ursprünglich erschienen: 06.12.2016

Wie sagst Du jemanden, dass Du von seinem Verhalten irritiert oder verletzt bist, ohne wiederum Dein Gegenüber zu irritieren oder zu verletzen? Darum geht es bei gutem Feedback. Kommunikation ist essentiell. Wenn wir miteinander sprechen, verhandeln wir unbewusst auch immer unser Selbstwertgefühl: Wie steht der andere zu mir? Bin ich in seinen Augen okay? Wenn wir Feedback geben wollen, dann hat uns meist ein bestimmtes Verhalten von einem anderen Menschen gestört. Wenn wir jetzt einfach zurückschießen und den anderen zur Schnecke machen oder ihn mit Ignoranz bestrafen, dann machen wir genau das Gleiche: wir stören ihn. Beim Feedback geht es darum, dass Du ehrlich sagen kannst, was Dich verletzt hat und dabei gleichzeitig die Beziehung zum anderen stärkst, anstatt sie zu belasten. Klingt gut? Na, dann mal los!

Folgende Strategien hast Du vielleicht schon, mit mäßigem Erfolg, ausprobiert:

  • Es durch die Blume sagen
  • Mit dem Zaunpfahl winken
  • Weg schweigen
  • Mit anderen darüber sprechen, wie blöd/doof/schwierig sich X wieder verhalten hat
  • Die kalte Schulter zeigen, denn mein schöner Rücken kann ja auch entzücken
  • Die Sandwich-Methode – ich sage erst was Gutes, dann was Schlechtes und dann wieder was Gutes!

Feedback ist eine der schönsten und anspruchsvollsten Kommunikationstechniken. Auf den ersten Blick ist sie sehr einfach. Im Moment des Feedbacks-Gebens verknoten sich die Stimmbänder trotzdem mal ganz gerne und werden die Hände schwitzig. Deswegen ist gute Vorbereitung alles.

Reflexion: Erinnere Dich, wann wurde Dir einmal kritisches Feedback gegeben, dass Du gar nicht annehmen konntest? Und wann hat Dir jemand ein kritisches Feedback gegeben, nachdem Du Dich wohl und erleichtert gefühlt hast? Was haben die Feedbackgeber jeweils gemacht, dass Du Dich so gefühlt hast?

Feedback gelingt im Dreischritt, also komm: Tanz mit mir den Feedback-Walzer!

Ich habe noch niemanden erlebt, der gutes Feedback aus der Hüfte schießen kann. Das liegt daran, dass wir emotional involviert sind und meist nicht so cool mit einer Situation umgehen können, wie wir wollen. Normalerweise möchte ich mich verteidigen oder aus der Situation entkommen, wenn mich ein Verhalten von meinem Gegenüber verletzt. Ich persönlich habe nicht den Impuls, dem anderen liebevoll und sachlich meine innere Welt auseinanderzusetzen. Wenn ich mich angegriffen fühle, ja, dann bin ich eigentlich traurig oder wütend. Zu sehr viel mehr Komplexität bin ich dann nicht mehr fähig.

Falls es Dir genauso geht, kannst Du folgende Fragen für die Vorbereitung Deines Feedbacks nehmen:

  • Was sind die Fakten? Was ist geschehen? Stell‘ Dir vor, jemand würde die Situation von außen betrachten. Was würde er sehen? Sei sehr konkret.
  • Welche Schlussfolgerungen habe ich über mich und den anderen getroffen? Wie habe ich die Situation emotional erlebt und wie habe ich sie dann interpretiert?

Hast Du Dir Klarheit über die Situation erarbeitet? Dann geht’s los. Bitte Dein Gegenüber, dass Du ihm Feedback geben darfst. Und dann, ab in die Arena!

