urpsrünglich erschienen 9. Mai 2016

Immer mehr Menschen gründen Vereine, Initiaven und Projekte, um sich für Geflüchtete zu engagieren. Viele davon gelten als Hilfsprojekte. Warum "Start with a Friend" nicht als solches bezeichnet werden möchte und warum es so wichtig ist Projekte nicht nur für, sondern mit Geflüchteten zu machen, erklärt Gründerin Franziska Birnbach im Interview. 

Für alle, die sich ebenfalls gerne engagieren würden: bei der "Start with a Friend Academy" hast Du die Möglichkeit eine Ausbildung als Interkulturelle/r Mediator/in zu machen. Mehr Information gibt es hier

Was war Eure Motivation dahinter “Start with a Friend e.V.” zu starten? Wie lange gibt es Euch schon?

Die Idee für "Start with a Friend" entstand im November 2014. Ich habe bereits Anfang 2013 über Ecken einen syrischen Geflüchteten kennengelernt und wir haben freestyle ein Tandem gegründet. Dabei ist uns aufgefallen, wie sinnvoll dieser direkte 1:1-Kontakt ist – wieviel wir zusammen bewirken können und vor allem wieviel Spaß es macht sich auszutauschen. Allerdings wurden wir immer wieder ausgebremst von den vielen Regeln, die für Geflüchtete in Deutschland gelten. Ein ganz schöner Wirrwarr. Da ich selbst Juristin bin, habe ich mich in die ganzen Regelungen und Gesetze eingearbeitet. Und da dachte ich, dass davon doch noch viel mehr Menschen profitieren könnten und dass man es den Leuten einfacher machen sollte zusammenzukommen und sich zu informieren. Ich habe dann engagierte Mitstreiter gefunden, die diese Vision teilen. Unser Ziel ist es, dass jeder, der als Schutzsuchender nach Deutschland kommt, einen Anknüpfungspunkt in unserer Gesellschaft findet.  

Wie genau funktioniert das Konzept? Wie kann man sich engagieren?

Jeder der bei uns mitmachen möchte, ob in Berlin, Köln oder Freiburg, kann sich auf unserer Website registrieren. Unsere interkulturellen Vermittler treffen jeden, der sich bei Start with a Friend anmeldet persönlich und bringen die Tandems nach Interessen, Alter, zeitlichen Kapazitäten zusammen. Im Idealfall entsteht daraus eine Freundschaft, in jedem Fall aber ein Netzwerk, das alle Teilnehmer bereichert. Was das Tandem macht, ist sehr unterschiedlich, weil jeder Mensch andere Bedürfnisse und Interessen hat. Manche helfen bei der Wohnungssuche, lernen Deutsch, andere kochen zusammen. Wir stehen dem Tandem für Fragen zur Seite und organisieren viele spannende Events, damit nicht nur Freundschaften entstehen, sondern ein ganzer Freundeskreis.

Engagierte haben zwei Möglichkeiten ein Teil von Start with a Friend zu werden: Entweder als Tandempartner, der als Local einem Geflüchteten direkt zur Seite steht, oder als interkulturelle Vermittler. Unsere Vermittler werden in den Bereichen Asyl, interkulturelle Kompetenz, Traumata und Kommunikation geschult. Sie sind dafür zuständig, Geflüchtete und Locals zu treffen und zusammenzubringen. Darüber hinaus beraten sie die Tandems und nehmen an Events teil. Gerade für Menschen, die später gerne im NGO-Bereich arbeiten wollen, ist das eine spannende Aufgabe.   

Was waren die Höhen und Tiefen, die Ihr bis jetzt als Verein erlebt habt?

Wenn wir bei unseren Treffen hören wie gut sich die Tandempartner verstehen, was sie zusammen erreicht haben – das ist das Schönste und bringt unglaublich viel Motivation. Zu wissen, dass Start with a Friend diese Begegnung initiiert hat. Ein Erfolg sind zudem die weiteren Standorte in Köln und Freiburg, die bereits gestartet sind. Die Teams dort bringen eigene Ideen mit rein und wir lernen viel voneinander.

Wir werden fast jeden Tag gefragt, warum wir unsere Tandems nicht einfach online matchen. Wir finden es aber unglaublich wichtig, dass wir die Menschen persönlich vermitteln. Das ist ein sehr großer zeitlicher Aufwand und gerade im letzten Jahr sind wir dadurch ab und zu an unsere Grenzen gestoßen. Wir schaffen damit aber einen Schutzraum für alle Beteiligten und nur so können unserer Meinung nach langfristige Tandems entstehen. Außerdem macht es uns einfach mehr Spaß, wenn wir die Menschen treffen.

Was würdet Ihr anderen raten, die ebenfalls ein Projekt mit Flüchtlingen machen möchten?

Wir finden den Gedanken der Augenhöhe essentiell. Deswegen ist es uns auch wichtig, dass Start with a Friend nicht als klassisches Hilfsprojekt wahrgenommen wird. Geflüchtete Menschen hatten bereits ein Leben vor der Flucht. Es ist wichtig sie nicht als Hilfsempfänger zu stigmatisieren. Allen Geflüchteten, die wir kennen, ist das sehr wichtig. Ein Teil der Geflüchteten, die bei uns mitmachen, sind mittlerweile selbst interkulturelle Vermittler bei Start with a Friend. "Es ist wichtig nicht nur ein Projekt für Geflüchtete zu machen, sondern vor allem mit ihnen gemeinsam."  

Was ist Euer Social Impact bis heute?

Wir haben im vergangenen Jahr rund 200 Tandems zusammengebracht. Doch darüber hinaus konnten wir viel mehr Menschen erreichen, weil jeder Local und Geflüchtete sein Umfeld gleich mit einbindet. Durch den direkten Kontakt werden Vorurteile abgebaut. Es ist zudem eine sehr gute Gelegenheit sich mit der eigenen Gesellschaft auseinander zu setzen und zu reflektieren, was bei uns gut oder schlecht läuft.

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