„Innovationsfähigkeit, hervorragende analytische und strategische Fähigkeiten, Kommunikations- und Organisationstalent, Bereitschaft, sich schnell in komplexe Themengebiete einzuarbeiten“ – das setzt die Stellenanzeige „als selbstverständlich voraus“. Dazu werden Kenntnisse und Kompetenzen verlangt: Agiles Projektmanagement, Erfahrung im Reputationsmanagement, Social-Media Marketing ...

Auch wenn du für die Position in der NGO, die diese Annonce ins Netz stellte, noch so qualifiziert wärest: Wer kann schon mit Überzeugung von sich behaupten, all diese Anforderungen zu erfüllen?

„Wenn die wüssten...“

Tatsächlich verlässt das Gefühl, eine Mogelpackung zu sein oder den Job, die Beförderung, die Anerkennung nicht wirklich verdient zu haben, viele Menschen auch dann nicht, wenn sie in ihrem beruflichen Leben sehr erfolgreich sind. Der nagende Selbstzweifel hat einen Namen: Hochstaplersyndrom. Der Begriff, auf englisch „Impostor Syndrome“, wurde 1978 von zwei amerikanischen Psychologinnen geprägt. Pauline Clance und Suzanne Imes war aufgefallen, dass selbst viele arrivierte Frauen dazu neigten, sich wie Schwindlerinnen zu fühlen, die bisher nur durch Glück einer Entlarvung entgangen waren.

Im Coaching begegnet mir das Hochstaplersyndrom häufig mit Sätzen wie: „Ich weiß gar nicht, ob ich überhaupt etwas kann, denken Sie ich kann mich wirklich auf die Position bewerben?“ oder „Ich glaube, ich bin nur durch Zufall in diese Position gekommen. Das wird im nächsten Job bestimmt auffallen ...“ Die „Hochstaplerinnen“, seltener „Hochstapler“, sind häufig leistungsstarke, perfektionistische Menschen, die gerade durch diese negative Selbsteinschätzung zu Höchstleistungen getrieben werden.

Wie wirkt sich das Hochstaplersyndrom bei einer Bewerbung aus?

Bewerberinnen mit Hochstaplersyndrom bewerben sich eher defensiv als offensiv, machen ihre bisherigen Leistungen klein, beschreiben ihre Tätigkeiten eher bescheiden und verkaufen sich damit in der Regel deutlich unter Wert. Sie sind oft nicht wirklich stolz auf Ihr Leben und ihre Leistungen, sondern denken insgeheim, dass sie eigentlich nicht gut genug sind. Im Anschreiben legen sie jeden Satz auf die Goldwaage und haben immer noch Sorge, als Windei entlarvt zu werden. Im Jobinterview stellen sie ihr Licht ebenfalls gerne unter ihren Scheffel und selbst wenn der Personaler clever genug ist, hinter den unsicheren Gesten die kompetente Bewerberin zu erkennen: spätestens in der Gehaltsverhandlung verkauft sich die Bewerberin mit dem Impostor-Syndrom unter Wert.

Lässt sich etwas gegen das Hochstapler-Syndrom tun?

Zum Glück ja, denn wir können unser Selbstbild verändern, indem wir eingeschliffene negative Denkspiralen als Gedanken entlarven und ihnen förderliche Gedanken entgegen setzen.

Hier fünf weitere Tipps, die dir helfen können das Hochstaplersyndrom in Schach zu halten:

  • Schreibe unförderliche negative Gedanken in rot auf ein Blatt Papier und stelle jedem roten Gedanken mindestens einen förderlichen Gedanken in grün gegenüber.
  • Mache eine Liste: Finde zehn Qualifikationen, die beweisen, dass du für den Job, den du haben möchtest sehr geeignet bist.
  • Mache noch eine Liste: Schreibe deine (auch scheinbar kleinen) Erfolge auf – regelmäßig in einem Erfolgstagebuch!
  • Erfrage Außenfeedback – und nimm Lob mit Stolz an, statt es automatisch zu relativieren: Schieb den Erfolg nicht auf andere, sondern lerne den eigenen Anteil am Erfolg zu sehen.
  • Visualisiere Gelingen statt dich in Worst Case-Szenarien zu verlieren!

Über die Autorin

Ich bin Esther Kimmel. Seit über 10 Jahren berate ich Menschen (online und offline) in verantwortungsvollen Berufen, die sich beruflich weiter entwickeln wollen.

Im Bewerbungsprozess ermutige ich meine Kunden sich von ihrer besten Seite zu zeigen.

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