Schritt 1: Wahrnehmung

Beschreibe die Fakten. Was hast Du wahrgenommen? Sei so genau wie möglich und beschreibe Verhaltensweisen und keine Charaktereigenschaften. Zum Beispiel: „Die letzten 3 Teammeetings bist Du 10 Minuten später gekommen, als vereinbart.“ Anstatt: „Du kommst immer zu spät!!“

Schritt 2: Wirkung

Beschreibe, was das beobachtbare Verhalten in Deiner inneren Welt ausgelöst hat. Was hast Du gefühlt und gedacht? Was ist in Dir passiert? Zum Beispiel: „Ich denke dann sofort, dass Dir das Projekt nicht wichtig ist! Ich bin dann frustriert und fühle mich mit unseren Aufgaben allein gelassen. Und dann merke ich, dass ich keine Lust habe mit Dir konstruktiv zusammen zu arbeiten.“ Anstatt: „Du bist so unzuverlässig! Du hast gar kein Bock mehr auf unser Projekt und alles bleibt an mir hängen!“

Schritt 3: Wunsch

Sag‘ klar und deutlich, was Du willst. Kein Rumeiern. Zum Beispiel: „Ich wünsche mir einfach, dass Du zur vereinbarten Zeit da bist. Und wenn Du es nicht einrichten kannst, möchte ich das Du mit uns darüber sprichst, sodass wir eine Lösung finden können.“

Nach dem Feedback vereinbart Ihr, was sich genau verändern soll und im Nachgang schaut Ihr, ob es geklappt hat.

Hier noch ein paar golden funkelnde Feedbackregeln:

  1. Geh‘ immer davon aus, dass der andere einen guten Grund für sein Verhalten hat und Dich nicht böswillig verärgern will. Das ist die halbe Miete, denn dann kannst Du auf die Situation des anderen neugierig werden, anstatt ihn zu verurteilen.
  2. Sei genau in der Faktenbeschreibung! Es ist selten die Realität, die Dir zu schaffen macht. Das was uns emotional belastet, ist unsere Bewertung der Situation. Sei ehrlich mit Dir und dem anderen und unterscheide genau zwischen Wahrnehmung und Wirkung.
  3. Gib Dein Feedback möglichst zeitnah und krame keine ollen Kamellen aus der Vergangenheit aus, die Deine Position stärken. Feedback bezieht sich auf das Hier und Jetzt.
  4. Lösung, statt Recht haben! Das ist die Haltung mit der Du erfolgreich Feedbacks führst. Gib den Wunsch mal auf, Recht haben zu wollen. Sei offen und ehrlich, wie es Dir mit einer Situation geht und mach‘ eine klare Ansage, was Du Dir wünschst. Aber lass‘ Deinem Gegenüber auch seine Wahrheit.
  5. Ich bin okay, Du bist okay. Und dann ruckelt da was zwischen uns. Greif‘ den anderen nicht persönlich an. Feedback ist situativ, besprich‘ also die Situation die Dich verärgert hat und widerstehe dem Impuls, das Thema größer zu machen als es ist.

Wir treten uns alle mal auf die Füße. Das ist ganz normal. Mit dem Feedback-Walzer, tanzt Ihr Euch auch elegant durch die schwierigsten Kommunikationssituationen.

Probier’s mal aus! Feedback schafft Vertrauen. Und wo Vertrauen ist, kannst Du ganz Du selbst sein – und das wollen wir doch alle.

Über die Autorin 

Elisabeth Hahnke studierte Communication and Cultural Management an der Zeppelin Universität (Master of Arts) und gründete das renommierte Social Franchise ROCK YOUR LIFE! mit zwei Freunden. Für ihre Arbeit wurden sie und ihr Team mehrfach ausgezeichnet, z.B. mit dem MTV Voices Award. Elisabeth ist Responsible Leader der BMW Stiftung und setzt sich mit ihrer Arbeit für persönlichen und sozialen Wandel ein. Im Moment leitet sie das Potentialentwicklungsprogramm BILDUNGSROCKER und arbeitet darüber hinaus als Trainerin und Coach. Sie ist Expertin in den Bereichen Coaching, MBSR/Introvision und Potentialentwicklung.

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