CAALA will, dass das Bauen nachhaltiger wird. Hierfür haben sie eine Software entwickelt, die Feedback in Echtzeit gibt. Wir haben den Gründer Philipp dazu befragt, wie das funktioniert und welche Ziele er mit seinen Co-Gründern verfolgt.

Was ist CAALA und welche Mission verfolgt ihr?

CAALA ist ein Münchner Startup, das die Mission verfolgt die Bauindustrie nachhaltiger zu gestalten. Dafür geben wir Planern digitale Werkzeuge an die Hand. Ziel ist es, Planern und vor allem Architekten die Möglichkeit zu geben, Aspekte der Nachhaltigkeit mit minimalem Aufwand und ohne nötiges Expertenwissen im Entwurf zu berücksichtigen. Dazu haben wir eine cloudbasierte Software zur energetischen Vordimensionierung und parametrischen Lebenszyklusanalyse entwickelt. Damit können wir Architekten Feedback in Echtzeit zu Energiebedarf, Ökobilanz und der Einhaltung von Richtlinien (EnEV, EEWärmeG, KfW) liefern. Planer erhalten so neben mehr Planungssicherheit die Möglichkeit Gebäudeentwürfe ganzheitlich zu optimieren. Damit wird es möglich das gigantische Potential der Branche zur Senkung von Treibhausgasemissionen auszuschöpfen.

Ihr seid ein Team aus vier Gründern. Wie ist der Gründungsgedanke entstanden und wie habt ihr euch als Team gefunden?

CAALA baut auf einer Methode auf, die in der Doktorarbeit meines Bruders Alexander entstanden ist. Alexander hat erkannt, dass die Lebenszyklusanalyse, auch Ökobilanz genannt, heute, wenn überhaupt, erst zu spät im Planungsprozess eingebunden wird. Daher hat er die Methode der parametrischen Lebenszyklusanalyse entwickelt, die es ermöglicht die Ökobilanz in den Entwurfsprozess einzubinden. Damit ist es möglich den Einfluss aller Parameter wie bspw. Geometrie, Materialien und Ausrichtung auf die energetische und ökologische Performanz des Gebäudes zu bewerten. Dabei werden alle Lebensphasen des Gebäudes von der Herstellung der Materialien über den Betrieb des Gebäudes bis hin zum Rückbau und Recycling berücksichtigt. Erst dadurch werden die Energie und die Emissionen aus der Herstellung von Materialien ausreichend berücksichtigt.

Da eine Methode nur einen realen Nutzen stiftet, wenn sie in einem Werkzeug Anwendung findet, hat sich ein Team an Ingenieuren, Energieberatern, Architekten und Entwicklern zusammengefunden, um solch ein Werkzeug zu entwickeln. Darunter sind unter anderem ehemalige Kollegen meines Bruders von der Bauhaus-Universität Weimar. Zu den Gründern gehören neben meinem Bruder und mir, Sebastian, der mit Alexander zusammen an der TU München studiert hat und Milen, der mehr als 15 Jahre Softwareentwicklungserfahrung einbringt. Persönliche Kontakte und starke Netzwerke wie das der unternehmerTUM haben es möglich gemacht dieses einmalige Team zusammenzubringen.

Weshalb seht ihr gerade in der Architektur und im Bau Handlungsbedarf im Nachhaltigkeitsbereich?

Die Bauindustrie ist die größte Industrie der Welt und verantwortlich für ca. 40% der europäischen Treibhausgasemissionen. Architekten planen heute Gebäude, die wir über die nächsten 50 Jahre nutzen werden und beeinflussen mit ihrer Auswahl an Geometrie, Materialität und technischer Gebäudeausrüstung den ökologischen Fußabdruck dieser Gebäude. Daraus leitet sich einerseits eine enorme Verantwortung ab, die heute im Planungsprozess auf Grund fehlenden Wissens, fehlender Erfahrung und ungeeigneter Tools nicht ausreichend wahrgenommen wird. Andererseits bietet der Bausektor damit ein großes Potential effizient die Ursachen des Klimawandels zu bekämpfen. Mit CAALA arbeiten wir daran Planer dabei zu unterstützen dieses Potential zu nutzen und gleichzeitig hochwertige Architektur zu realisieren. Gebäude müssen schon heute energetische Richtlinien erfüllen, die stetig strikter werden. CAALA unterstützt Planer dabei schon im Entwurf sicherzustellen, dass diese Richtlinien eingehalten werden und sich architektonische Träume realisieren lassen.

Wie Studien gezeigt haben, lässt sich mit der Methode der parametrischen Lebenszyklusanalyse ohne großen Mehraufwand auf Seiten der Planer 40% der Treibhausgasemissionen über den gesamten Lebenszyklus einsparen. Übertragen auf den Deutschen Bausektor entspricht dies den Emissionen von mehr als 45 Millionen PKWs in Deutschland. Die Baubranche hat neben dem Nachhaltigkeitspotential auch ein riesiges Digitalisierungspotential. Wir sehen daher die Möglichkeit digitale Werkzeuge als starken Hebel zur Steigerung der Nachhaltigkeit einzusetzen.

Die Erstellung einer Ökobilanz erfordert eine Menge Daten, um wirklich die Realität abbilden zu können. Wie beschwerlich war euer Weg zur Entwicklung der Software?

