ursprünglich erschienen: 11.12.2015

Pünktlich um die weihnachtliche Nächstenliebe auszubauen und ins neue Jahr mitzunehmen, geht die neue Nachbarschaftsplattform nebenan.de an den Start. Juhu! 

Schon im Vorfeld zum Launch haben wir mit Mitgründerin Ina Brunk gesprochen und Sie gefragt was Nachbarschaftsengagement alles erreichen kann, ob und wie ein sechsköpfiges GründerInnenteam funktioniert und was nebenan.de zum Social Impact Business macht. 

Nebenan.de ist eine Nachbarschaftsplattform – wie genau können wir uns das vorstellen?

Mit nebenan.de bieten wir Nachbarn eine einfache, intuitive und sichere Plattform zum Aufbau sowie zur Pflege nachbarschaftlicher Beziehungen. Eine Plattform, die nicht nur online funktioniert, sondern auch offline wirkt und das echte Leben besser macht. Nebenan.de möchte im echten Leben etwas verändern. Dass sich Nachbarn mit gleichen Interessen oder ergänzenden Fähigkeiten finden und sich gegenseitig unterstützen. Es geht um ein Miteinander, von dem jeder in jeder Lebenslage profitieren kann. Die Relevanz entsteht durch die Nähe und die Echtheit der Menschen.

Entscheidend dabei ist, dass die Nachbarschaften wie kleine, eigene Kosmen funktionieren. Inhalte werden nicht von uns, sondern ausschließlich von den Nachbarn selbst kreiert. Die Nachbarschaften sind geographisch klar begrenzt und mit Hilfe eines Verifikationsprozesses erhalten nur echte Nachbarn Zugang. Das heißt, Personen aus anderen Regionen sowie Suchmaschinen können die Inhalte nicht sehen. Wir möchten eine vertrauensvolle Umgebung schaffen, in der sich auch Nachbarn, die sich bisher nicht kannten oder neu sind, begegnen können.

In Berlin seid ihr schon seit August aktiv und nun ist die Plattform für ganz Deutschland live. Was können engagierte Nachbarn jetzt tun? 

Nachbarn, die sich für eine lebendige, nachhaltige und sichere Nachbarschaft engagieren möchten, gehen einfach auf www.nebenan.de. Wir führen die Interessenten dann durch einen simplen Registrierungsprozess, der übrigens auch nur Daten abfragt, die für eine Nachbarschaft zwingend relevant sind. Je nachdem, wo man wohnt, wird man dann entweder direkt einer bereits aktiven Nachbarschaft zugeordnet oder erhält von uns Unterstützung beim Starten der eigenen Nachbarschaft.

Was kann Nachbarschaftsengagement Eurer Meinung nach in unserer Gesellschaft leisten – und was nicht?

Es gibt drei soziale Säulen, die uns Menschen tragen: Beruf & Arbeitsumfeld, Familie & Freunde, die heutzutage nicht selten über ganz Deutschland oder sogar die halbe Welt verstreut sind, und Nachbarschaft. Aber wir haben immer weniger Kontakt zu den Menschen in unserem Haus, unserer Straße oder unserem Viertel. Wir vernachlässigen das Potenzial unserer unmittelbaren Umgebung. Dabei ist es gerade Nachbarschaft, die Antworten auf die großen gesellschaftlichen Themen wie demographischer Wandel, Anonymisierung der Gesellschaft und nachhaltiger Umgang mit Ressourcen in sich birgt. "Starke und lebendige Nachbarschaften wirken im Kleinen und für jeden Einzelnen."Zudem sind Nachbarschaften, in denen sich die Anwohner kennen, nachweislich sicherer als anonyme Wohngebiete.

Natürlich kann Nachbarschaft solche großen Themen, wie gerade erwähnt, nicht alleine lösen, aber hyperlokales Engagement kann einen nicht unwichtigen Beitrag leisten. Ich bin in der ehemaligen DDR geboren und ohne hyperlokales Engagement – natürlich hat es damals keiner so genannt – wäre das alltägliche Leben quasi zum Erliegen gekommen.  Und auch heute ist es eben so, dass ein nachbarschaftliches Miteinander die Lebensqualität für die gesamte Nachbarschaft erhöht.

