Deutschlandweit gibt es inzwischen an vier Standorten sogenannte Impact Hubs. Sie bestehen aus drei verschiedenen Elementen. Zum einen einer pulsierenden Gemeinschaft von leidenschaftlichen und unternehmerisch denkenden Menschen, welche die Absicht teilen, positive Veränderungen herbeizuführen und als Gleichgesinnte zu agieren – um ihre Unternehmungen und Projekte voranzubringen und die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Zweitens soll es eine Quelle der Inspiration sein, die Inhalte durch Veranstaltungen, Innovationslabore, Lernräume, Programme und Panels liefert.  Zu guter Letzt ist ein Impact Hub ein physischer Raum, der eine flexible Infrastruktur zum Arbeiten, Treffen, Lernen und Verbinden bietet.

Bisher kann sich Hamburg noch nicht zu den Standorten zählen, die einen solchen Impact Hub den ihren nennen. Das soll sich nun aber ändern: Jose Saldana, Flora Rosenow, Lena Bücker und Boris Kozlowski haben bereits eine Location gefunden, benötigen allerdings noch Unterstützung. Wir haben mit ihnen über ihre spannenden Pläne für die Hansestadt gesprochen.

Erzählt uns von Euren Plänen für den Impact Hub in Hamburg. Wie weit seid Ihr? Was benötigt Ihr noch?

Impact Hub ist das weltweit größte Netzwerk für soziale Innovation und nachhaltiges Unternehmertum mit mehr als 100 Standorten weltweit und mehr als 17.000 Mitgliedern.

Wir haben die Vision, dass der Impact Hub Hamburg das Zuhause für Menschen wird, die erkannt haben, dass wir eine Veränderung brauchen und aktiv an einer gerechteren und nachhaltigeren Welt arbeiten möchten. Menschen, die mit unternehmerischem Einsatz und Begeisterung für Innovationen die 17 Nachhaltigkeitsziele der UN realisieren möchten.

Unsere Aufgabe ist es, gleichgesinnten Menschen zu unterstützen, indem wir sie an einem Ort in Hamburg zusammenbringen, ihnen einen inspirierenden Arbeitsort bereitstellen, sie mit Expert*innen vernetzen, und gezielte Unterstützung anbieten, damit der Impact ihrer Initiativen verstärkt wird. Wir denken, dass es einen ganzheitlichen Ansatz benötigt und dass ein Wandel nicht in Isolation stattfindet, sondern ein kollektives Handeln benötigt. Deshalb suchen wir auch gezielt den Austausch und die Zusammenarbeit mit öffentlichen Einrichtungen und traditionellen Unternehmen. 

Wir haben dafür einen Ort im Hamburger Stadtteil St.Pauli gefunden, in dem wir unserem Konzept und unseren Ideen in einem Pilotformat Form geben können. Auf 100m² können wir die ersten spannenden Entrepreneure und Start-ups gezielt unterstützen, Events und Workshops organisieren und somit das Bewusstsein für soziales Unternehmertum in Hamburg erhöhen.

Um unseren Pilot Impact Hub aufzubauen, benötigen wir deshalb Möbel, Ausstattung, Infrastruktur und wir möchten natürlich auch Aufmerksamkeit auf den Start des Impact Hub Hamburg richten, um weitere Menschen darüber zu informieren, dass dieser Ort nun in Hamburg existieren wird. In der Pilotphase haben wir die Möglichkeit gemeinsam mit der Community viele Konzepte und Ideen experimentell zu erproben um herauszufinden, in welcher Form wir arbeiten möchten und welche Formate wirklich hilfreich sind. Damit wir direkt im August loslegen können haben wir eine Crowdfunding Kampagne gestartet und bitten jeden, der der Meinung ist, dass wir eine nachhaltigere und sozialere Wirtschaft brauchen, um Unterstützung.

Impact Hubs gibt's in Berlin und München seit über fünf Jahren. Warum erst jetzt in Hamburg?

Das ist eine sehr gute Frage und uns als Team hat das ebenfalls gewundert, als wir anfingen, die Idee des Impact Hubs in Hamburg zu verfolgen.

Im Nachhinein haben wir dann mitbekommen, dass es in Hamburg bereits zwei Teams gab, die mit der gleichen Ambition gestartet sind. Die Gründe, warum es bei den anderen Teams nicht geklappt hat, sind unterschiedlich, doch ein wesentlicher Punkt ist, dass der Aufbau eines Impact Hubs im Grunde genommen wie bei jedem anderen Start-up auch einen hohen zeitlicher Aufwand erfordert. Auch wenn wir Teil eines großen Netzwerks sind, tragen wir das unternehmerische Risiko selbst und müssen bspw. die Finanzierung unseres Impact Hubs selbst sicherstellen. Wovon wir natürlich sehr stark profitieren, ist die Community und Erfahrung im Netzwerk und die internationale Bekanntheit der Marke.

Viele der Initiator*innen, die vor uns versucht haben den Impact Hub in Hamburg aufzubauen, sind weiterhin als Sozialunternehmer*innen aktiv und unterstützen uns in unserem Vorhaben.
Neben unserem Engagement und der guten Konstellation im Team denken wir, dass unsere Themen momentan endlich auch die verdiente Aufmerksamkeit genießen und insbesondere auch Unternehmen erkennen, dass wir in Bezug auf Fragestellungen rund um Klimaschutz, nachhaltigen Konsum oder der Verringerung von sozialen Ungleichheiten schnell ins Handeln kommen müssen!