Ehrlich gesagt haben wir den Aufwand unterschätzt, der notwendig ist, um eine wissenschaftliche Methode und erste Prototypen in eine marktreife Software zu verwandeln. Die Vorarbeit meines Bruders hat uns sicherlich mehrere Jahre Entwicklungsaufwand erspart, doch auch so haben wir noch viel vor uns. Die letzten zwei Jahre haben wir uns darauf konzentriert CAALA als Software zur energetischen Vordimensionierung und parametrischen Lebenszyklusanalyse zu entwickeln. Die ökologische Nachhaltigkeit ist aber natürlich nur ein Teil der Realität. Daher arbeiten wir daran auch die ökonomische Nachhaltigkeit abzubilden, indem wir CAALA um die Lebenszykluskosten-berechnung erweitern. Auch in Bezug auf die Ökobilanz gibt es stetigen Entwicklungsbedarf. Zum einen muss die Datenverfügbarkeit weiter ausgebaut werden, dies liegt jedoch leider nicht in unserer Hand. Zum anderen gibt es weitere Einflussfaktoren, die wir abbilden möchten wie bspw. die Verschattung durch umliegende Gebäuden.

Bei der Betrachtung der Ökologie seid ihr definitiv Vorreiter. Wie steht es bei euch um die soziale Nachhaltigkeit? Legt ihr da intern auch einen Wert drauf?

Wir werden angetrieben von der Vision den ökologischen Fußabdruck der Bauindustrie zu senken und damit die Lebensgrundlage unserer und zukünftiger Generationen zu schützen. Ich denke, dass es nicht möglich ist, die ökologische Nachhaltigkeit isoliert zu betrachten. Die ökologische, die ökonomische und die soziale Nachhaltigkeit greifen immer ineinander und beeinflussen sich gegenseitig. So weisen Gebäude die hinsichtlich der Ökobilanz optimiert wurden meist niedrigere Lebenszykluskosten auf, da sie effizienter sind und daher über die nächsten Jahrzehnte weniger Betriebskosten verursachen, die im Schnitt 80% der Lebenszykluskosten ausmachen. Das kommt potentiell vor allem Mietern und auch sozial schwächeren Haushalten zu gute. Mit der ökologischen Nachhaltigkeit geht als auch die ökonomische und soziale Nachhaltigkeit einher.

Es gibt auch weitere Aspekte, die wir möglicherweise in Zukunft mitberücksichtigen können. Dazu gehören bspw. lokale Emissionen wie Ausdünstungen aus Bodenbelägen oder Schallschutz, die eine direkte Auswirkung auf das Wohlbefinden der Bewohner haben. Eine Ökobilanz sorgt auch dafür, dass eher lokale Materialien eingesetzt werden, da diese weniger transportiert werden müssen und daher einen geringen C02-Fußabdruck aufweisen. Das stärkt natürlich auch lokale Wertschöpfungsketten. Die Optimierung von Gebäudedesigns mittels CAALA hat also auf alle Aspekte der Nachhaltigkeit eine positive Auswirkung.

Wie verbreitet ist euer Angebot? Wird bald jedes Gebäude mit CAALA konzipiert?

Wir arbeiten daran! Unser Ziel ist es natürlich CAALA flächendeckend zu verbreiten. CAALA ist kein Werkzeug für eine Handvoll Spezialisten, sondern kann von jedem, der mehr als 100.000 Architekten in Deutschland, eingesetzt werden. Mit kostenlosen Webinaren, Online-Erklärvideos und einer frei zugänglichen Knowledge Base ist es jedem möglich CAALA innerhalb weniger Stunden in Projekten einzusetzen. Wir arbeiten zudem mit der DGNB (Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen) als auch mit Hochschulen deutschlandweit zusammen, um Studenten kostenlosen Zugang zu CAALA zu ermöglichen. Unser Ziel ist es, dass Nachhaltiges Bauen zur Norm wird. Das schaffen wir nur, wenn der Zugang zu Werkzeugen wie CAALA für die breite Masse gegeben ist.

Wo siehst du dich in 5 Jahren? Und wo siehst du die CAALA GmbH?

Ich denke in 5 Jahren werden wir es geschafft haben, dass Nachhaltiges Bauen nicht mehr als Nische angesehen wird, sondern die Norm ist. Dabei werden natürlich neben CAALA als Software auch verschärfte Richtlinien und Fördermöglichkeiten helfen. Die CAALA GmbH wird sich als der Ansprechpartner und Anbieter von digitale Lösungen und Services für Energie und Nachhaltigkeit im Bausektor etabliert haben.

Persönlich werde ich von dem Ziel angetrieben mittels Innovation die Dekarbonisierung und damit die nachhaltige Entwicklung unserer Gesellschaft voranzutreiben. Daher hoffe ich auch im 5 Jahren noch mit Freude daran arbeiten zu können zusammen mit einem hervorragenden Team und unseren Kunden und Partnern die CAALA Technologien immer weiter zu entwickeln. Auch freue ich mich darauf CAALA in europäische Nachbarländer wie Frankreich, Holland und die Schweiz zu bringen, um einen maximal großen positiven Einfluss auf den Bausektor zu haben.

Finde einen Job,
der die Welt verändert

Der tbd* Ratgeber für Jobs und Studium im Bereich
Non Profit und Nachhaltigkeit

JETZT LESEN