ursprünglich erschienen: 08.03.2016

Christopher Batke hat 2015 seinen Job im HR Bereich in der Finanzbranche aufgegeben, nachdem er versucht hat interne Strukturen zu verändern und daran gescheitert ist. Er berichtet uns von seinen Intrapreneurship Erfahrungen und über seinen Lebensweg, den er dadurch eingeschlagen hat.

Christoper Batke

Wie war es in der Finanzbranche, bei einer Bank im HR Bereich zu arbeiten?

Das Finanzsystem wurde nach der Krise stark reguliert – das hat sich in einem hohen Verwaltungs- und in der Organisationsaufwand auch im HR Bereich gezeigt. Ich hatte davor viel mehr mit Menschen zu tun, habe viele Gespräche geführt und hatte viel Kontakt mit Kollegen und Mitarbeitern. Später drehte sich alles hauptsächlich um Prozesse und Kontrollen. Diese Veränderung hat mich mit der Zeit frustriert.

Hast du versucht etwas zu verändern?

Ich habe mir immer öfter die Frage gestellt „Wie würde mein Traumjob denn aussehen?“ Durch mein Master Studium Human Ressource Management und insbesondere meine Master Thesis habe ich im Bereich Commitment, Motivation und Mitarbeitergesundheit einiges an know-how aufgebaut. Daher wollte ich interne Workshop Angebote schaffen, die bisher von einem externen Dienstleister für die Mitarbeiter zum Beispiel im Bereich Gesundheitsmanagement angeboten wurden. Deshalb wagte ich das idealistische Experiment und legte mir eine Strategie zurecht, wie ich meine Vorgesetzten davon überzeugen konnte.

Was war deine Strategie?

Ich überlegte mir, wie ich die Workshop Angebote, welche ich selbst durchführen wollte, selbst finanzieren konnte, sodass keine Mehrkosten für das Unternehmen anfallen würden.

Dazu wollte ich meinen unbefristeten in einen befristeten Vertrag umwandeln und quasi eine interne Crowdfunding Aktion für meine Stelle durchführen. Ich wollte auf ein einfaches Prinzip zurückgreifen: In Konzernen wird häufig in Planstellen gedacht. Stell dir vor, eine Mitarbeiterin kommt aus Elternzeit wieder und entscheidet sich für eine befristete Arbeitszeitreduzierung. In solchen Fällen werden Planstellen meist weiterhin mit 100% Soll-Kosten durchgeplant, da die Kollegin ja später wieder einen Vollzeit-Anspruch hat. Ich hatte identifiziert, dass es viele solcher ungenutzten Ressourcen im Sinne von Teil-Vakanzen gibt. Diese Chance wollte ich nutzen.

Leider konnte ich dann doch nicht genug commitment von den höheren Führungsebenen bekommen, weshalb der Prozess scheiterte. Der Wunsch das Unternehmen zu verlassen war schon vorher geboren, wurde hier aber noch einmal nachdrücklich verstärkt.

Ein mutiger Schritt, was machst du jetzt?

Dieser Versuch andere Strukturen in dem Unternehmen zu schaffen war für mich eine Zwischenstufe für meine eigene Selbstständigkeit. Intrapreneurship kann erstmal ein Test sein, etwas intern zu verändern und seinen eigenen Job umzugestalten, bevor man kündigt. Nun bin ich im Bereich Berufsorientierung und Potentialentfaltung tätig und bin gerade dabei die Talententwickler zu gründen. Mich treibt die Frage nach Potenzialentfaltung und dem inneren Kompass um – diese Orientierung fehlt vielen Schüler/-innen nach der Schule, Studenten vor dem Berufseinstieg, aber auch vielen Angestellten, die sich im Hamsterrad gefangen fühlen. Hier möchte ich mit den Talententwicklern ein Angebot schaffen.

Der "Karriere mit Sinn" Guide bietet eine Übersicht für SchulabgängerInnen, StudentInnen und Berufsein- bzw, umsteigerInnen, die sich für eine Karriere mit gesellschaftlichem Mehrwert interessieren. Momentan überwiegen die Informationen aus der Privatwirtschaft und aus herkömmlichen Industrien. Der  Guide soll dieses Angebot ergänzen und ebenfalls an Schulen, Universitäten, Karrieremessen und anderen Berufsberatungsstellen ausliegen.