2016 wurde die Studie „The best place to be a Social Entrepreneur 2016“ der Thomson Reuters Foundation veröffentlicht. Dabei wurden die 45 wirtschaftlich stärksten Nationen auf ihre Ausgangssituation für Sozialunternehmer untersucht. Deutschland ist insgesamt auf Rang 12 gelandet. Immerhin überdurchschnittlich, aber weit hinter anderen Ländern. Bei dem Punkt “Unterstützung durch die Politik der jeweiligen Regierung” landet Deutschland sogar nur auf Platz 34/45 – zwischen Griechenland und Mexiko. Das Ergebnis verdeutlicht die Diskrepanz zwischen der aktuellen Politik und unseren gewachsenen Werten. Bei all den gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit muss hier ein anderer Anspruch bestehen. 

Kurz nach der Veröffentlichung der Studie trafen sich einige Akteure im Bereich des Sozialunternehmertums und entschieden sich, etwas dagegen zu tun. Besser vernetzen. Noch enger zusammenarbeiten. Eine breitere Öffentlichkeit finden. Zugang zur Politik erzielen. Gemeinsam Deutschland durch Sozialunternehmertum verändern.

Wir müssen wieder an unsere Tradition anknüpfen. Gerade jetzt.

Deutschland war am Ende des 19. Jahrhunderts ein Zentrum sozialer Innovationen. In dem Land, in dem die Krankenversicherung entstand und die genossenschaftlichen Banken ihren Ursprung haben, waren die Werte des „ehrbaren Kaufmanns“ eine treibende Kraft erfolgreichen Unternehmertums.

Die Geschichte zeigt, dass mit dem technologischen Wandel auch immer ein gesellschaftlicher Wandel einherging. Mit der Digitalisierung sind wir wieder in einen solchen Epochenwandel eingetreten. Der technologische Wandel wird maßgeblich von der Gründerszene geprägt. Für die Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen mittels sozialer Innovationen hat sich analog dazu mit Social Entrepreneurship eine globale Bewegung gebildet. 

Während die technologischen Innovationen auf breiter Basis gefördert werden, bleiben soziale und gesellschaftliche Innovationen zu großen Teilen sich selbst überlassen. Das muss sich ändern. Deutschland soll und kann wieder eine führende Position einnehmen, wenn es darum geht, bahnbrechende Lösungen zu finden, die systemische Antworten auf gesamtgesellschaftliche Herausforderungen geben. Sozialunternehmer können solche Innovationen entwickeln, testen und vorantreiben. Für eine Entfaltung dieses Potenzials bedarf es jedoch einer breiten Unterstützung von Seiten der Öffentlichkeit, der Förderinstitutionen, der Politik und vor allem einer engen Vernetzung aller Akteure der Szene.

Um diese Entwicklung voranzutreiben, hat sich im Dezember 2016 eine Arbeitsgruppe im Rahmen des Bundesverband Deutsche Startups e.V. (BVDS) gebildet. Der BVDS arbeitet mit uns daran, die Interessen der SozialunternehmerInnen zu erfassen und gemeinsam nach außen zu vertreten bzw. gegenüber der Politik zu artikulieren. Ganz konkret heißt das, uns mit Politikern zu vernetzen, Veranstaltungen zu organisieren, zu informieren und relevante JournalistInnen anzusprechen. Unsere hauptamtliche MitarbeiterIn darf - sobald eingestellt - sogar vom Büro des BVDS aus arbeiten. Ein Positionspapier haben wir schon verfasst und auch schon einigen Politikern vorgestellt. Mehr dazu liest Du hier

Nun ist aus der Arbeitsgruppe ein eigener Verein entstanden, um den Aktivitäten zu Vernetzung, Bildung und Öffentlichkeitsarbeit einen schlagkräftigeren Rahmen zu geben: Social Entrepreneurship Netzwerk Deutschland e.V. (i.Gr.), kurz SEND.

Netzwerken for Good

Während der BVDS die Interessenvertretung von (Heraus)Forderungen auch von Social Startups auf politischer Ebene übernimmt, geht es dem neuen Verein SEND vor allem um eine höhere Aufmerksamkeit für das Thema Social Entrepreneurship und um die Vernetzung untereinander. Deshalb sind auch Wohlfahrtsverbände, Stiftungen, Unternehmen und auch weitere Akteure herzlich eingeladen, sich aktiv einzubringen. Geplant sind außerdem öffentlichkeitswirksame Kampagnen - insbesondere vor der Bundestagswahl. Ziel ist es, dadurch auch mehr Menschen für das Thema zu gewinnen - sei es als Gründer, Mitarbeiter, Unterstützer oder Kunden. Des Weiteren sollen regionale Arbeitsgruppen gegründet werden, denn eine regionale Präsenz und lokale Vernetzung und Austausch sind genauso wichtig wie auf nationaler Ebene - und manchmal erheblich wirksamer.

Wir  möchten  natürlich möglichst viele Sozialunternehmer vertreten und laden deshalb alle herzlich dazu ein, eine Mitgliedschaft zu beantragen. Eine Preisstaffelung ist gegeben, damit hoffentlich auch junge Unternehmen dabei sein können. Und Eure Mitarbeit ist natürlich gefragt: Seid laut und bringt Euch ein. Denn nur so können wir das Zeitalter des Sozialunternehmertums in Deutschland hervorrufen!

Mehr über SEND e.V. (i.Gr.) erfahren.

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