Strüwer, CEO und Gründer von Roots of Impact. Er hat die Social Finance Academy initiiert, nachdem er in seiner Rolle als Senior Advisor für Ashoka erlebt hat, wie Sozialunternehmer sich mit dem Thema Finanzierung schwer tun. Das Ziel der Academy ist klar: Investoren und Unternehmer sollen eine gemeinsame Basis finden und endlich dieselbe Sprache sprechen - Social Finance.

In einem ersten Schritt bietet die Academy den kompletten Kurs “Access to Impact Investment for Social Enterprises”, der gemeinsam mit VIVA Idea entwickelt wurde, als kostenloses, leicht integrierbares und jederzeit verfügbares Lernpaket an. Nach positiven Erfahrungen mit einem ersten Kurs-Lauf mit fast 2.000 registrierten Nutzern und einem begleitenden Blended Learning Pilotprogramm, an dem 3 Impact Hubs und 1 Social Impact Lab aus Europa, Lateinamerika und Asien teilnahmen, beinhaltet das Lernpaket jetzt mehrere Komponenten:

  • eine modulare Struktur mit 9 Einheiten für eine flexible Lernerfahrung,
  • praxisnahe, schnell umsetzbare Werkzeuge und Formate wie Lernvideos, Arbeitsblätter, Vorlagen, Online Checks, Infografiken, Experten-Interviews und tiefergehende Materialien,
  • Zugang zu einer weltweiten Community von gleichgesinnten Social Finance-Lernenden, und
  • einen thematischen Schwerpunkt auf Investitionsreife, Wirkungsmessung und Finanzierungsoptionen.

Social Finance Start der Plattform

Die neue Plattform wird durch die Swiss Agency for Development and Cooperation (SDC) unterstützt, deren Mission die Reduzierung der Armut und die Überwindung globaler Herausforderungen wie Klimawandel, Migration und Wasserknappheit ist. Die Einladung zum Lernen geht dabei an alle Wirkungs-Akteure, die die Social Finance-Sprache fließend beherrschen möchten, ganz gleich ob sie ihren Impact in Europa, Lateinamerika, Afrika oder Asien entfalten. Die Plattform ist bewusst international ausgelegt, wobei die ersten Lernpakete zunächst auf Englisch verfügbar sind. Die Erfahrungsberichte bisher sind sehr positiv:

“Ich mag diesen Kurs und die Möglichkeit sehr, gemeinsam mit anderen im sozialen Sektor zu lernen. Ich hätte mir ehrlich gesagt gewünscht, dieses Angebot schon vor Jahren gehabt zu haben […]. Es ist toll, von erfahrenen Leuten vermittelt zu bekommen, wie man in diesem risikoreichen Markt arbeitet und sich dabei nicht alleine fühlt.”

Ashley Williams, Serigrafía de la Gringa

“Ich möchte die Gelegenheit gerne nutzen, euch für diesen Kurs und die tolle Unterstützung zu danken. Es war eine schöne und hervorragend konzipierte Lernerfahrung.”

Julio Martinez, Director of Acceleration @Pomona Impact/Impact Hub Antigua, Facilitator eines Blended Learning Workshops

Doch auch für Sozialunternehmer, die sich für das Abenteuer Kapitaleinsammeln bereits gut gerüstet fühlen, gibt es immer etwas Neues zu lernen. Oder wie es Felix Schäfer ausdrückt: “Ich denke, das ist ein typisches Sozialunternehmer-Syndrom: Man glaubt felsenfest, die eigene Vision sei allen sofort klar. Dabei tut es gut, einmal einen Schritt zurückgehen und genau zu überlegen, wie man sie am besten nach Außen transportiert.”

Die Plattform und der Kurs sind ab sofort per kostenloser Registrierung hier verfügbar.