ursprünglich erschienen: 03.06.2016

1. Nicht alle Arbeit bringt dich in direkten Kontakt mit Hilfsbedürftigen – hier sind Geduld und Weitsicht gefragt.

Wer in der Sozialbranche arbeiten will, hat häufig den Wunsch, die Wirkung seiner Arbeit direkt erfahren zu können. Doch viele Positionen in der Projektentwicklung, im Marketing, HR und strategischen Bereich beschäftigen sich mit übergeordneten Themen. Diese sind für die soziale Wirkung genau so wichtig, auch wenn sie dich zunächst einmal nicht in direkten Kontakt zu den Hilfsbedürftigen bringen.

Ich arbeite bei der wellcome gGmbH als Projektmanagerin für eine neue Online-Plattform, die Wissen und Vernetzung für Eltern bietet: www.elternleben.de - noch befinden wir uns in der öffentlichen Beta-Phase. Das bedeutet, es gibt noch viele Inhalte einzupflegen, einige technische Fehler zu beheben und die Community durch die Zusammenarbeit mit Experten und Institutionen zum Leben zu erwecken. Ich kommuniziere also mit unserer Agentur, dem eigenen Team, pädagogischen Experten und Institutionen aus der Familienarbeit. Aber eher wenig mit Eltern, für die die Plattform gemacht wird. NOCH! Wir legen im Moment die Grundlage dafür, dass die Plattform in kurzer Zeit in der Lage ist, das Leben von Eltern wirklich zu erleichtern. Ich sehe die Fortschritte hier und freue mich darauf, bald wirklich viele Eltern dort begrüßen zu dürfen – das motiviert mich.

So geht es vielen Mitarbeitern in sozialen Unternehmen: vieles was sie tun, geschieht nicht in direktem Kontakt mit der Zielgruppe, der sie helfen möchten. Doch auch wenn wir es nicht im tagtäglichen Umgang sehen: wir helfen in der Tat. Meine Chefin Rose Volz-Schmidt formuliert es treffend: „Die Wirkung liegt im Sozialen und das ist, was zählt.“

2.  Sozialunternehmen sind nicht alle gleich und nicht alle sind auch nach innen sozial

Im Rahmen meiner Teilnahme am On Purpose-Programm lerne ich viele Menschen kennen, die bereits in mehreren Sozialunternehmen gearbeitet haben. Aus ihren Erzählungen lerne ich: Auch die Welt der Sozialunternehmen ist eine Welt, die sehr unterschiedliche Facetten hat. Nicht überall werden die nach außen proklamierten Werte auch nach innen umgesetzt. Auch hier gibt es unbezahlte Überstunden und lähmende Unternehmensstrukturen. Ich selbst habe das Glück in einem Unternehmen zu sein, dass seine externen Werte – Familienfreundlichkeit und Flexibilität – auch nach innen umsetzt.

Solche Betriebe gibt es aber auch im For-Profit-Bereich. Fairer Umgang mit Mitarbeitern und Einhaltung gesetzlicher Vorgaben hängen vom Geist des Unternehmens ab und sind in der Sozialbranche nicht automatisch gegeben. Leider kann man die interne Kultur eines Unternehmens nicht immer kennenzulernen, bevor man sich dort bewirbt. Ein möglicher Weg sind Gespräche mit (ehemaligen) Mitarbeitern. Aus mehreren Gesprächen kann man sich meist ein gutes eigenes Bild machen.

3. Du musst Verantwortung für dich und dein Handeln übernehmen

„Um einem Anderen helfen zu können, musst du erst einmal dir selbst helfen können.“  Dieser Satz trifft eine Beobachtung, die ich in meinem neuen Umfeld gemacht habe, sehr gut: Es obliegt stets deiner eigenen Verantwortung, wie du dich in einem Unternehmen verhältst. Das gilt für die Sorgfalt und Motivation, mit der du deine Aufgaben angehst, aber genauso für die Sorgfalt, die du dir selbst gegenüber an den Tag legst. Wenn du ausgebrannt und überlastet bist, leidet nicht nur deine Psyche, sondern auch deine Arbeit darunter.  Gerade als Führungskraft gilt es, nachhaltige Werte vorzuleben. Beim Austarieren dieser Werte ist das Coaching, das ich im Rahmen des On Purpose-Programms erhalte, sehr hilfreich. Auch der Austausch mit den anderen Associates bestätigt mir, dass das Thema Arbeitskultur sich im Wandel befindet und der Einzelne hier zunehmend selbst Verantwortung übernehmen kann und muss.

4.  Das Team zählt, deswegen musst du wissen, wie du es stärkst.

Natürlich ist uns allen bewusst, dass wir als Einzelne nur in sehr begrenztem Maße soziale Wirkung schaffen können. Und auch in meinem früheren Job habe ich eine kleine Abteilung geleitet. Trotzdem lerne ich noch viel Neues darüber, was Erfolg im Team wirklich ausmacht. Bei On Purpose erfahre ich bei Gesprächen mit den anderen Associates, was ihrer Meinung nach eine gute Zusammenarbeit bedeutet. Bei unserem Weekend Away, einem viertägigen gemeinsamen Wochenende auf dem Land, haben wir beispielweise einander sehr persönliches aber immer konstruktives Feedback gegeben. Dabei kann man nicht immer in seiner Komfortzone bleiben, macht aber wertvolle Erfahrungen.

Denn nur wenn ich weiß, wie ich auf andere wirke, kann ich meine Position in einem Team reflektieren. In unseren Trainings, die wöchentlich stattfinden, lernen wir unter anderem mehr über Behavioral Communications, Leadership, und Problemlösungsstrategien. Trainings zu diesen Themen interessieren mich immer besonders, denn hier lerne ich, was ich persönlich tun kann, um als Teil meines Teams das ganze Team zu fördern und so zu mehr sozialer Wirkung beizutragen.

Bei den Treffen mit meinem Coach arbeiten wir solche Themen dann sehr persönlich auf. Natürlich hat nicht jeder einen Coach oder tolle Trainings, aber Selbstreflektion und Kommunikationsqualitäten könnt ihr auch im Kleinen üben. Indem ihr das Gespräch mit Kollegen sucht, offen gegenüber Feedback seid und die Bereitschaft zur Veränderung mitbringt.

Über die Autorin

Anna Kümmel

Anna Kümmel ist Associate bei On Purpose Berlin, einem einjährigen Leadership-Programm für soziales Unternehmertum. Anna hat Medien- und Kommunikationswissenschaften studiert und als Marketing-Managerin in einer E-Commerce Agentur gearbeitet.