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Vom Energiemanager zum Fellow: Christoph-Jonathan Körner unterstützt seit fast zwei Jahren Kinder und Jugendliche mit schwierigen Startbedingungen an einer Oberschule in Dresden. Als zusätzliche Lehrkräft unterstützt er im Unterricht und mit verschiedenen Angeboten nach Unterrichtsschluss. Dafür hat er seinen Job bei einem Energiekonzern an den Nagel gehängt.

Bald endet seine Fellowzeit und damit auch das Leadershipprogramm von Teach First Deutschland. Die Bildungsorganisation setzt sich bundesweit für mehr Chancengerechtigkeit im Bildungssystem ein und zeigt, dass Jugendliche in sozialen Brennpunkten erfolgreich sein können. Dafür arbeiten Hochschulabsolventinnen und -absolventen verschiedener Studienrichtungen als Fellows an Brennpunktschulen. Nach zwei Jahren, vielen Coachings und Fortbildungen, intensiver Zusammenarbeit mit Schülerinnen und Schülern, dem Kollegium und der Schulleitung berichtet Christoph-Jonathan Körner von seinen Erfahrungen als Fellow und was kleine Veränderungen bewirken können.

Zwei Jahre mit Kindern und Jugendlichen arbeiten – was hat dich motiviert?

Ich bin da, wo ich gebraucht werde. Das ist die größte Motivation überhaupt. Alle sind dankbar, dass ich da bin und unterstütze, wo es geht. Das ist ein ganz besonderer Spririt.

Wie sieht deine Arbeit als Fellow konkret aus?

Gemeinsam mit Lehrerinnen und Lehrern gestalte ich im Teamteaching Unterricht in den Fächern Deutsch, Englisch, Biologie, Ethik und Sport. Zudem habe ich eine Jonglier-AG und eine Yoga-AG angeboten und ein Lerncamp für versetzungsgefährdete Fünftklässler organisiert. Mit ihnen war ich eine Woche in einer Hütte in der Sächsischen Schweiz. Durch diese Intensivbetreuung und ein tolles Gruppenerlebnis, haben einige der Kinder erfolgreich die Versetzung in die nächste Klasse geschafft. Ansonsten bringe ich mich auch in außerunterrichtliche Themen ein wie die Neustrukturierung der Dienstberatungen, also der Gesamtlehrerkonferenz.


Chris (rechts) und Kollege mit einer Schülerin © Benjamin Jenak

Das klingt, als könntest du dich an sehr vielen Stellen einbringen.

Ja, das stimmt. Meine Schule wurde neu gegründet, deshalb war die Möglichkeit zum Mitgestalten groß und ich habe versucht, meine Kapazitäten möglichst sinnvoll und bedarfsgerecht für die Schule einzusetzen.

Wie hat sich deine Arbeit während der Covid19-Pandemie verändert?

Der Kontakt zu den Schülerinnen und Schülern hat in der Zeit der Schulschließung leider zunächst stark gelitten. Ich habe ab und zu mit ihnen telefoniert und mit einigen von ihnen konnte ich auch über E-Mails oder Instagram kommunizieren. Nun, seit der Wiedereröffnung, arbeiten wir mit halben Klassen: In der einen Woche ist die A-Gruppe in der Schule und die B-Gruppe im Homeschooling und andersrum. Das ist ein schönes und wirksames Arbeiten mit den kleinen Klassen.

Was macht für dich die Arbeit eines Fellows aus?

Das ist gar nicht so einfach zu beantworten, denn jeder Einsatz ist anders. Für mich bedeutet es, meine Stärken zu entwickeln und in ganz vielen Bereichen das machen zu können, was mir Freude macht. Ich habe unglaublich viele Erfahrungen gesammelt in den zwei Jahren. Auch wenn es am Anfang eine harte Zeit war – aber als der Knoten geplatzt ist, hat es richtig Spaß gemacht. Zudem habe ich gemerkt, wie spannend es ist, als Externer in das System Schule zu kommen und gut betreut an vielen Stellen Dinge ausprobieren zu können. Das ist für mich das Besondere und ein deutlicher Unterschied zu meiner vorherigen Arbeit in einem Energiekonzern.


