ursprünglich erschienen: 28.06.2016

Jeder Deutsche verbraucht im Jahr durchschnittlich 617 Kilogramm Müll. Um diese beängstigende hohe Zahl zu reduzieren, haben Olga, Gregor und Dinah beschlossen, den Laden „Tante Olga“ in Köln zu gründen. Es handelt sich dabei um den ersten Unverpackt-Laden in Köln, in dem ihr Lebensmittel wie Reis, Tee und Schokolade, aber auch Bambuszahnbürsten oder Haarseifen kaufen könnt, ohne dabei zusätzlichen Abfall zu produzieren. Abgepackt werden die Produkte dann in Containern oder Taschen, die ihr mitbringt.

Wie die drei Changer das Projekt sehen, könnt ihr hier im Interview lesen.

Wieso ist Müllreduktion heutzutage ein wichtiges Thema?

Müll ist ein riesiges Problem in unserer Umwelt, in unseren Flüssen und Meeren; zum Leidwesen vieler Tiere. Jedes Jahr sterben etwa 1 Million Seevögel einen qualvollen Tod daran.

Zudem ist Müll letztendlich nichts anderes als eine Ressource, die wir achtlos wegwerfen. Das Recyclingsystem funktioniert auch nur ungenügend und wir verbrennen diese Ressource zu großen Teilen einfach, wodurch sie für immer verloren geht. Die Rohstoffförderung zerstört die Umwelt in den Abbaugebieten und die Verbrennung von Kunststoff stört das klimatische Gleichgewicht weltweit.

Wir werden immer mehr Menschen auf der Welt und leben mit unserem Konsum weit über unseren Verhältnissen was den Verbrauch von Ressourcen angeht. Die Reduktion des Verbrauchs ist eine Möglichkeit, dass wir auch in Zukunft noch genügend Rohstoffe zur Verfügung haben werden, dazu den Klimawandel positiv beeinflussen und die Durchsetzung unserer Umwelt mit Müll und Mikroplastik verringern können.

Wie kam es zur Idee von Tante Olga und welche Motivation steckt hinter dem Projekt?

Wir leben seit mehreren Jahren nahezu Plastik- und Restmüllfrei. Das ist uns aber nur möglich, weil wir unsere Lebensmittel in großen 25 Kilogramm schweren Papiersäcken beziehen. Eine Alternative zu Plastikverpackungen bietet der Einzelhandel in Köln leider nicht. Zudem führen wir seit Anfang des Jahres einen Onlineshop, um es zu ermöglichen, alle nötigen Produkte für einen solchen Lebensstil aus einer Quelle beziehen zu können. Beides führte langsam dazu, dass unsere Wohnung zu einem Abstelllager mutiert ist.

Der Hauptbeweggrund einen Laden zu gründen, der sowohl Lebensmittel als auch all die Produkte unseres Online-Geschäfts enthält, ist ganz einfach, dass wir selber gerne so einkaufen möchten. Mit diesem Wunsch sind wir aber bei weitem nicht allein und haben uns deshalb entschlossen den Laden „Tante Olga“ zu eröffnen.

Was genau wollt ihr mit eurem Projekt bewirken?

Die Mülleinsparung erlangt erst dann eine nennenswerte Bedeutung, wenn viele Menschen diesen Weg einschlagen, daher möchten wir es auch anderen Menschen so einfach wie möglich machen, Müll einzusparen. Leute die dies wollen, gibt es in unserer Stadt zu genüge. Nur eben die Möglichkeit des Einkaufens nicht.

Langfristig wünschen wir uns mit dem Projekt einen Anstoß zu geben, den Lebensmittelmarkt nachhaltig zu verändern. Es wäre schön, wenn bald überall auf verpackungsärmere Alternativen zurückgegriffen wird.

Heutzutage wird das Umweltbewusstsein immer stärker und immer mehr Projekte werden rund um das Thema aufgebaut. Was hebt euch von der breiten Masse ab?

Zuerst einmal ist es toll, dass dies so ist. Wir sind mit Leib und Seele Teil dieser Bewegung. Unser Schwerpunkt liegt dabei ganz klar bei der Müllvermeidung und damit verbunden dem Umweltschutz.

Anders als viele Projekte bieten wir mit dem Laden aber auch jedem Haushalt die Möglichkeit, sich aktiv daran zu beteiligen und selbst durch unverpackte Lebensmittel oder müllfreie Haushaltsartikel Einfluss zu nehmen.

Wenn ihr in die Zukunft blickt, wie soll Tante Olga in 10 Jahren aussehen? Habt ihr Ideen für einen Ausbau des Projekts?

Wir haben so viele Ideen und Tante Olga wird niemals "fertig" sein. Wenn der Laden einmal steht, gibt es noch Vieles zu tun. So wünschen wir uns zum Beispiel, dass die gesamte Lieferkette ohne den Einsatz von Kunststoff funktioniert. Dafür brauchen wir allerdings eine stärkere Stimme gegenüber unseren Lieferanten. Eine Art Verband aller Unverpackt-Läden könnte eine Lösung sein.

Daneben wollen wir den bewussten Umgang mit Müll und Ressourcen weiter an die Leute herantragen, Verbesserungen für unsere Produkte entwickeln und vielfältigere, einfachere Wege zur Müllvermeidung anbieten.

Frei nach dem Motto "We did not inherit this planet from our parents, we borrowed it from our children" - inwiefern könnt ihr euch mit diesem Statement identifizieren?

Olga und Gregor haben gerade einen Sohn bekommen, da trifft es diese Aussage schon ganz genau. Wir wollen darauf aufmerksam machen, es ins Bewusstsein unserer Mitmenschen rufen und eine Möglichkeit bieten seinen Teil beizutragen, in dem man unnötigen Müll vermeidet. Schließlich sind wir es, die entscheiden wie wir unseren Planeten hinterlassen!

Wie kann man euch bei eurer Mission unterstützen?

Das allerwichtigste ist momentan, dass unser Crowdfunding zur Einrichtung des Ladens erfolgreich wird. Auf Tante Olga kann sich jeder mit einem freien Betrag beteiligen. Der Betrag muss nicht groß sein, es müssten eben nur genügend Menschen mitmachen. Da wäre neben dem eigenen Beitrag das Teilen der Kampagne auf den sozialen Netzwerken natürlich sehr hilfreich. Wer noch aktiver werden möchte, kann persönlich Freunde und Bekannte animieren, ebenfalls einen Beitrag zu leisten und es wiederum auch zu teilen!

Ab Juli beginnt dann die Renovierungsphase. Jeder der mitarbeiten, Material, Inventar oder Knowhow beisteuern möchte, darf herzlich gerne dabei sein.

Vielen Dank für das Interview!

 

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