"Wir wollen Ideen diskutieren, wie Stellschrauben in Unternehmen verändert werden können – es gibt unglaublich gute Ideen da draussen!"

Am 29. November findet in Bochum der Think 17 Summit statt, der ganz dem 17. Sustainable Development Goal "Umsetzungsmittel und globale Partnerschaft stärken" gewidmet ist. Beim Summit wird mit 100 Experten aus Nachhaltigkeitsmanagement, Stiftungen, Wissenschaft und Sozialunternehmen diskutiert werden, wie wir gemeinsam die Sustainable Development Goals durch partnerschaftliche Lösungsansätze erreichen können. Jakob Kunzlmann ist Projekt Manager bei der Bertelsmann Stiftung und einer der Session Geber beim Summit. Er arbeitet bei der Bertelsmann Stiftung zum Thema Unternehmensverantwortung. Im Interview erzählt er uns, was beim  Think17 Summit passieren wird und warum der partnerschaftliche Aspekt der Sustainable Development Goals so wichtig ist.

Am 29. November organisert ihr den Think17 Summit in Bochum. Was können die Teilnehmer von der Veranstaltung erwarten?

Ideen um einen Schritt weiter zu denken. Wenn man sich die Debatte zur gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen in den letzten 20 Jahren ansieht, gibt es immer wieder neue Trends, die als wesentlich identifiziert werden. Die SDGs sind die vielleicht wichtigste Neuerung in den letzten Jahren. Und ich würde gar nicht sagen nur inhaltlich. Das Entscheidende war, dass sich die Weltgemeinschaft auf ein geteiltes Verständnis darüber geeinigt hat, wo wir stehen und wohin die Reise gehen muss. Man hat sozusagen ein globales Verständnis darüber entwickelt, dass ein „Immer weiter so“ zu gravierenden negativen Konsequenzen für alle auf diesem Planeten führt. Diese Einigung und damit Kooperation von Vielen kann nun die Ausgangsbasis dafür sein, gemeinsam Stellschrauben in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu verändern, um eine zukunftsfähige Entwicklung erlebbar zu machen. Der Wirtschaft und damit den Unternehmen kommt dabei eine wesentliche Rolle zu. Und wir wollen Ideen diskutieren, wie Stellschrauben in Unternehmen verändert werden können – es gibt unglaublich gute Ideen da draussen!

Wie kam es zur Idee zum Gipfel und was erhofft Ihr Euch durch die Veranstaltung?

Es wird viel darüber diskutiert, Nachhaltigkeit im Kerngeschäft von Unternehmen zu verankern. Bei großen und schon lange am Markt tätigen Unternehmen passiert das langsam, immer mehr Berichterstattung zu nicht-finanziellen Indikatoren nötigt die Unternehmen, sich diesem Thema zu widmen – sich also damit auseinanderzusetzen, welche gesellschaftliche und ökologische Wirkung die unternehmerische Tätigkeit hat.

Bei jungen Unternehmen kann Nachhaltigkeit bereits bei der Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen mitgedacht werden, Social Entrepreneure machen das und versuchen sowohl einen betriebswirtschaftlichen als auch gesellschaftlichen Mehrwert zu erzielen. Alexander Krämer und Laura Marie Edinger-Schons haben den Mehrwert, den eine Kooperation von Social Entrepreneurs mit größeren Unternehmen auslösen kann, erkannt und das Buchprojekt „CSR & Social Enterprise“ auf den Weg gebracht. Die Autorenliste liest sich wie das „Who is Who“ von innovativen CSR-Verantwortlichen und jungen innovativen Köpfen. Diese sind mehrheitlich auch in Bochum bei Think17 vertreten, man kann also das im Artikel gesagte auch nochmals mit den Autoren diskutieren.

Das Hauptthema der Veranstaltung ist "Wie können wir gemeinsam die Sustainable Development Goals erreichen?”. Das Event soll interaktiv und in Kollaboration stattfinden - warum legt Ihr darauf so viel Wert und wie setzt ihr das um?

