ursprünglich erschienen: 07.09.2016

Als Martin Steber die Idee von Mokan hatte, wusste er noch nicht, dass dabei sein zukünftiger Beruf entstand. Erst nach einiger Zeit und Arbeit wurde aus einer Idee ein richtig cooles Produkt in der Crowdfunding Phase. In einem Interview blickt der junge Changer auf die Gründung und den Weg zum finalen Mokan zurück.

Mokan – was steckt dahinter?

Der Mokan ist ein schön anzuschauender Grillanzünder, der die Vorteile eines Anzündkamins mit herkömmlichen Grillanzündern vereint. In der Funktion überzeugt er durch die Geschwindigkeit, mit der die Kohle durchgeglüht wird, die einfache Handhabung und die umweltfreundlichen Materialien.

Für die Produktion haben wir nachhaltige Kriterien festgelegt. Dazu zählen für uns der schonende Umgang mit Ressourcen, kurze Lieferwege und eine regionale Produktion. Aber auch nach Innen verstehen wir uns als nachhaltiges Unternehmen – alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen gleichberechtigt in Entscheidungsprozesse integriert sein und in ihren Arbeitsbereichen eigenverantwortlich agieren.

Aus welcher Motivation heraus hat sich die Gründung ergeben?

Die Idee zum Grillanzünder gibt es schon ein paar Jahre. Im vergangenen Jahr entschied ich mich, meine Stelle zu kündigen, da ich zunehmend das Gefühl hatte, Aufgaben zu erledigen, die mich nicht mehr erfüllen. Im Anschluss daran startete ich ein Projekt in der Flüchtlingsarbeit, merkte aber bald, dass ich eigentlich einen anderen Weg einschlagen möchte. Es erschien mir am Anfang allerdings viel zu absurd, mich mit einem Grillanzünder selbst­ständig zu machen, weswegen ich die Idee zunächst selbst nicht ernst nehmen konnte.

Im November 2015 stand die Entscheidung dann fest, dass ich es mit dem Anzünder zumindest versuchen möchte. Da ich nicht alleine gründen wollte, fragte ich meine beiden Freunde Martin Schlobach und Marius Hartmann, mit denen ich eigentlich eine Band gründen wollte, ob sie Lust hätten mitzumachen.

Relativ schnell war klar, dass wir als Unternehmer weit mehr vorhaben, als nur Grillanzünder zu bauen. So bestanden zu dem Zeitpunkt schon vage Ideen für weitere Produkte, an denen wir gerne forschen und tüfteln wollten. Wir entwickelten eine Vision und legten die Kriterien fest, die für unsere Arbeit zum Leitbild werden sollten. Im Februar folgte dann die offizielle Gründung der Vorreiter UG, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, mit raffinierten Lösungen und nachhaltigen Produkten einen Beitrag zu einer besseren Welt zu leisten.

Ihr habt nicht gerade einen klassischen Gründer-Background… Was sind die größten Überraschungen auf dem bisherigen Weg?

Genau, wir kommen aus ganz unterschiedlichen, eher wirtschaftsfernen Bereichen, darunter eine NGO und eine Behörde. Mit der aktuellen Branche hatte bisher keiner von uns etwas zu tun. Die größte Überraschung ist eigentlich die, zu erkennen, dass eine gute Idee zwar der Anfang von allem ist, jedoch letztendlich einen kaum spürbaren Anteil an der gesamten Arbeit hat. Für den Erfolg sind ganz andere Dinge notwendig. Zu Beginn ist da vor allem ein gutes und breites Netzwerk notwendig. Wenn wir das nicht gehabt hätten, wäre es vermutlich nie zur Gründung gekommen. Und nach wie vor sind wir der Überzeugung, dass Kommunikation das absolut wichtigste Instrument ist, um bestehen und um sich permanent verbessern zu können. Diese Erfahrung haben wir nun schon wiederholt gemacht.

Welches Problem hat Euch bisher am meisten beschäftigt? Was würdet Ihr anderen hier raten?

Kurz nachdem wir den ersten Prototypen unseres Grillanzünders fertig hatten, machten wir uns auf die Suche nach Zulieferern, die uns die Einzelteile fertigen konnten. Dabei hatten wir zunächst an eine Variante aus Recyclingpapier gedacht. In unserer Vorstellung erschien es sehr einfach, alles so herzustellen, wie wir es brauchten. Recht schnell mussten wir feststellen, dass wir die Industrie vor eine echte Herausforderung stellten. Nachdem keines der unzähligen angefragten Unternehmen für unser Produkt in Frage kam, probierten wir es mit Wellpappe aus. Aber selbst hier war es kein Kinderspiel, einen Hersteller zu finden, der uns hier problemlos zuliefern konnte. Für die Auswahl der Lieferanten war sehr viel Zeit aufgewendet worden. Das hatten wir am Anfang ganz anders eingeschätzt.

Diese Erfahrung ist andererseits aber auch sehr wertvoll, da sie zeigt, dass die Produktentwicklung ihre Zeit zur Reifung braucht, damit am Ende alles stimmig ist und die Kunden zufrieden sind.

Der Mokan ist der Anfang - was plant Ihr für die Zukunft?

Aktuell arbeiten wir an ein paar Ideen im Grill-Bereich um hier mit innovativen Ideen den Grillmarkt nachhaltiger zu gestalten. Darüber hinaus haben wir aber auch Ideen in der Energietechnik. Dieser Bereich spielt in der Gesellschaft eine unheimlich wichtige Rolle und wir möchten mit unseren Ideen einen Beitrag dazu leisten, dass es auch weiterhin in eine gute Richtung geht. Aktuell freuen wir uns aber natürlich erst einmal über jede Unterstützung bei unserer laufenden Crowdfunding-Kampagne.

Was macht Euch zu Changern?

Wir sind der Meinung, dass gute Ideen und deren Umsetzung von Menschen gemacht werden, die sich der Verantwortung für sich und ihre Umwelt bewusst sind. Unser wichtigstes Gut sind daher die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – auch wenn es davon aktuell noch nicht so viele gibt.

Wir arbeiten stets an uns selbst, da wir nur so die immer wieder auftauchenden Hürden überwinden können und uns dadurch auch verbessern. Dieses „an uns arbeiten“ ist der beste Energielieferant für unsere Motivation und überrascht uns immer wieder, welche Ergebnisse wir erschaffen können, wenn wir uns trauen, unter die Oberfläche zu schauen. Diese Erfahrung wollen wir mit möglichst vielen Menschen teilen und sie dadurch motivieren zu mutigen Entscheidern zu werden.

Das Interview führte Alexander Schabel vom ISSO|lab.

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