Guten Morgen, ein neuer Tag hat begonnen! Die große pinke Kaffeetasse mit dem Aufdruck „Hooray for today“ noch eben aus dem Küchenschrank holen, Milch, Zucker, Kaffee verrühren. Das Leben ist so schö…  – „Elisabeth, Du solltest lieber grünen Saft am Morgen trinken und nicht Kaffee!“  „Elisabeth, andere Menschen leben vegan! Andere machen morgens Yoga oder meditieren! Und Du?“ Wer bitte nervt mich da so krass? „Schatzi, ich bin’s. Deine Selbstkritik!“.

Selbstkritik. Wer kennt sie nicht? Ich verbringe an manchen Tagen mehr Zeit mit ihr, als mit meiner Familie! Genau wenn ich gar nicht damit rechne, zischt ihr giftiger Pfeil durch mein Bewusstsein. Bäh! Aber ich bin ja nicht auf den Kopf gefallen – und als gute Coachin, Yogini und Menschin, bin ich mittlerweile außerordentlich darin geübt sie in ihre Schranken zu weisen und ihrem Flüstern nicht mehr zu folgen. Naja, nicht mehr so lange jedenfalls.

Willst Du ein paar kreative Tipps für ein entspanntes Zusammenleben mit dieser unbequemen Mitbewohnerin?

Tipp 1: Gib ihr einen Namen. Ihr oder ihm. Den Selbstkritiker in Deinem Hirn! 

Gedanken sind nicht gleich Gedanken. Manche Deiner Gedanken entspringen Deiner Neugier, Deiner Freude, Deiner Vernunft, Deinem Mitgefühl und manche Gedanken entstehen aus Deiner Angst, Deinen Zweifeln, Deiner Traurigkeit, Deiner Wut. Es sind alles nur Gedanken, aber mit unterschiedlichen Qualitäten und Auswirkungen. Es ist wichtig, dass Du lernst, die Quelle Deiner Gedanken zu erkennen. Kommt dieser innere Kommentar aus meiner Freude oder aus meiner Angst? Sagt die Selbstkritik, dass Du mehr sporteln solltest, die Vernunft oder Deine Freude? Finde heraus, welche Qualität hinter Deinen Gedanken steht. Gib Deiner Selbstkritik einen Namen, wie z.B. „meine wilde Hilde“. Du fühlst aus welcher Qualität Deine Gedanken kommen. Fühlen sie sich eng, frustrierend, nervend, ängstigend, arrogant, schräg, kontrollierend…an? Dann ist die „wilde Hilde“ am Werk oder ihr bester Freund „crazy Horse“, die irrationale Angst vor ungefähr allem. Fühlen sich die Gedanken neutral an, kommen sie aus der Vernunft. Sind sie lebendig, euphorisierend kommen sie wahrscheinlich aus der Begeisterung. Wenn Du lernst diese Stimmen in Dir zu unterscheiden, kannst Du Ordnung in Deinem Kopf schaffen und vor allem kannst Du entscheiden, wie Du Dein inneres Team aufstellen möchtest. Dürfen „crazy horse“ und die „wilde Hilde“ Entscheidungen treffen? Möchtest Du Deine Vernunft mit Deiner Begeisterung verheiraten? Du wirst merken, dass die Selbstkritik ihre Kraft verliert, wenn Du sie sichtbar machst. Und Du wirst Spaß daran haben, herauszufinden, was passiert, wenn Du mehr der Freude folgst, als der Angst.

Tipp 2: Hole die Selbstkritik aus ihrem Versteck hervor! 