Den SDGs liegt die Überlegung zugrunde, dass im Gegensatz zu den Vorläufern, den Millenium Development Goals, alle aufgefordert sind, ihren Beitrag zur Erreichung der Ziele zu leisten. Die Länder des globalen Südens und des globalen Nordens, zivilgesellschaftliche Akteure genauso wie Unternehmen. Dieses Konzept von Kollaboration haben wir auf die Sessions übertragen, um zu zeigen, dass gemeinsam mehr erreicht werden kann. Nur weil Unternehmen erfolgreich am Markt sind und eine gewisse Größe haben, dürfen sie sich nicht selbst genügen – der Mehrwert, den eine Zusammenarbeit mit kleinen und innovativen Partnern bietet, kann enorm sein. Das gleiche gilt vice versa.

Auf der anderen Seite gilt es die SDGs mit Leben zu füllen, sie quasi mit Inhalt aufzuladen und zu formen. Die 17 Ziele mit 169 Unterzielen sind erstmal eine Fülle von relativ abstrakten Zielvereinbarungen. In einem nächsten Schritt müssen wir uns überlegen, an welchen Stellen wir welche Beiträge liefern können und müssen, was jeder einzelne Akteur tut. Das ist ein Aushandlungsprozess, der stattfindet, dazu wollen wir Denkanstöße liefern und das funktioniert nur interaktiv, auf Augenhöhe.

Die Organisation der Veranstaltung selbst ist auch eine Kooperation, die darauf abzielt, die Stärken mehrerer Partner zu nutzen. Kannst du uns über deine Beteligung daran berichten und welche Rolle die Bertelsmann Stiftung beim Summit spielt?

Wir als Bertelsmann Stiftung arbeiten auf verschiedenen Ebenen zu den SDGs. Mit dem SDG-Index untersuchen wir, inwieweit Länder ihre selbstgesetzten Hausaufgaben erfüllen, in welchen Bereichen also Fortschritte gemacht werden hinsichtlich der SDGs, aber auch, wo noch Verbesserungspotenzial liegt. Der Wirtschaft und damit den Unternehmen kommt eine besonders große Rolle zur Erreichung der SDGs zu, dieser Ebene wollen wir mit unserem Engagement beim Think17-Summit Rechnung tragen. Unternehmerisch Verantwortung zu übernehmen heißt, sich Gedanken darüber zu machen, welchen Beitrag man leisten kann und vielleicht sogar muss. Ich denke, die Partner der Konferenz haben erkannt, dass sich etwas ändern muss, wollen wir inter- und intragenerationale Nachhaltigkeit annähernd erreichen. Und deshalb sehe ich jede Organisation, die den Think17-Summit unterstützt als Vorreiter, der die SDGs als Zielsystem und Inspiration versteht.

think 17 speakers

Ihr habt über 100 Expert*innen und Referent*innen eingeladen. Könnt Ihr einen Vorgeschmack darauf geben, welche Themen auf der Veranstaltung diskutiert werden?

Wir konzentrieren uns auf das „Meta-SDG“, das SDG 17, da dies die Voraussetzung für wirkungsvolles Engagement darstellt. Gleichzeitig können die Themen, die durch Kooperationen vorangebracht werden können, vielfältig sein, da gibt es keine Einschränkung, dennoch sind hier in Deutschland einige SDGs relevanter als andere, und mit „relevant“ meine ich nicht „wichtig“, sondern „direkt beeinflussbar“.

Was sind Deiner Meinung nach die größten Herausforderungen, um die SDGs zu erreichen?

Die Änderung von Routinen, von jahrhundertelang eingeübten Selbstverständlichkeiten und Mindsets - das ist eine unglaubliche Herausforderung!

Bspw. wird Dr. Hans-Dietrich Reckhaus zusammen mit mir in unserer Session danach fragen, welche Unterstützung Unternehmer_innen benötigen, damit sie umdenken. Herr Dr. Reckhaus stellt Insektenvernichtungsmittel her, und setzt sich für den Erhalt von Insekten ein. So widersprüchlich das ist, so spannend ist der Ansatz. Und es sind vor allem Widersprüche, die es aufzulösen gilt, wenn wir wirklich umdenken wollen – es gibt Hoffnung!

Last but not least, für wen ist das Event bestimmt und wie können wir uns anmelden?!

Wir stehen an der Schwelle zu einer Welt, die hauptsächlich vom Menschen gestaltet wird, im Guten wie im Schlechten. Ich will Anteil daran haben, wie die Welt morgen aussieht. Alle die ähnlich denken, sind willkommen. Es gibt noch wenige Tickets.

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