ursprünglich erschienen: 22.10.2015

Dieser Artikel wurde von Philip Scherenberg und Stefan Shaw von der Benckiser Stiftung Zukunft geschrieben und erschien ursprünglich auf dem Blog der Benckiser Stiftung.  

Die vornehme Zurückhaltung, mit der Stiftungen vielfach agieren, lässt sich auch mit dem Begriff „Intransparenz“ beschreiben. Tatsächlich haben Stiftungen ziemlich freie Hand, wie sie ihre Mittel im Rahmen ihres Stiftungszwecks einsetzen und auch nach welchen Kriterien sie ihre Erfolge ermitteln und darüber berichten. Als objektive Vergleichsmerkmale dienen meist das Vermögen oder das Budget der Stiftungen. Doch Geld alleine macht noch keine guten Projekte – und „gute Projekte“ sind noch nicht zwangsläufig wirksam. Wäre es daher nicht an der Zeit, feinere Kriterien zur Beurteilung der Wirksamkeit von Stiftungen zu suchen?

Die Wirkungsmessung von Projekten im sozialen Sektor hat sich weitgehend etabliert. Qualitätssiegel wie beispielsweise das „WIRKT!“-Siegel von Phineo setzen Standards und geben den Gebenden, Förderern wie Spendern, das gute Gefühl, eine wirkungsvolle Organisation zu unterstützen. Dabei geht es eben nicht nur darum, was gut gemeint ist, sondern auch darum, was gut gemacht ist.

Ein entsprechendes Wirksamkeits-Siegel sucht man für Stiftungen vergeblich. Zwar sind viele namhaften Stiftungen um Transparenz bemüht. Die bezieht sich jedoch in der Hauptsache auf die Veröffentlichung von Geschäftszahlen (Bilanzen sowie G&V) und Tätigkeitsberichten – aber eben nicht auf die tatsächliche Wirksamkeit des eingesetzten Kapitals.

Gemeinnützige Stiftungen entziehen die ihnen zur Verfügung gestellten Mittel qua ihrer Gemeinnützigkeit der Versteuerung. Hierdurch sind sie in der Regel nahezu zur Hälfte steuerfinanziert. Vor diesem Hintergrund hat der Steuerzahler nicht nur Interesse, sondern das Recht, genauer zu erfahren, was mit diesen – seinen – Mitteln eigentlich erreicht wird.

Mit welchem Ergebnis man sich zufrieden gibt, wird nämlich nur zwischen den Parteien direkt verhandelt – also zwischen Stiftung und Zuwendungsempfänger. Voraussetzung für die Messung der Wirksamkeit ist aber, überhaupt erst einmal einen objektiven Anhaltspunkt zu finden.

Spricht man über Rendite, ist der Anhaltspunkt das Verhältnis zwischen Ergebnis und eingesetztem Kapital. Während sich die Höhe des eingesetzten Kapitals meist einfach und schnell nachvollziehen lässt, ist die Ergebnisermittlung schon schwieriger. Was bei Unternehmen der ROI (Return On Investment = Gewinn/Gesamtkapital), ist im Social Entrepreneurship der SROI (Social Return On Investment). Der SROI ist jedoch ungleich schwieriger zu berechnen, da er ziemlich viele Annahmen über Gewinn und Gesamtkapital treffen muss.

Anhand der Höhe des SROI jedenfalls lässt sich eine qualitative Aussage über den Erfolg eines Sozialen Investments machen: je höher der SROI, desto wirksamer das Programm. Hat eine fördernde Stiftung unter deren regelmäßig geförderten Projekten sehr viele Projekte mit einem überdurchschnittlich hohen SROI, würde man diese auch insgesamt als eine überdurchschnittlich wirksame Stiftung bezeichnen.

Die Wirksamkeit von Stiftungen zu ermitteln, ist eine schwierige Aufgabe, die sich beispielsweise schon von Förderbereich zu Förderbereich unterscheidet. Eine nach Wirksamkeit vorgenommene Bewertung von Stiftungsarbeit würde jedoch der Bedeutung, der Komplexität und des Potentials dieses Feldes eher gerecht werden als die alljährlichen Vermögensaufstellungen der „Top 10“. Die über 20.000 Stiftungen in Deutschland hätten dann die Möglichkeit, sich untereinander sportlich nach Leistung zu messen – und zwar in Relation zu ihrer Größe und nicht nach der Größe allein.

Und eines fernen Tages könnte eine solche Leistungsaufstellung vielleicht sogar darüber entscheiden, ob man als Stiftung auch künftig als tatsächlich gemeinnützig anerkannt wird. Das wäre doch eine schöne Entwicklung gegenüber der heutigen Praxis, in der es ausreicht, in der Stiftungssatzung einen beabsichtigten Gemeinnutzenniederzulegen, um dann auf Jahre hinaus den Steuerfreifahrtschein zu nutzen – ohne jemals dem Steuerzahler Rechenschaft ablegen zu müssen, was mit dem vielen Geld außer höfischen Repräsentanzen und einer Vielzahl von Kongressteilnahmen eigentlich bewirkt wird.

Nicht auszuschließen, dass es dann der einen oder anderen Stiftung so gehen könnte, wie dem Kaiser, der in seinen neuen Kleidern freundlich winkend die Huldigungen des einfachen Volkes entgegennimmt – bis der Ruf eines Kindes über den Platz schallt: „Aber er hat ja gar nichts an!“

Wir wissen zwar schon, dass gut gemeint, nicht immer gut getan ist. Aber niemand mag so richtig darüber sprechen, was im gemeinnützigen und im öffentlichen Sektor schief läuft. Auch wir haben uns bis jetzt eher zurückgehalten. Wir wollen uns ja gerne auf die spannenden, innovativen Sachen fokussieren, um möglichst viele Menschen fürs große Ganze zu begeistern. Aber da wir den Anspruch haben, Menschen dabei zu helfen Gutes zu tun und zwar richtig, bekommt ab sofort auch kritische Reflexion einen Platz bei tbd*. Dafür konnten wir die Benckiser Stiftung Zukunft als Partner gewinnen. Sie ist bereit, ihre Erfahrungen und Erkenntnisse ganz unverblümt zu teilen.

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