Rechtsberatung für Geflüchtete

Die Refugee Law Clinic in Leipzig bietet ehrenamtliche Rechtsberatung.

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by Sascha Knoch, April 11, 2017
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ursprünglich erschienen: 11.04.2016

Wie wir alle wissen, ist Asylrecht momentan ein heiß diskutiertes Thema. Gerade die Menschen, um die es in den Diskussionen geht, brauchen Zugang zu einer soliden Rechtsberatung. Law Clinics möchte das ermöglichen und hilft nun auch bedürftigen Geflüchteten in Deutschland. Wir haben mit den Machern, der Refugee Law Clinic Leipzig gesprochen. Dabei wird ganz klar: Rechtsberatung für Geflüchtete ist und bleibt ein Engagement aus Überzeugung.

Das Konzept der Law Clinics bestand schon vor Eurer Initiative. Was bedeutet es und was macht Eure 'Refugee Law Clinic' so besonders?

Das Konzept der Law Clinics oder auch Legal Clinics kommt aus dem anglosächsischem Raum und richtet sich mit seinem kostenlosen Rechtsberatungsangebot an bedürftige Menschen, insbesondere durch soziale Organisationen oder Anwaltskanzleien. Von diesem ursprünglichen Konzept grenzt sich unsere Refugee Law Clinic in zweierlei Hinsicht ab: Zum einen richtet sie sich mit ihrem Beratungsangebot gezielt an Geflüchtete und Asylsuchende. Zum anderen wird die Rechtsberatung von Studierenden verschiedener Fachrichtungen mehr oder weniger unabhängig von der Hochschule vorbereitet und durchgeführt.

Die Refugee Law Clinic Leipzig gibt es nun seit Frühjahr 2014. Wo steht Ihr momentan und wo wollt Ihr noch hin?

Seit unserer Gründung im April 2014 hat sich viel getan. Ursprünglich als temporäres Hilfsnetz gedacht, um Geflüchteten den Zugang zu kostenloser Rechtsberatung zu ermöglichen, ist unsere Law Clinic heute ein etablierter Verein mit eigenem Ausbildungsprogramm für unsere Berater*innen, festen Beratungszeiten und einer Menge öffentlichkeitswirksamer Projekte, die sich für die Rechte von Geflüchteten stark machen.

Für das kommende Jahr arbeitet unsere 'Arbeitsgemeinschaft Finanzen' auf ein tragendes Finanzierungskonzept hin, dass es uns langfristig ermöglicht einzelne bezahlte Stellen zu schaffen und so die ehrenamtliche Rechtsberatung auch zukünftig in das Unterstützungsnetzwerk für Geflüchtete etablieren zu können. Weiterhin geplant ist eine separate Ausbildung für unsere Sprachmittler, ohne deren Einsatz unsere Beratung nicht möglich wäre.

Ihr bietet auch ein Ausbildungsprogramm an. Was beinhaltet die Ausbildung und wer kann daran teilnehmen?

Unsere bisherigen Ausbildungsläufe basierten auf einem dualen Konzept von Vorlesungen und vertiefenden Fallbesprechungen und Beratungssimulationen.  Daneben hospitieren unsere Berater in spe in anderen Beratungseinrichtungen, um einen möglichst sanften Übergang von der Theorie in die Praxis ermöglichen zu können. Darüber hinaus bieten wir regelmäßig für alle Auszubildenden und bereits beratende Personen Vertiefungsveranstaltungen – und Vorträge an, zuletzt Ende November 2015 zum den Problematiken der Dublin –III – Verordnung.

Unsere Ausbildung steht grundsätzlich allen Studierenden und Engagierten offen. Aufgrund der limitierten Teilnehmer*innenanzahl steht einer Teilnahme ein kurzes anonymisiertes Bewerbungsverfahren voran. Dieses soll uns helfen neue Berater*innen auszubilden, die langfristig motiviert sind unseren Verein in seiner Arbeit zu unterstützen.

Welche wichtigen Erfahrungen bzw. Learnings habt Ihr in Eurer fast zweijährigen Tätigkeit bereits mitgenommen?

In unserer Anfangsphase mussten wir trotz des Wunsches nach flachen Hierarchien und basisdemokratischen Entscheidungen lernen, dass zu einer ehrenamtlichen Rechtsberatung auch eine strukturierte interne Vereinsarbeit gehört. Vor allem die Unterteilung unserer Vereinsarbeit in verschiedene Arbeitsgemeinschaften hat uns effizienter und transparenter gemacht.

Zudem sind wir für 2016 dabei unser Ausbildungskonzept zu überarbeiten. Wir möchten interaktiver und didaktisch facettenreicher werden. Dabei soll uns auch eine feste, entlohnte Stelle im Bereich Ausbildung/Vereinsorganisation helfen. Zur Realisierung dieser neuen Projekte erhalten wir Unterstützung aus unserem Stipendiaten – Programm Ankommer.Perspektive Deutschland.

Vermutlich gibt es bei Eurer Arbeit einige prägende Begegnungen und Geschichten. Welche davon waren besonders prägend für Eure Arbeit?

In unserer Stellung als Rechtsberatende hören wir viele Geschichten über Flucht und ihre Ursachen, über das persönliche Leid der Ratsuchenden und über ihre jetzigen Situationen voller Ungewissheit und Abschiebungs-Angst. Umso mehr sind wir von der Stärke und Willenskraft beeindruckt, mit welcher viele der Ratsuchenden uns in der Beratung gegenüber sitzen. Wir werden als Rechtsberater, nicht als Therapeuten wahrgenommen, auch wenn viele unserer ‚Mandanten’ ihr Angehörigen und ihre Heimat verloren haben. Diese Willensstärke und der einhellige Wunsch, anzukommen und in Deutschland eine neue Heimat zu finden, motiviert uns unsere Arbeit weiterzuführen und uns über die Rechtsberatung hinaus für die Belange und Bedürfnisse von Geflüchteten einzusetzen.

Was macht Euch zu Changern?

Als studentische Initiative von vier Jura Studenten gegründet, haben wir uns innerhalb von zwei Jahren zu einem etablierten Verein mit 20 – 30 aktiven internen Vereins - Mitgliedern und einer stetig anwachsenden Zahl von Berater*innen entwickelt.

Durch unser Stipendium Ankommer.Perspektive Deutschland der Kfw-Stiftung in Kooperation mit dem Social Impact Lab Leipzig erweitern wir unser Ausbildungs- und Beratungsangebot und erhalten Unterstützung in der Ausarbeitung von Finanzierungsstrategien. Langfristig möchten wir damit einen Institutionalisierungsprozess anstoßen: Statt staatliche Aufgaben in ehrenamtliche Vereine auszulagern, entwickeln wir aus dem Ehrenamt heraus feste entlohnte Stellen, die staatlich Aufgaben wahrnehmen und hierfür auch staatlich gefördert werden. So bewahren wir uns unsere Unabhängigkeit - wir entscheiden auch weiterhin selbst darüber, wie wir unserer Berater*innen ausbilden und welche Kooperationen wir eingehen – und stellen uns dennoch gegen eine Ausbeutung des Engagements für Geflüchtete.