Wie unterscheidet sich Hamburg von den anderen Großstädten in Deutschland, was Impact angeht?

Wir denken, dass die Impact Community hier in Hamburg noch wachsen kann und hier haben wir in den letzten Monaten schon eine tolle Entwicklung gesehen. 

Zusammen mit Initiativen wie weciety oder Changestarters haben wir es gemeinsam geschafft, insbesondere durch verschiedene Eventformate immer mehr Menschen zusammenzubringen und den Austausch zu fördern.

Wir sehen aber auch, dass wir die Infrastruktur für Sozialunternehmer*innen in Hamburg noch deutlich verbessern müssen. In dieser Hinsicht unterscheidet sich Hamburg aber nicht zwangsläufig von anderen deutschen Großstädten.
Trotzdem, das positive ist, dass eine Bewegung im Bereich soziales Unternehmertum zu beobachten ist, viele neue Start-ups in den letzten Monaten entstanden sind und sich tolle Ideen in der Umsetzung befinden.


Das Team des Impact Hub Hamburg.

Was sind eure Top 3 Hamburger Sozialunternehmen? Erzählt uns ein bisschen was zu jedem.

Es fällt uns schwer hier wirklich nur drei soziale Start-ups nennen zu dürfen, denn Hamburg hat definitiv eine Menge zu bieten! Lasst es uns aber versuchen:

Terrorists of Beauty

Ein Start-up, welches ihr definitiv auf dem Schirm haben solltet, ist terrorists of beauty. Die beiden Gründerinnen Natalie und Mar kämpfen gegen die Gesetze der Schönheitsindustrie, indem sie unisex Blockseifen herstellen, die nur mit veganen Bio-Zutaten auskommen und bei denen sowohl im Inhalt, als auch in der Verpackung gänzlich auf Plastik verzichtet wird! 

Bracenet

Als wir die zwei Gründer Benjamin und Madeleine von Bracenet bei einem Nachhaltigkeitsevent in Hamburg getroffen haben waren wir sofort begeistert von dem Impact, den ihr Start-up erzielt! Bracenet zielt darauf ab eine Kreislaufwirtschaft zu etablieren, indem aus dem Meer gerettete Netze in neue Produkte wie Armbänder oder Schlüsselanhänger verwandelt werden. Bei den Netzen handelt es sich um sogenannte Geisternetze, die von Fischern abgetrennt werden, daraufhin unkontrolliert im Meer treiben und eine Gefahr für Fische und andere Meeresbewohner darstellen.

Um das ganze Konzept noch eindrucksvoller zu machen, integrieren die beiden Behindertenwerkstätten in den Verarbeitungsprozess und sorgen somit zusätzlich für die soziale Integration von benachteiligten Menschen.  

Tomorrow

Tomorrow ist für uns in vielerlei Hinsicht ein besonderes Sozialunternehmen, da sich die Location unseres Pilot Impact Hubs im gleichen Gebäude befindet, in dem Tomorrow auch gerade seine neuen Büroräumlichkeiten gefunden hat.

Zusätzlich verbindet uns zum Gründerteam von Tomorrow eine enge Beziehung, da wir etwa zur gleichen Zeit unsere Projekte begonnen haben und uns auf dem Weg kontinuierlich unterstützt haben.

Das besondere an Tomorrow ist in unseren Augen, dass die Truppe einen Sektor umkrempelt, der an Komplexität kaum zu überbieten ist. Als nachhaltige, mobile Bank fordert Tomorrow hier das traditionell geprägte und in vielen Bereichen von ethischem und nachhaltigen Verhalten weit entfernte Bankwesen heraus. Deshalb sind wir von dem Mut, der Professionalität und dem Durchhaltevermögen von Tomorrow sehr beeindruckt und freuen uns schon auf die neue Impact Nachbarschaft! 

Neben den neuen Start-ups gibt es in Hamburg dann auch noch die alten Hasen bzw. Vorreiter im Bereich Sozialunternehmertum, wie Viva con Agua und LemonAid, die weiterhin sehr viel für das Ökosystem in Hamburg tun.

Hamburg hat doch überdurchschnittlich viele Millionäre, oder? Wie kann man die auch überzeugen, beim Weltverbessern mitzumachen? Oder tun sie dies bereits?

Es ist richtig, dass die Millionärsdichte in Hamburg besonders hoch ist. Das bezieht sich auch auf Einkommensmillionäre, die über ihren unternehmerischen Einsatz finanziell erfolgreich geworden.

In dieser Hinsicht ist Hamburg bekannt für das Leitbild des Ehrbaren Kaufmanns, welches heutzutage vielleicht in gewisser Weise mit dem Begriff Impact Entrepreneur verglichen werden kann. Der Ehrbare Kaufmann zeichnet sich nämlich durch ein hohes Verantwortungsbewusstsein für das eigene unternehmerische Handeln und die daraus entstehenden gesellschaftlichen und ökologischen Konsequenzen aus.

Traditionell engagieren sich insbesondere viele ältere Familienunternehmer deshalb zusätzlich in ihren eigenen Stiftungen, die sich bestimmten sozialen Stiftungszwecken widmen.
Hier sind wir der Meinung, dass das heutzutage nicht ausreicht und wir neben der guten Stiftungsarbeit auch einen Fokus auf soziales Unternehmertum richten sollten, um zu zeigen, dass sinnorientiertes, nachhaltiges Wirtschaften erfolgreich und attraktiv ist. 

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