Yasmine Orth hat 2015 THE LOVERS, eine Organisation und Community für bewusstes Leben mit Agentur, Academy, Space, und gemeinnützigem Verein gegründet. Die Aktivierung der weiblichen Kraft, die Beschäftigung mit Leadership, sozialer Nachhaltigkeit, Transformation und Yoga spielen für die Tochter eines Inders dabei eine große Rolle. Im Interview erzählt sie uns, was es mit The Lovers auf sich hat und erklärt, was Empowerment, Mindfulness und Aktivismus miteinander zu tun haben.

Yasmine, du bist alleinige Gründerin und One Woman Show hinter The Lovers, formerly known as “Goerlzclub”. Was hat es damit auf sich?

Eine One Woman Show ist es schon länger nicht mehr. Auch, wenn bei mir alle Fäden zusammenlaufen und ich die Hauptverantwortung trage, inhaltlich wie wirtschaftlich, so arbeite ich doch in Projekt-Teams, mit vielen “Lovers”. Das sind vor allem Yogalehrerin Annette Söhnlein, Businesscoach Jessica Calaminus, Meditationslehrerin Julez Allen, Moderatorin Andrea Thilo und meine Projektmanagerin Annekathrin Otto.
So war auch immer meine Vision. Von dem “Ich” ins “mehr-Wir” zu kommen. Das ist auch eine stark persönliche Reise, die nicht immer einfach war/ist. Vom Individuum in die Community, von der Community in die Gesellschaft. Die Personen, mit denen ich eng arbeite, teilen die gleiche Vision, nur haben wir unterschiedliche Werkzeuge und so ergänzen wir uns in der Ganzheitlichkeit.

Angefangen hat das Ganze schon vor einigen Jahren. Wie kam es dazu?

THE LOVERS habe ich 2015 gegründet, eine Organisation und Community für bewusstes Leben mit den heutigen Bereichen Agentur, Academy, Space, Shop und gemeinnützigem Verein.
The Lovers bringt eigentlich alles zusammen, was ich all die Jahre vorher unter verschiedenen Namen gemacht habe: Das Frauennetzwerk “Goerlzclub” (2004-2014), die Agentur “Creative Connectors” (2008-2012) bei der ich mit Marken gearbeitet habe, den Coworking Space “Chateau Fou” (2009-2014), der Freelancern eine Struktur geben wollte und all die Events/Salons sowieso. Die Vision, die Themen und die Struktur sind durch THE LOVERS nur klarer geworden, je tiefer ich in die Thematiken eingestiegen bin: Mehr Bewusstsein, Balance und Gerechtigkeit in die Welt zu tragen.
Daher gibt es bei meiner Arbeit mit THE LOVERS aktuell drei wichtige Stränge, um die Dysbalance unserer Gesellschaft und unseres Planeten wieder ins Gleichgewicht zu bringen:

  1. Die Bildung und Stärkung von Frauen (Empowerment & Leadership) und des “femininen Prinzips” in allen Menschen – für mehr Menschlichkeit.
  2. Mindfulness durch Yoga, Meditation und Coaching für innere Prozesse, Resilienz und Selbstwirksamkeit im Außen, denn Veränderung fängt nur bei uns selbst an und wird in Zeiten des digitalen Wandels und der extremen globalen Herausforderungen immer relevanter. Und
  3. Aktivismus: Wir fördern Mut und stärken die Gestaltungs- und Umsetzungsfähigkeit des eigenen Potentials innerhalb unserer Gesellschaft, um zusammen (Co-Creation) etwas Sinnvolles im Sinne Aller für Alle zu erschaffen (Nachhaltigkeit).

Was ist nun 2019 anders als damals?

Berlin war vor vielen Jahren anders, ich kam 2004 mit 26 nach Berlin, hatte meine eigene Booking-Agentur, war fest verankert in der Subkultur der elektronischen Musik- und Gastroszene und international unterwegs. Alles war viel hedonistischer. Die digitale Vernetzung war ja noch gar nicht da. Direktes Netzwerken und Unterwegssein waren meine große Stärke. Und beobachten. Ich konnte viele Bewegungen und Trends erkennen. Ich war mit vielen Themen immer sehr früh unterwegs. Irgendwie war diese Spürnase immer da. Das Denken in Lösungen, wenn ich ein Problem erkannt habe. Einen Weg aus der Krise.

