ursprünglich erschienen: 29.08.2016

Wir alle sind schon einmal gescheitert. Wir alle haben mal mehr mal weniger Angst davor. Machen uns Sorgen und Gedanken über das, was passieren könnte. Doch Fehler und Scheitern können wir nur vermeiden, indem wir immer nur Dinge tun, die wir schon können. Aber wo kommen wir dann hin? Sicherlich nicht zu unseren kleinen und großen Träumen. Nicht zu dem großartigen Partner. Nicht zu dem tollen Job. Nicht zu dem Korallenriff an unserem Lieblingsurlaubsort. Und auch nicht zu dem berauschenden Gefühl, wenn wir etwas wirklich Großes geschafft haben.

Wir können uns also entscheiden, zwischen dem möglichen Scheitern und Stillstand. Zwischen dem Leben, das wir uns wünschen und Langeweile. Wenn es um unsere kleinen und großen Träume geht, heißt die Frage nicht „Was ist, wenn ich scheitere?“ sondern vielmehr „Wie komme ich da hin, wo ich hin will?“.  Da die Angst aber nicht einfach verschwindet, schauen wir uns das Ganze doch einmal genauer an.

Was ist Angst?

Angst ist vereinfacht gesagt eine Reaktion auf einen Reiz. Der Reiz kann beim Thema Scheitern beispielsweise ein Gedanke sein („Es könnte schiefgehen“), diesen Gedanken bewerten wir („Schiefgehen ist Misserfolg, Misserfolg ist negativ“) und diese Bewertung erzeugt dann ein Gefühl (Angst). Die gute Nachricht: die Bewertung ist erlernt und wir können sie wieder ändern. Manch einem reicht diese Erkenntnis schon aus. In den meisten Fällen lohnt es aber, ein wenig tiefer zu schauen.

Wenn es ums Scheitern geht, gibt es viele verschiedene Ängste und Befürchtungen. Erst wenn wir verstehen, wovor genau wir eigentlich Angst haben, können wir konkret etwas damit anfangen und ins Handeln kommen. Die häufigsten Ängste beleuchte ich im Folgenden und gebe Lösungsvorschläge.

Was soll ich nur von mir denken?

Häufig sind wir selber unser größter Kritiker. Das kann uns zu Bestleistungen anspornen. Oder uns hindern, überhaupt erst anzufangen. Der Schlüssel zu einem guten und konstruktiven Umgang mit uns und unseren Gedanken sind Selbstliebe und Selbstakzeptanz. Es gibt aber auch ganz konkrete Methoden gegen demotivierende Gedanken.

Formuliere deinen Gedanken um: „Ich werde versagen!“ wird zu „Ich denke, ich werde versagen!“ Denn was du denkst, hat nichts mit der tatsächlichen Realität zu tun. Es sind nur Annahmen und Vermutungen über das, was in der Zukunft passieren wird. Überprüfe deine Gedanken auf ihren Wahrheitsgehalt und nimm ihnen so den Schrecken.

Was könnten die anderen über mich denken?

Die Angst vor Kritik und fehlender Anerkennung ist wohl die am weitesten verbreitete Angst, wenn wir etwas Neues wagen wollen. Früher war diese Angst durchaus sinnvoll, da das Überleben nur innerhalb der Gruppe gesichert war. Heute ist unser Überleben jedoch in den meisten Fällen nicht von einer Gruppe abhängig. Und unsere Freunde und Menschen die uns lieben werden uns mit Sicherheit nicht verstoßen, wenn wir einmal etwas verbockt haben.

Da wir zudem gar nicht wissen können, was andere tatsächlich denken, ist es reine Zeitverschwendung sich darüber Gedanken zu machen. Möchte man es trotzdem hilft vielleicht die folgende Frage: „Machst du dir eigentlich auch Gedanken darüber, was andere denken, wenn du es gar nicht erst versuchst?“

Was ist mit den möglichen Konsequenzen?

Nun gibt es aber ja tatsächlich Konsequenzen, die eintreten können, wenn wir scheitern. Meist ist unsere Phantasie bei Katastrophenszenarien sehr erfinderisch, so dass unsere Vorstellung weitaus schlimmer ist als die Realität. Schau dir an, was tatsächlich passieren könnte. Ist es realistisch? Gibt es Dinge die du tun kannst, um dieses Risiko zu minimieren? Was kannst du tun, wenn der Fall der Fälle tatsächlich eintritt?

Bringe Realität in deine Worst-Case-Idee und sei vorbereitet. So gewinnst du die Kontrolle zurück und aus dem Schreckgespenst wird ein kalkulierbares Risiko. Wenn wir einen Notfallplan haben, verschwindet die Angst meist von ganz allein.

Und wenn ich nun die falsche Entscheidung treffe?

Du wirst nie wissen, welche Entscheidung die richtige ist. Auch nicht im Nachhinein. Denn die vermeintlich schlechte Entscheidung war vielleicht deutlich besser als die Alternative. Und wer sagt dir, dass die andere Möglichkeit nicht noch großartiger gewesen wäre, wenn du das Gefühl hast, eine gute Entscheidung getroffen zu haben.

Es gibt keine perfekte Entscheidung. Du kannst nur mit deinem jetzigen Wissen die Entscheidung treffen, die Herz und Verstand als gut erachten. Das Leben ist kein Spiel, bei dem du das Level nochmal von vorne anfangen kannst. Versuche nicht, die eine richtige Entscheidung zu treffen, sondern die Bestmögliche.

Kennst du Preis und Gewinn?

Für alles was wir tun, zahlen wir einen Preis. Und für alles was wir tun, erhalten wir einen Gewinn. Immer. Gewinn und Preis mögen uns nicht immer schmecken, aber sie sind immer als Doppelpack mit dabei. Wenn du den Preis und den Gewinn kennst, kannst du deutlich bessere Entscheidungen treffen. Du kannst entscheiden, ob dir der Gewinn den Preis, den du zahlen wirst, wert ist. Wenn du einen neuen Job haben willst, musst du Zeit investieren. Wenn der neue Job eigentlich nicht viel besser ist als der jetzige, dann ist er den Preis vielleicht nicht wert. Frage dich „Was ist mein Gewinn bei der Sache?“ und „Bin ich bereit, für diesen Gewinn den Preis zu zahlen?“.

Bremst dich deine Angst aus?

Unsere Angst kann wie eine angezogene Handbremse sein. Wenn wir sie ignorieren oder verleugnen, dann kostet sie uns wahnsinnig viel Energie. Das Vorankommen ist schwer und wir können uns nicht auf das wirklich wichtige konzentrieren. So gehen wir erst gar nicht los oder geben unterwegs entmutigt auf. Es ist einfach zu schwer.

Auf die Bremse zu schimpfen bringt uns jedoch auch nicht schneller voran. Solange wir nicht rausfinden, welche Bremse genau es ist, wo sie sitzt und wie wir sie lösen bzw. bestenfalls für uns nutzen können, kommen wir nur sehr langsam voran.

Wenn wir jedoch verstehen, was genau uns ausbremst, warum diese Angst da ist und dann konstruktiv mit ihr umgehen, steht uns nichts mehr im Wege. Sieh deine Angst als Freund und Berater. Auch deinen Freunden hörst du zu, machst aber nicht immer alles, was sie sagen.

Zur Autorin:

Esther Bartels,  ist Teil des Orga-Teams der Scheitern-Konferenz. Mehr von ihr gibt es auf ihrem Blog: www.wondertastic.de

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