Headerfoto: Nico Scagliarini (Changestarters)

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Einmal im Monat veranstaltet Changestarters Hamburg ein Event rund um das Thema Gutes tun. Im April stand dabei die Frage im Vordergrund, wie Unternehmen Gutes tun können? Hier bekommt ihr einen Einblick in die Veranstaltung und die verschiedenen Lösungsansätze.

Die Facetten des guten Unternehmertums: Von B-Corp bis Gemeinwohl-Ökonomie

Weder Vorträge noch Sitzreihen, aber wie gewohnt spannende Gespräche – beim monatlichen Netzwerk-Event „Moin&Machen“ kamen am 23. April 2019 zahlreiche Hamburger*innen zusammen, um über gutes Unternehmertum zu diskutieren. Die Moderatorin Tina Röbel von den Changestarters begrüßte Vertreter*innen aus unterschiedlichen Branchen zur offenen Gesprächsrunde in Form eines „fish bowls“, bei der sich die Zuhörenden direkt beteiligen können. Dabei präsentierten Christin Hinrichs und Sebastian Jespersen von XING das soziale Projekt Mentor Month, Manfred Jotter erklärte die Idee der Gemeinwohl-Ökonomie und Dustin Mühe erläuterte das Geschäftsmodell von purefood.

Greenwashing oder echtes Engagement? Gutes Unternehmertum in etablierten Firmen

Wenn Etiketten von Coca-Cola plötzlich grün sind und Aldi sich stolz als „Deutschlands führenden Bio-Händler“ betitelt, dann löst das häufig mehr Misstrauen als Begeisterung aus. Dass es auch authentischer geht, beweist das Mentoren-Programm Mentor Month von XING. In einer persönlichen Betreuung werden geflüchtete Menschen beim Bewerbungsprozess begleitet. Die Zahlen belegen den Erfolg des Projekts: von Etwa 80 Teilnehmenden im letzten Jahr wurden bereits 24% erfolgreich vermittelt. Dabei verfolgt das Unternehmen keine Gewinnabsichten. Gute PR? Eher Nebensache. XING hat verstanden, wie etablierte Unternehmen einen gesellschaftlichen Mehrwert schaffen können. Es geht nicht darum, sich um 180 Grad zu wenden. Es geht darum, das eigentliche Kerngeschäft auszuweiten und (zumindest teilweise) von dem lästigen Credo der Gewinnmaximierung zu befreien.

Christin Hinrichs und Sebastian Jespersen (XING) erklären was gute CSR-Arbeit ausmacht/ Foto: Nico Scagliarini (Changestarters)

Gutes Unternehmertum im großen Stil: Die Gemeinwohl-Ökonomie

Apropos Gewinnmaximierung, dieser sogenannte „Homo Oeconomicus“ wirkt an diesem Abend verstaubter denn je. Warum handeln wir im Wirtschaftsleben eigentlich anders als privat? Erfahrungsgemäß ist Egoismus für menschliche Beziehungen schließlich wenig förderlich. So sieht das auch Manfred Jotter, der als Berater für die Gemeinwohl-Ökonomie arbeitet. Entstanden ist die Bewegung 2010 als Reaktion auf die Finanzkrise. Anfänglich von vielen als Utopie oder Träumerei abgetan ist das Wirtschaftskonzept mittlerweile in vielen Unternehmen fest verankert. Pioniere wie die Outdoor-Marke Vaude oder der Bio-Hersteller Sonnentor veröffentlichen neben der vorgeschriebenen Finanz-Bilanz auch eine freiwillige Gemeinwohl-Bilanz, die den gesellschaftlichen Mehrwert der Geschäftstätigkeit bemisst. Die Verfechter*innen der freien Marktwirtschaft können dabei beruhigt sein: Die Gemeinwohl-Ökonomie hat nichts mit Kommunismus oder Planwirtschaft zutun. In einfachen Worten ausgedrückt wird lediglich das angestrebte Ziel ausgetauscht: Es heißt nun Gemeinwohl statt Profit. Neugierig geworden? Dann schau das VideoGWÖ kurz erklärtauf YouTube!

Manfred Jotter plädiert für ein Wirtschaftssystem, das auf Kooperation statt Konkurrenz setzt/ Foto: Nico Scagliarini (Changestarters)

Chancen und Grenzen des guten Unternehmertums: Als B-Corp am Markt bestehen

Bei aller Euphorie um neue Wirtschaftsmodelle – in unserem aktuellen System zählt meist der monetäre Profit. Mit dieser Realität sieht sich auch Dustin Mühe konfrontiert, der als Head of Sustainability & Social Impact bei purefood arbeitet. Das Unternehmen ist eine zertifizierte B-Corp und verpflichtet sich somit zu einer Wirtschaftsweise, die vergleichbar mit der Gemeinwohl-Ökonomie ist. Als GmbH streben sie zwar Gewinne an, verfolgen aber zugleich eine soziale Zielsetzung. So werden durch den Verkauf von Bio-Lebensmitteln der Marken Lycka und STARK soziale Projekte der Welthungerhilfe unterstützt und bedürftigen Kindern geholfen. Trotz dieses ehrenwerten Geschäftsmodells äußern sich einzelne Konsument*innen kritisch. Sie beklagen beispielsweise Plastikverpackungen, lange Transportwege oder tierische Inhaltsstoffe in manchen Produkten. Hier zeigt sich das Unternehmen jedoch transparent und ist offen für Weiterentwicklung. Dustin Mühe versucht gar nicht erst, den unrealistischen Eindruck eines makellosen Öko-Unternehmens zu vermitteln. Es gehe schließlich nicht darum perfekt zu sein. Es gehe darum, die Dinge anzupacken und sie besser zu machen.

Dustin Mühe (purefood) erklärt den Spagat zwischen Idealismus und Wirtschaftlichkeit / Foto: Nico Scagliarini (Changestarters)

Start-up oder Großunternehmen – wer verändert die Welt?

In der offenen Diskussion ging es vor allem um die Frage, ob es wirkungsvoller ist, neue Start-ups zu gründen oder bestehende Unternehmen neu auszurichten. Einigkeit herrschte schnell darüber, dass es sowohl großen als auch kleinen Firmen im aktuellen Wirtschaftssystem nicht leicht gemacht wird. Hier ist vor allem die Politik gefragt einen geeigneten Rahmen zu schaffen. Wer darauf nicht warten möchte, kann in der Rolle als Konsument*in durch bewusstere Kaufentscheidungen zu einer nachhaltigeren Wirtschaft beitragen. Diese Verantwortung der Verbraucher*innen wurde in der Diskussionsrunde jedoch auch kritisch gesehen. In Bezug auf die Eingangsfrage kamen am Ende jedoch alle auf einen gemeinsamen Nenner, den Tina Röbel auf den Punkt brachte: „Ich sehe nicht, dass der eine Weg besser ist als der andere – wichtig ist, dass wir anfangen.“


Tina Röbel (Changestarters) moderiert die Diskussionsrunde unter Einbezug des Publikums/ Foto: Nico Scagliarini (Changestarters)

Save the Date: 25. Juni 2019

Das Event Moin&Machen wird von den Changestarters organisiert und findet monatlich bei ThoughtWorks in Hamburg statt. Am 25. Juni 2019 findet das Treffen erstmalig in Form einer Impact Tour statt, bei der lokale Unternehmen und Initiativen vor Ort besucht werden.

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