ursprünglich erschienen: 25.06.2017

Die Deutsche Umweltstiftung hat es geschafft: sie haben eine Art des Crowdfundings erfunden, die bis jetzt noch niemand in Betracht gezogen hat. Wie genau sie das angestellt hat und was hinter dieser Plattform steckt, kannst du hier in einem Interview mit Jörg Sommer lesen.

Was ist die Deutsche Umweltstiftung und was sind ihre Ziele?

Die Deutsche Umweltstiftung ist die älteste und größte Bürgerstiftung Deutschlands. Gegründet wurde sie von den Nobelpreisträgern Günter Grass und Heinrich Böll sowie weiteren Wegbereitern der heutigen Umweltbewegung. Sie arbeitet fast ausschließlich ehrenamtlich, ist politisch oft unbequem und quasi eine umfassende Bürgerinitiative für Umweltschutz – mit über 300 Projekten in 33 Jahren.

Unser übergeordnetes Ziel ist es, die Lebensgrundlagen von uns Menschen sowie unserer Tier- und Pflanzenwelt zu schützen. Um dieses Ziel zu erreichen, ermutigen wir engagierte Menschen, eigene „grüne“ Projekte umzusetzen ­und unterstützen sie dabei. Vor fast zwei Jahren gründeten wir unsere nachhaltige Crowdfunding-Plattform EcoCrowd. Dort werden nachhaltige Projekte und Startups vorgestellt, die eine Starthilfe benötigen. So fördert die Gemeinschaft (crowd) durch kleinere und größere Beträge die Finanzierung innovativer Ideen für eine nachhaltige Zukunft.

Außerdem arbeiten wir an Projekten in den Bereichen Bildung und Bürgerbeteiligung. Dadurch möchten wir Menschen zu umweltbewussten und aktiven Menschen in unserer Gesellschaft befähigen.

Was ist euer Motto?

„Hoffnung durch Handeln“ ist das Leitmotiv der über 2.400 Stifterinnen und Stifter. Wir glauben, dass wir durch ein Umdenken und entsprechendes Handeln in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft unsere Schöpfung erhalten können.

Neues Denken und neues Handeln bedingen sich dabei gegenseitig. Umweltbewusstsein lässt sich nicht in der Schule lernen, es entsteht durch gemeinsames Engagement – und es findet im gemeinsamen Tun immer mehr Anhänger. Wir sind deshalb in erster Linie eine „handelnde“ Stiftung und freuen uns deshalb über jede neue aktive Stifterin (und Stifter natürlich auch).

Welche Projekte führt ihr aktuell durch?

Neben vielen kleineren Projekten konzentrieren wir uns zurzeit vor allem auf die Bereiche Crowdfunding, Umweltbildung und Bürgerbeteiligung:

Auf EcoCrowd, unserer nachhaltigen Crowdfunding-Plattform, sammeln nachhaltige Projekte und Startups Kapital für ihr Vorhaben.

Seit vielen Jahren führen wir regelmäßig so genannte Schulpflanzaktionen durch. Dort lernen Kinder und Jugendliche die Bedeutung des Ökosystems Baum für unser Klima kennen. Als Abschluss und Höhepunkt der Projektarbeit pflanzt jeder Schüler einen heimischen Baumsetzling und betreut ihn anschließend als Baumpate. So sensibilisieren wir junge Menschen für unsere Umwelt und bilden wichtige Multiplikatoren ökologischen Denkens aus.

Darüber hinaus haben wir den Beteiligungsblog BBlog ins Leben gerufen. Oftmals wissen die Bürger gar nicht, welche Möglichkeiten sie haben unsere Gesellschaft aktiv mitzugestalten. Darum berichtet der BBlog „aus der Welt der Partizipation“, d.h. hier wird rund um die Themen Bürgerbeteiligung, Partizipation und Demokratie gebloggt.

Dazu kommen aber auch noch zeitlich begrenzte Projekte, wie z.B. unser Anfang des Jahres durchgeführtes Crowdfunding „Unter 2 Grad? - Das Klima geht uns alle an“. Wir sammelten fast 7.000 Euro und konnten dadurch vielen Bibliotheken in Deutschland ein Freiexemplar des Buches „Unter 2 Grad? Was der Weltklimavertrag wirklich bringt“ schicken.

