Das Projekt Start-Up Your Future unterstützt Geflüchtete auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit, indem es Gründerpatenschaften vermittelt. Im Interview erzählt uns Ben Bügers, wie das funktioniert, welche Besonderheiten die Projektteilnehmer*innen beachten müssen und warum Käse manchmal zum Erfolg führt.

Welche Mission verfolgt ihr bei Start-Up Your Future?

Bei „Start-Up Your Future“ geht es darum, geflüchtete Menschen bei der Unternehmensgründung in der Pilotregion Berlin-Brandenburg zu unterstützen. Das machen wir mit Hilfe von Gründerpatenschaften, in denen wir ehrenamtlich tätige GründerpatInnen an die Geflüchteten vermitteln. So eröffnen wir den Geflüchteten die unternehmerische Selbstständigkeit als Erwerbsoption und zeigen konkrete Wege zum eigenen Business auf. Auf dem Weg dahin profitieren dabei auch die GründerpatInnen von ihren neuen Erfahrungen und dem Erarbeiten von Businesstrends und -tools. Die Mentorenschaften folgen dabei dem „Hands-on“-Prinzip – Macher sind uns also herzlich willkommen! Gefördert wird „Start-Up Your Future“ dabei vom Bundeswirtschaftsministerium.

Wie geht ihr das an?

Jeder angehende Gründer und jede angehende Gründerin bei uns im Programm bekommt ganz individuell eine/n GründerpatIn zur Seite gestellt. Das Projektteam ist Vermittler und wir stellen Strukturen zur Verfügung, die unsere GründerpatInnen und GründerInnen nutzen können. Die GründerpatInnen sind dabei oft Studierende und Menschen, die ihren Beitrag zur Integration leisten wollen. In Erstgesprächen stellen wir dann fest, wie sich die Leute bei uns einbringen können. Natürlich sind uns auch UnternehmerInnen willkommen, ebenso leitende Angestellte mit Businesserfahrung. Wir im Projektbüro kümmern uns dabei um die gesamte Organisation im Hintergrund, was vor allem bedeutet, beide Parteien zusammenzubringen und die Mentorenschaften anzustoßen. Dabei freuen wir uns natürlich immer über Menschen, die sich bei uns als GründerpatInnen bewerben! Das geht zum Beispiel ganz einfach über unsere Website.

Gerhard Leber

Beslan (rechts) mit seinem Gründerpaten. Mehr zu Beslan und seiner Käseherstellung findet ihr hier.  Foto: Gerhard Leberoto

Begleitet ihr die Geflüchteten bis zur Gründung?

Innerhalb der Mentorenschaft treffen sich GründerpatInnen und Geflüchtete regelmäßig und arbeiten auf die Gründung hin. Dabei hören wir oft, dass bestimmte Themen mit etwas Unterstützung von den Gründerpatinnen schnell zu lösen sind: Die berühmte deutsche Bürokratie ist immer ein Thema; aber auch Unterstützung bei zum Beispiel einer einfachen Machbarkeitsstudie wird oft angefragt. Es besteht natürlich auch die Möglichkeit, angehende GründerInnen bei der genaueren Ausgestaltung ihrer Idee zu unterstützen. Wir sind also auch offen für Menschen, die noch nicht über viel Gründungserfahrung verfügen, sich aber bei Marktanalyse und Ideenspezifizierung ausprobieren möchten. Wir freuen uns dann natürlich, wenn am Ende auch Gründungen entstehen. Wir sehen aber auch den Weg als Ziel und oft genug entstehen auch neue Freundschaften und Netzwerke.

Die Anforderungen der GründerInnen sind sicher sehr individuell. Wie schafft ihr es mit eurem Projekt, darauf einzugehen?

Die Businessideen der angehenden GründerInnen reichen vom Parfumexport über die Käseherstellung bis hin zur App für Smartwatches. Die Personen unterscheiden sich dabei natürlich auch in ihren Vorstellungen und Erfahrungen; immerhin kommen sie aus verschiedenen Ländern und Kulturen. Das müssen wir beachten, wenn wir im Projektbüro das Matching zwischen GründerpatInnen und Geflüchteten starten; dabei geht es darum, für alle Teilnehmenden den passenden Mentee bzw. GründerpatIn zu finden. Wir schauen ganz genau auf die Erwartungen der Menschen. Dazu führen wir im Vorfeld mit allen ein Erstgespräch, in dem wir Informationen zur Geschäftsidee, Branche, Wissensstand etc. abfragen. Diese ganz individuellen Ziele und Vorstellungen können wir dann nutzen, um für den oder die GründerpatInnen und angehenden GründerInnen die jeweils optimale Person zu finden. Besondere Wünsche unserer Teilnehmenden beachten wir dabei natürlich. Wenn jemand zum Beispiel nicht MentorIn im IT-Bereich, sondern lieber in der Foodbranche sein möchte, nutzen wir diese Information für das Matching.

Welche Aufgaben haben die GründerpatInnen?

Gründerpatinnen und -paten sind Wegbereiter und Türöffner: Sie unterstützen bei Businessplan oder der Vertriebsstruktur, stellen Kontakte her oder begleiten beim Meistern von bürokratischen Hürden. Sie haben nicht die Aufgabe, eine Gründung von A bis Z durchzuorganisieren. Wichtig ist, dass alle Teilnehmenden auf Augenhöhe miteinander agieren. Da jedes einzelne Paar aus GründerpatIn und GründerIn individuell gemachted wurde, kann eine wirklich individuelle Betreuung erfolgen. Gründerpatinnen und -paten haben außerdem die Möglichkeit, ihre Erfahrungen im Projekt mit Hilfe von Online-Feedbackbögen und informellen Events zum Projektbüro zu spiegeln. Als Pilotprojekt sind wir natürlich daran interessiert, die Mentorenschaft fortwährend zu verbessern.

Was ist eine Eurer besonderen Projektgeschichten die ihr bisher erlebt habt?

Wir erleben oft spannende und bereichernde Geschichten! Einer unserer Teilnehmer wollte zu Beginn seiner Teilnahme bei „Start-Up Your Future“ zum Beispiel Käse herstellen – und ist bei diesem Vorhaben viele Schritte weitergekommen. Er bezieht jetzt Milch von einem Bauernhof in der Region, hat Geschäftspartner gefunden, stellt Käse her und verkauft ihn. Solche Geschichten mitzuerleben – von der ersten Idee bis zur Umsetzung – ist genial. Das freut uns; auch weil wir sehen, dass unsere Arbeit Früchte trägt.