Was ist bisher Dein/Euer liebstes Nachbarschaftsprojekt? 

Das ist schwer. Wir sind regelmäßig aus dem Häuschen, weil Nachbarn einfach tolle Dinge tun! Eine 68jährige pensionierte Mathelehrerin kann ihre Kenntnisse einem 12jährigen Nachbarsjungen mit kostenloser Nachhilfe vermitteln. Ein alleinstehender Mann, der seine zwei Katzen über Weihnachten nicht in eine anonyme Betreuung geben möchte, findet plötzlich eine junge Familie eine Straße weiter, die sich liebevoll um die Tiere kümmern wird. Und alleinerziehende Mütter und Väter finden sich in einer Gruppe zusammen, um sich in ihrem meist stressigen Alltag gegenseitig zu unterstützen.

Mich persönlich begeistert es am allermeisten, wenn über den digitalen Weg Offline-Aktionen initiiert werden. Nachbarn treffen sich zum vorweihnachtlichen Punsch-Trinken oder zur gemeinsamen Bastelrunde und lernen sich so endlich mal kennen. Eine Bastelrunde - das klingt vielleicht lapidar, aber Menschen, die sich sonst nie begegnet wären und nie von ihren ähnlichen Interessen erfahren hätten, finden sich plötzlich zusammen. Und man darf nicht vergessen, dass sich doch nicht wenige unserer Mitmenschen tatsächlich nach etwas mehr Austausch sehnen.

Nebenan.de hat ein großes, diverses GründerInnen-Team. Welche Hürden bringt das mit sich?

Wichtig ist, dass man sich zu Beginn klar über die Vision und die Aufgaben innerhalb des Unternehmens verständigt. Wir haben das Glück, dass jeder von uns ganz individuelles Know-How mitbringt und so alle wichtigen Verantwortungsbereiche in einem Startup abgedeckt haben. Doch auch während des meist recht fordernden Alltags ist es wichtig den Kontakt zueinander nicht zu verlieren. Bei 6 GründerInnen muss man sich um das Gründerteam genauso kümmern, wie um das gesamte Team. Zum Beispiel, indem man sich regelmäßige gemeinsame Tage abseits des Tagesgeschäfts verordnet. Ich könnte mir wirklich keine besseren Gründer-Kollegen wünschen – das meine ich absolut Ernst und hoffe mit diesem Satz jetzt trotzdem auf eine Tafel Schokolade von den Jungs.

Das Team kommt sowohl aus der Privat- und Sozialwirtschaft zusammen. Wo positioniert sich nebenan.de?

Nebenan.de ist ganz klar ein Social Impact Business. Wir glauben an die gesellschaftliche Wirkung unserer Plattform und wir sind uns einig, dass diese für uns an erster Stelle steht. Um diese Wirkung aber möglichst groß werden zu lassen, müssen wir skalieren. Und das funktioniert am besten als klassische GmbH, da in Deutschland nur so genügend Kapital eingesammelt werden kann. Ich persönlich sehe es als großes Privileg Teil eines Gründerteams zu sein, dass sowohl aus der For-Profit wie Non-Profit-Welt kommt.

Was macht Dich zum Changer?

Ich glaube daran, dass es im Leben Schlüsselpersonen gibt, die einen inspirieren, einen fördern oder mal so richtig durchschütteln. Zum Glück haben ein paar dieser Menschen meinen Lebensweg gekreuzt. Durch meine liebe, mittlerweile leider verstorbene, Freundin Claudia Kotter (Initiatorin des Vereins Junge Helden) habe ich erlebt, was ein echter Changer ist. Missstand erkennen, Ärmel hochkrempeln, konsequent und aufrichtig sein und dabei immer die nötige Portion Liebe in das Projekt stecken. Daran versuche ich mich zu orientieren.

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Wie viel verdient man eigentlich im sozialen und nachhaltigen Sektor?
Der tbd* Gehaltsreport – Gehalt, Präferenzen und Zufriedenheit der Mitarbeiter im sozialen Sektor.
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Gehälter im nachhaltigen und sozialen Bereich - Gutes tun, Geld verdienen, Glücklich sein. Geht das?