Was ist EcoCrowd genau? Was unterscheidet EcoCrowd von anderen Crowdfunding Seiten?

EcoCrowd ist die erste nachhaltige Crowdfunding-Plattform auf der nach nun fast zwei Jahren Laufzeit schon über 50 Projekte und Startups erfolgreich Geld sammelten.

Auf unserer Crowdfunding-Plattform EcoCrowd starten nur nachhaltige Projekte. Uns ist es wichtig, dass die Projekte einen Mehrwert für die Umwelt schaffen sowie verwendete Ressourcen möglichst umweltbewusst und fair genutzt werden. EcoCrowd greift auf über 30 Jahre Erfahrung der Deutschen Umweltstiftung zurück. Dies ermöglicht es den Initiatoren ihr Projekt im nachhaltigen Umfeld der Stiftung besonders vertrauensstark zu präsentieren und ihre Crowdfunding-Kampagne basierend auf den langjährigen Erfahrungen aus gemeinschaftlich finanzierter Projektarbeit aufzubauen.

Außerdem betreiben wir flexibles Crowdfunding. D.h. bei uns gibt es keine Fundingschwelle, die überschritten werden muss. Bei uns ist jedes Projekt erfolgreich!

Was hat euch dazu motiviert, die Seite zu erstellen?

Immer wieder stellen wir fest, dass vielen Menschen der Schutz unseres Planeten am Herzen liegt. Zahlreiche Menschen haben tolle Ideen, wie wir ein Umweltproblem lösen können — und oft haben sie nicht nur eine Idee, sondern auch den Mut diese umzusetzen. Deswegen erreichen uns häufig Anfragen von Projektinitiatoren, ob wir ihre Projekte finanziell unterstützen können. Leider ist das nicht möglich, da wir ja eine „handelnde“ und keine Förderstiftung sind. Und unser knappes Budget für eigene Projekte benötigen Daraus entwickelte sich der Gedanke, Projektinitiatoren eine Lösung zur Sammlung von Startkapital zu bieten: EcoCrowd.

Welche Projekte werden auf der Plattform unterstützt?

Auf EcoCrowd wurden schon zahlreiche Projekte zu verschiedenen Themen — vom Tierschutz über faire Mode gegen Menschenhandel bis hin zur Umweltbildung — erfolgreich finanziert. Z.B. wurde Ecogon, ein innovatives Naturbildungsspiel, das Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen spielerisch Wissen über unsere Umwelt vermittelt, sehr erfolgreich abgeschlossen. Auch Mingle Africa, ein nachhaltiger Reiseanbieter für Studienreisen nach Afrika, sammelte erstes Startkapital auf unserer Plattform und ekoneo, ein Portal für gemeinnützige Organisationen, überschritt sogar sein Fundingziel.

Was für Tipps gebt ihr Menschen, die Crowdfunding machen wollen?

Häufig machen wir die Erfahrung, dass sich viele Projektinitiatoren von angeblichen Userzahlen der Crowdfunding-Plattformen „blenden“ lassen. Dabei haben diese bei den klassischen Plattformen kaum eine Bedeutung. Über 95% der Unterstützer kommen meist aus dem eigenen Umfeld der jeweiligen Projektstarter. Wichtiger ist, dass die Community der Crowdfunding-Plattform inhaltlich „passt“ – nachhaltige Projekte haben es also auf EcoCrowd erheblich leichter als bei den großen Wald-und-Wiese Plattformen. Nicht ohne Grund haben EcoCrowd Projekte eine überdurchschnittliche hohe Erfolgsquote.

Deswegen geben wir euch den Tipp, euch vor dem Start eurer Crowdfunding-Kampagne eine gute Kommunikationsstrategie zu überlegen. Wenn ihr selbst nicht so „kommunikationserfahren“ seid, schaut euch eine erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne an — was haben sie gemacht? Warum war ihre Kampagne erfolgreich?

Wichtig ist, dass ihr eure Zielgruppe kennt und wisst, wie ihr sie emotional treffen könnt. Ihr müsst sie für euer Thema sensibilisieren und ihnen deutlich machen, dass wir alle als Gemeinschaft Großes erreichen können. Die Crowd zählt!