Die Selbstkritik ist gefinkelt. Kennst Du das? Du willst ein wunderschönes Foto machen. Von einer vollkommenen Situation. Das Licht ist in diesem Moment einfach fantastisch. Wie der Wind durch die Haare Deiner besten Freundin weht – unglaublich. Ihr Blick! Und dann die spielenden Kinder im Hintergrund. Jetzt schnell das Handy raus, und …. es latscht ein grantiger Kerl mit Einkaufstüten durchs Bild … KLICK. Der grantige Kerl, das ist Deine Selbstkritik. Du sitzt konzentriert an einer Aufgabe…sie läuft durch Deine Gedanken. Du empfängst den Schimmer einer Vision…“huhu, ich bin auch da“. Pack sie am Schlawittchen! Nimm Dir diese Woche ein Notizbuch mit und schreibe Dir über den Tag verteilt auf, was Deine Selbstkritik zu sagen hat: „Du hast nicht genug Geld dafür!“ „Das kannst Du ja gar nicht!“ „Das solltest Du nicht machen!“ Und so weiter. Am Ende des Tages überprüfst Du jeden Gedanken Deiner Selbstkritik mit Deiner Vernunft. Nutze dazu folgende 3 Fragen:

  1. Ist dieser Gedanke 100% und in jeder Situation wahr?
  2. Welche Gegenargumente gibt es?
  3. Welcher Satz ist wahrer und vernünftiger? 

Zum Beispiel: „Du hast nicht genug Geld dafür?“ Ist das wahr? „Keine Ahnung, ich habe es noch gar nicht ausgerechnet. Ich habe bisher immer genug Geld für meine Ideen aufgetrieben. Da ist ja auch noch das Sparkonto aus meiner Kindheit…Ich bin mir sicher, dass ich das Geld in 6 Monaten sparen kann.“ Vernünftiger ist der Satz: „Ich finde heraus, wie viel Geld ich für dieses Projekt realistischer Weise brauche und mache mir einen Finanzierungsplan.“

Tipp 3: Bleib einfach cool!

Dieser Tipp erfordert eine gewisse Lässigkeit. Du kannst diesen Tipp jeden Tag mühelos anwenden. Jedes Mal, wenn Deine Selbstkritik zum Quasseln ansetzt, sagst Du einfach entspannt: „Ja, und das ist auch nur ein Gedanke.“ Je mehr Distanz Du zu Deinen Gedanken bekommst, desto freier wirst Du. Bist Du mit Deinen Gedanken identifizierst, hängst Du an der Angel der „wilden Hilden“ – und das gibt ihr richtig Auftrieb. Schau, wenn ein Gedanke kommt, wie: „Du hast dicke Beine und das sieht doof aus“ – und Du GLAUBST diesem Quatsch, dann wird der Gedanke real. Reagierst Du auf diesen Gedanken mit: „Joa, das ist auch nur ein Gedanke“…in Klammern: „DAS BIN NICHT ICH!“, bist Du frei. Du entscheidest, was Du Dir selbst glaubst und was nicht. Du entscheidest, auf welche Gedanken Du reagieren möchtest und auf welche nicht. Dein Geist ist ein Antiquitätenladen – voller Blödsinn und einigen kostbaren Schätzen. Finde Deine Schätze – und mach aus ihnen Dein Leben

Meine wilde Hilde, grüßt Deine wilde Hilde.
Und mein crazy Horse, schicke ich mit Deinem crazy Horse auf die Weide.

Alles Liebe an Deine Liebe,

Elisabeth Hahnke

Über die Autorin 

Elisabeth Hahnke studierte Communication and Cultural Management an der Zeppelin Universität (Master of Arts) und gründete das renommierte Social Franchise ROCK YOUR LIFE! mit zwei Freunden. Für ihre Arbeit wurden sie und ihr Team mehrfach ausgezeichnet, z.B. mit dem MTV Voices Award. Elisabeth ist Responsible Leader der BMW Stiftung und setzt sich mit ihrer Arbeit für persönlichen und sozialen Wandel ein. Im Moment leitet sie das Potentialentwicklungsprogramm BILDUNGSROCKER und arbeitet darüber hinaus als Trainerin und Coach. Sie ist Expertin in den Bereichen Coaching, MBSR/Introvision und Potentialentwicklung.

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