Und sicher haben meine persönlichen und familiären Herausforderungen eine große Rolle gespielt, warum ich so tief eingetaucht bin in die Themen, die ich heute bediene: Liebe, Bewusstsein, Gemeinschaft und Aktivismus.

Es haben sich eigentlich genau die Dinge, die ich konstant zu meiner beruflichen Mission gemacht habe, auch später genau so als Mainstream etabliert: z.B. Die Relevanz von Netzwerken und Communities, Coworking-Spaces um neuen Strukturen des miteinander Arbeitens zu schaffen, die Stärkung von Frauen, Vereinbarkeit von Familie und Leadership, eine neue Form von urbaner Spiritualität, Mindfulness (durch Yoga, Mediation und Coaching) und natürlich der generelle Aktivismus und Sinn für mehr Bewusstsein und Nachhaltigkeit in einer Welt, die sich immer mehr selbst zerstört. Viele Menschen verstehen nun die Komplexität und erkennen mehr und mehr, wie alles zusammenhängt, und dass wir bei uns selbst anfangen müssen, um zu einer liebevolleren Welt beizutragen. Berlin hat sicher viele Parallelwelten wie überall und schwankt zwischen Destruktion und Konstruktion, zwischen Ego und Miteinander, zwischen Konkurrenz und Kollaboration. Am Ende geht es um Balance. Alles gehört zu uns. Und 2019 trägt das Potential in sich noch weiter dies zu intergrieren und gemeinsam zu handeln.

Was hat Spiritualität mit Business zu tun?

Spiritualität hat mit Allem was zu tun, das schließt das Business natürlich mit ein. Es ist Bewusstsein darüber, dass Alles mit Allem verbunden ist. Nichts hat keinen Wert oder keine “Seele”. Aber alles hat den Wert, den wir der Sache geben und was wir darin sehen. Eine Lehrerin von mir meinte mal “Religion ist Glaube, Spiritualität ist Erfahrung”. Für mich heißt das, wir projizieren genau das in jeden Bereich unseres Lebens (Familie, Beziehungen, Freunde und natürlich Business), was wir bisher in unserem Leben darüber erfahren haben.

Geld ist das beste Beispiel. Wie haben wir in unserem Elternhaus gelernt, welchen Wert oder Status Geld hatte? War es dreckig, unser Freund, in Fülle da oder sind wir im Mangel, in Schulden aufgewachsen? Sind wir nur mit Geld glücklich? Mit welcher Energie “belegen” wir es? Und wie gehen wir heute damit um? Kreieren wir das gleiche Verhältnis oder Gefühl dazu heute? Oder werden wir uns bewusst darüber, verändern unsere Glaubenssätze und machen neue Erfahrungen.

Und wenn wir von Spiritualität sprechen, sprechen wir auch von Energie. Von Resonanzen. Von Ausstrahlung. D.h. Alles was ich ausstrahle, geht in Resonanz mit anderen Resonanzen. Positiv wie negativ. Zieht sich an oder stößt sich ab. Wenn wir also bestimmte Dinge in unserem Leben etablieren möchten, ist es wichtig genau hinzuschauen, so “Störfelder” liegen, was tut uns gut, was nicht. Wo reagier ich mit Unverträglichkeiten? Das gilt nicht nur für´s Essen, sondern für das Privatleben und wie fürs Business. 

Bei den Salons gibst Du großartigen Frauen eine Bühne. Welche Salons und Frauen sind Dir besonders in Erinnerung geblieben? Welche Frauen möchtest Du noch dafür gewinnen?

Wir etablieren gerade die Urban Experience #2 - The Future is Human, die am 18.01.2019 stattfindet, bei der es um die Stärkung von Menschlichkeit und Beziehungsfähigkeit vor allem im beruflichen Kontext (nicht nur privat) generell geht. Wir öffnen uns hier vermehrt für Männer, um diese Augenhöhe zu schaffen und Parallelwelten abzubauen. D.h. Die Bühne von und für Männer öffnen wir nun auch in bestimmten Formaten.

