ursprünglich erschienen: 13.09.2016

Urban Gardening ist ein Schlagwort, das man in der Hauptstadt seit den letzten Jahren immer öfter zu hören bekommt. Und wo wäre eine solch innovativ-grünstiftende Idee, wie urbanes Gärtnern sonst auch aufgehoben, wenn nicht in der grünsten Multikulti-Hauptstadt Berlin? Robert Shaw zählt zu Deutschlands Pionieren in Urban Gardening und hat die Prinzessinnengärten in Berlin Kreuzberg mitgegründet. Mehr von seiner Mission mit Urban Gardening die Städte dieser Welt neu ergrünen zu lassen verrät uns Robert in diesem Interview.

 

Robert Shaw, zusammen mit deinem Gärtnerteam hast Du schon zahlreiche Stadt- und Firmengärten in der ganzen Republik angelegt. Wer zählt hier zu Deinen Kunden? 

Das sind Werbeagenturen, Wohnungsbaugesellschaften, Schulen, Kitas, kulturelle Einrichtungen und Galerien von München bis Hamburg. 

Wie teuer ist so ein Garten? 

Die Preise sind sehr variabel. Es kommt darauf an, wo die zu begrünende Fläche liegt, ob die Erde mit dem Lkw oder von Hand mit Schubkarren oder Eimern angeliefert wird, und ob die Mitarbeiter der Firma selber mit anpacken. Die Materialkosten pro Quadratmeter Beet liegen bei etwa 100 Euro. 

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In Urban Gardening-Projekten wird Gemüse in Töpfen, Säcken oder Kisten angepflanzt – warum gräbt man nicht den vorhandenen Boden um oder schüttet Mutterboden auf? 

Es gibt in der Stadt nur sehr wenig unversiegelten Grund. Die wenigen vorhandenen Flächen sind oft mit Schwermetallen belastet, solche Böden sind zum Gärtnern nicht geeignet. Der Komplettaustausch der gesamten Erde wäre extrem kostspielig. Wir verwenden alte Säcke und Kisten, weil die Gedanken von Recycling und Nachhaltigkeit Teil unseres Konzeptes sind.

Ein weiterer Vorteil der Hochbeete ist, dass die Kästen leicht versetzt werden können und die Fläche – etwa bei einer Betriebsfeier oder einem Firmenevent – noch anderweitig genutzt werden kann.

Wie wird so ein Hochbeet angelegt? Wir stellen zwei Kisten oder Holzrahmen übereinander. In den unteren Teil der Kästen wird organischer Müll eingefüllt: erst Strauchschnitt, dann Garten- und Küchenabfälle wie Kaffeefilter und Teebeutel. Oben drauf kommt eine 20 bis 30 Zentimeter dicke Schicht aus Gartenerde. Die Mikroorganismen zersetzen den Kompost, der seine Nährstoffe als Dünger an das Gemüse abgibt.

Nach vier bis fünf Jahren ist der gesamte organische Müll verrottet und zu feiner Erde geworden. 

Gibt es eine Mindestgröße für einen Firmengarten? 

Damit der Garten wirken kann, sollte man mindestens zehn Quadratmeter zur Verfügung haben. Doch egal wie groß oder klein das Areal ist, wichtig ist, dass auch die Geschäftsführung das Projekt aktiv unterstützt. Sinnvoll ist es, jedem Mitarbeiter eine symbolische Stundenzahl zum Gärtnern zur Verfügung zu stellen. Niemand engagiert sich, wenn er Sorge haben muss, dass die Kollegen über ihn lästern, wenn er im Garten Unkraut zupft, statt eifrig an seinem Schreibtisch zu sitzen.

Gibt es Pflanzen, die besonders robust und somit für Gartenneulinge zu empfehlen sind? 

Pfefferminze gedeiht eigentlich immer. Aber das ist aus unserer Sicht der falsche Ansatz. Man muss bereit sein, den Garten zu pflegen und Zeit zu investieren. Wer keine Lust hat, sich mit dem Thema auseinander zu setzen, der sollte lieber Geranien pflanzen.

Alle Fotos © Prinzessinnengarten