ursprünglich erschienen: 24.06.2016

Tagtäglich kämpfen wir gegen unsere Vorurteile. Wir werden in eine Kategorie gezwängt, aus der es uns schlichtweg unmöglich scheint, jemals wieder herauszukommen. Vorallem die Chancengleichheit am Arbeitsplatz wird ständig und heiss debattiert. Allerdings entstehen Stereotypen schon in unseren heiss geliebten Kinderschuhen. Deshalb ist es umso wichtiger, sie zu bekämpfen und aktiv gegen die Vorstellungen der Masse vorzugehen.

Blau für Ben und Lila für Lilli. Mädchen können keine Mathe und Judo ist nur was für Jungs. Stereotypen und Vorurteile sind hartnäckig. So hartnäckig, dass sie unsere Selbstwahrnehmung und Entscheidungen beeinflussen.

Früh erlernte und verinnerlichte Stereotypen haben langfristige Folgen. Im Kindesalter können Mädchen keine Bandenführer sein, später sind Frauen keine Teamleader. 

Um letzteren entgegen zu wirken, gilt seit dem 1. März 2015 die Frauenquote, die Frauen an die Teamleaderpositionen bringen sollte. Mädchen zu Bandenführern machen, das kann sie nicht. Der Kulturwandel in den Unternehmen, von dem Manuela Schwesig spricht, ist wichtig. Doch Chancengleichheit  beginnt schon in der Schule, nicht erst am Arbeitsplatz.

STEREOTYPEN VERSTEHEN

Unsere Umwelt beeinflusst unser Denken und Handeln. Wenn das Umfeld, in dem wir uns bewegen, Stereotypen propagiert, nehmen wir sie an.

Die weltweite Kampagne #Like A Girl macht darauf in einem Videoclip aufmerksam. 

Kleine Kinder laufen, kämpfen und werfen einen Ball wie sie wollen, ganz gleich ob Mädchen oder Junge. Große Kinder und Teenager laufen affektiert, kämpfen ohne Kraft und werfen den Ball erst gar nicht, sie lassen ihn fallen, wenn sie sich wie ein Mädchen verhalten sollen. Der Altersunterschied zeigt, dass Stereotypen völliger Unsinn sind - schnell zu laufen, zu kämpfen und einen Ball zu werfen, hat nichts mit dem Geschlecht zu tun.

Der Altersunterschied zeigt allerdings auch, dass bestehende Stereotypen verinnerlicht werden.  Was das Umfeld lehrt, wird gelernt. Erwartungen von außen haben einen wesentlichen Einfluss auf das Selbstbewusstsein. Dass Mädchen, Stereotypen zufolge, schwach und inkompetent seien, fördert ganz gewiss nicht ihr Selbstvertrauen.  

Was man als Kind hört, hält an. Eine Studie zeigt, dass die Mathenoten jener Schulkinder deutlich besser wurden, denen man erklärte, dass das Gehirn wie ein Muskel sei, den man trainieren könne.  Die Noten der anderen Gruppe, die man in dem Glauben ließ, dass Mathenoten mit Genen zu tun hätten und daran nichts zu ändern wäre, blieben auf ihren schlechten Ergebnissen sitzen.

Schlechte Mathenoten sind keine Erblast. Was, wenn diese Lektion auf Geschlechtergleichheit im Grundschulalter angewendet würde? Was, wenn Blau und Lila, Judo und Ballett, Mathe und Musik, einfach nur Farben, Sport und Schulfächer wären?

STEREOTYPEN VERWERFEN

Mädchen sind Bandenführer

Weg von rosa Glitzerröcken zu Kleidern mit Robotermustern. Dass sich Mädchen nicht nur für Prinzessinnen interessieren zeigt eine Kleidermarke, die sowohl Blumen als auch Matheformeln, Piratenschiffe und Rennautos auf die Kleider druckt.

In Schweden ist geschlechterneutrale Werbung bereits Gang und Gebe, in Spielzeugkatalogen föhnen Jungs im Frisörsalon und Mädchen hammern am Handwerkertisch.

Die Kinderwelt ist kunterbunt, nicht zweifarbig. Chancengleichheit beginnt, wenn kein Kind durch vorgegebene und voreingenommen Denkweisen in ihrer oder seiner Entwicklung eingeschränkt wird. Interessen sollen gefördert und nicht aufgehalten werden, sodass sie zu Leidenschaften und Talenten wachsen können. 

Frauen sind Teamleader

Women Empowerment wird groß geschrieben, auf globaler Ebene, auf EU-Ebene   und auch auf nationaler Ebene.

Ein aktuelles Beispiel: Derzeit findet in Berlin das Young Women Leadership Programme der SYNK Business School statt, eine intensive Ausbildung, bei der 26 (angehende) weibliche Nachwuchsführungskräfte ihre Leadership-Fähigkeiten ausbauen und weiterentwickeln. Den Stipendiatinnen wird sowohl praktisches, als auch theoretisches Wissen vermittelt und eine Möglichkeit zum Austausch und zur Vernetzung über Unternehmensgrenzen hinweg geboten. Das Young Women Leadership Programme motiviert und bestärkt Frauen in ihrer Karriere und ist ein bedeutender, gesellschaftlicher Beitrag der SYNK Business School zur globalen Entwicklung und Förderung des Potentials von Frauen.  

STEREOTPYEN VERGANGENHEIT WERDEN LASSEN

Die passive Lösung: wir lassen unser Umfeld weiterhin unser Denken und Handeln beeinflussen.

Die aktive Lösung: wir lassen unser Denken und Handeln unser Umfeld beeinflussen.

Eigene Verhaltensweisen können Stereotypen entweder untermauern oder ihnen den Zement entziehen. Wenn das eigene Handeln Stereotypen widerlegt, kann es zur Motivation werden und Andere inspirieren und ermutigen, ebenfalls Entscheidungen entgegen der vorgegebenen Erwartungen zu treffen. So kann jeder Einzelne ein Vorbild werden und dabei helfen, nach und nach ein Umfeld zu schaffen, in welchem Chancengleichheit eine Selbstverständlichkeit ist.

Über die Autorin

Ariane Vera schreibt als freischaffende Journalistin über Women Empowerment und Entrepreneurship.  Sie studierte Englische Literatur und Internationale Beziehungen an der Universität Tübingen, dem Trinity College in Dublin und an der University of Aberdeen, an der sie im nächsten Jahr graduiert.  Bis dahin schreibt, sing und schwimmt sie weiterhin neben dem Studium in der sonnigsten Stadt Schottlands.