Wenn wir von unseren Salon Mondaines oder auch den Retreats sprechen, dann ist es sehr schwer besondere Salons oder Frauen rauszupicken. Jeder Salon, jedes Retreat ist komplett anders von seiner Energie, Location und Ausrichtung. Ich gehe vorab tief in die Themen rein, konzeptionell wie energetisch und es hat sich im Laufe der Jahre komplett gezeigt, dass wir Co-Creation-Spaces schaffen, die genau durch die unterschiedliche Auswahl der verschiedenen Frauen, durch die Vielfalt und Multidimensionalität des Themas seine ganze Kraft entfaltet und somit nachhaltigen Impact für uns alle in sich trägt. Gerade die Kombination von allen “Zutaten” holt das wundervollste Potential aus allen heraus, auch dem Publikum, und jede der Frauen zeigt einen Anteil in uns, den wir alle kennen. Und vor allem ist es voller Wohlwollen, Liebe und Support. Ich glaube, das ist es auch, was doch viele von uns manchmal nicht kennen. Frieden. Der “innere Nörgler” in uns findet das manchmal etwas langweilig - aber sich genau dessen bewußt zu werden, bringt ein Stück mehr Frieden.

Sicherlich war zuletzt der Salon Mondaine #23 “Courage” in Berlin am 05.10.2018 sehr besonders, als “zufällig” genau an dem Morgen der Friedensnobelpreis an Nadja Murad bekannt gegeben wurde, an dessen Abend wir Düzen Tekkal auf der Bühne hatten, die zu verantworten hatte, dass Nadja Murad damals nach ihrer Gefangenschaft angefangen hatte, darüber zu sprechen und dann nach Deutschland kommen konnte. Das war wie ein Ritterinnen-Schlag für unsere Friedensarbeit und das haben wir an dem Abend groß gefeiert. Diana Kinnert, die sicherlich auch ein riesen Highlight als Speakerin war und bei unserem nächsten “Lead with Love”- Retreat als Gast-Coach dabei sein wird, hat eine kleine Lobrede gehalten.

Welche Frau ich gerne auf der Bühne hätte? z.B. Dunya Hajali. 

Bei Deinen Retreats kommt einiges zusammen: "Yoga, Meditation, Coaching, Conscious Dance, gesundes Essen”. Für wen sind sie geeignet?

Die “Lead with Love” - Retreats sind nur für Frauen und ein Brückenschlag zwischen Female Empowerment und Leadership. Also zwischen persönlicher Entwicklung und beruflicher oder gesellschaftlicher Verantwortung.

Vor allem geht es aber darum, die “feminine Energie” kennenzulernen, Gemeinschaft unter “fremden” Frauen zu kultivieren und sich zu öffnen für eine bewusste Wahrnehmung unseres eigenen Lebens und Körpers.

Es ist für alle Frauen, die sich weiterentwickeln möchten, die in Transformation stecken, die offen sind, Neues auszuprobieren, die Mut suchen und offen sind für Inspiration anderer Frauen.  

Aber für 2019 machen wir auch wieder “Conscious Living & Leadership” Retreats für Frauen und Männer.

Was wünscht Du Dir für Frauen in 2019?

Für Frauen und Männer: Habt den Mut Eurem Herzen zuhören, zu vertrauen, zu folgen und das umzusetzen, was “das” auch immer sein mag. Für eine Gesellschaft, die gerne im Sinne Aller für Alle und in Verantwortung für unsere Kinder und nachfolgende Generationen sinnvolle Entscheidungen trifft.
Und, wenn Ihr Mut braucht oder weitergeben wollt, kommt zu uns!

Die nächsten Events von The Lovers:

Zu Yasmine:

Sie lebt viele Rollen: ist ausgebildete Coachin, gelernte PR- und Kommunikationsexpertin, Netzwerkerin, Beraterin, Mutter und Eventkuratorin und seit 15 Jahren ein Creative und Social Entrepreneur. Sie hat eine große Spürnase für gesellschaftliche Themen und Lösungen, die zukunftsfähig sind und ist dabei eine unermüdliche Mutmacherin und Potentialentfalterin.

Noch bevor es facebook gab, gründete Yasmine in 2004 in Berlin das Frauennetzwerk „Goerlzclub“, welches 2015 in THE LOVERS transformiert wurde und auch die Männer mehr mit ins Boot holen möchte. Seit 2010 existiert der „Salon Mondaine“ (Female Empowerment & Leadership) als realer Treffpunkt für moderne Frauen.  Sie erweiterte ihr Portfolio in 2012 um die ganzheitliche Yoga- und Meditations-Plattform “Urban Libertines“ (Creative & Conscious Journeys), 2016 um die “Lead with Love” – Retreats (Yoga & Coaching) in der Natur und 2018 um die “Urban Experiences”, Tagessymposien für persönliche und berufliche Transformation im digitalen Wandel.

Fotocopyright: hessnatur/Wolfgang Stauber

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