Chris während seiner Arbeit; © Benjamin Jenak

Du hast gesagt, der Anfang war hart. Was war besonders schwierig?

Teach First Deutschland bereitet zwar auf den Einsatz vor, aber es ist zu Beginn an der Schule nicht immer einfach - gerade wenn man vorher kaum Berührungspunkte mit dem Thema hatte. Ich musste mich anfangs in dem mir unbekannten Umfeld erst einmal orientieren und strukturieren, mit Themen, in denen ich noch nicht fit war. Das war im ersten halben Jahr sehr herausfordernd. Es geht auch einiges schief. Zum Beispiel bei meiner Jonglier-AG: Wir hatten kaum Jonglier-Bälle und kein Geld, also wollte ich die Bälle mit den Kindern selbst basteln. Das hatte ich mir richtig toll überlegt, Reis und andere Materialien besorgt – und dann ist die Stunde komplett daneben gegangen. Der Reis wurde durch die Gegend geworfen und die Schülerinnen und Schüler haben gemacht was sie wollten. Bis eine Lehrerin aus dem Nebenraum hereinkam und sagte: „Oh, ich dachte die sind alleine.“ Das war so richtig der Ritterschlag, zu merken, das funktioniert hier noch gar nicht (lacht).

Wann hast du gemerkt, dass du angekommen bist?

Da gab es nicht den einen Moment. Es war eher die Zusammenarbeit mit einem Lehrer, und dass sich die Schülerinnen und Schüler an mich und meine Rolle gewöhnt hatten und ich sie auch besser kennengelernt habe. Irgendwann war es in der Klasse richtig toll und ich habe gespürt, dass ich eine natürliche Autorität und das Vertrauen der Kinder gewonnen hatte.

Dein Einsatz geht in ein paar Wochen zu Ende. Was ist dir von den zwei Jahren besonders in Erinnerung geblieben?

Auf jeden Fall das Lerncamp. Indem ich mich dabei den versetzungsgefährdeten Schülerinnen und Schülern angenommen habe, hat das auch meine Rolle an der Schule noch einmal verändert. Ebenso das Lernatelier, das ich aufgebaut habe. Dort können Schüler und Schülerinnen hinkommen, die im Unterricht nicht lernfähig sind. Das ist mittlerweile eine Institution an der Schule geworden. Auch der professionelle Aufbau der Dienstbesprechung, ein Beispiel für eine kleine Veränderung mit großer Wirkung: Wir haben die Rollen Moderator*in, Zeitwächter*in und Verantwortliche*r pro Thema der Tagesordnung eingeführt. Das war sehr hilfreich.

Der Felloweinsatz ist eingebettet ins Leadershipprogramm von Teach First Deutschland. Das Programm beinhaltet die vorbereitende Qualifizierung und die stetige Begleitung und Weiterbildung der Fellows. Was hat das Programm dir gebracht?

Zunächst einmal Hilfe, Orientierung und Struktur. Mit den verschiedenen Inhalten, Formaten und einer funktionierenden Fellowgruppe zur gegenseitigen Beratung und Austausch habe ich mich gut aufgehoben gefühlt. Und ich habe mich persönlich weiterentwickelt – über den Arbeitskontext Schule hinaus. Ich hatte die Chance und die Zeit dazu, ein paar Schritte mit mir selbst weiterzukommen.

Das Leadershipprogramm von Teach First Deutschland startet alljährlich im Sommer. Der diesjährige Bewerbungsschluss ist am 29. Juni.

Interessierte am Programm können sich entweder direkt hier bewerben, sich unter www.teachfirst.de/bewerben oder www.teachfirst.de/leadershipprogramm weiter informieren oder den Kontakt aufnehmen zu unserem Recruitingteam: recruiting@teachfirst.de & 030 2639 760 12.

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