Bei Rebeam wird Nachhaltigkeit groß geschrieben. Das Refurbishing Unternehmen, was sich auf Beamer spezialisiert hat, fokussiert sich auf eine absolute WIN-WIN Lösung und lebt die Nachhaltigkeit so mit jeder Faser. 

Im Interview sprachen wir mit Gründer Jonas Huber.  Er erklärt uns, was Rebeam so einzigartig macht, wie man ein nachaltiges Geschäftsmodell aufstellt und wie man unsere Gesellschaft zu mehr Nachhaltigkeit motivieren könnte. 

Was sind die drei wichtigsten Dinge, die wir über Rebeam wissen sollten?

Rebeam ist ein einzigartiges Refurbishing Unternehmen, welches weltweit gebrauchte und refurbishte Beamer, also digitale Videoprojektoren, aufarbeitet (refurbished) und verkauft.

Rebeam wertschätzt jedes einzelne Gerät und rechnet in Stückzahlen, nicht in Tonnen oder Containern wie es bei Elektroschrott üblich ist.

Wir haben einen wirtschaftlich tragfähigen Gegenentwurf zur Wegwerfgesellschaft in unserer Nische aufgebaut. Rebeam ist nachhaltig. Das ist nicht nur eine bloße Floskel, wir leben das.

Wir nutzen Naturstrom, haben Firmenfahrräder, machen alles inhouse in Berlin und haben für unsere Prozesse kurze Wege. Beim Refurbishing-Prozess setzen wir fast ausschließlich auf gebrauchte Ersatzteile, welche wir aus Geräten, die wir nicht reparieren konnten, gewinnen. Lediglich neue Lampen werden zugekauft.

Bei uns gibt es nur Winner! Wir treiben die sogenannte WIN-WIN Situation auf die Spitze, normalerweise gibt es ja mindestens einen Verlierer, häufig die Natur, wenn man Produkte verkauft oder produziert. Wir können allerdings durch eine Wiederverwendung der Produkte den Schaden für die Umwelt etwas abfedern, denn beim Kauf eines refurbished Beamers spart man etwa 60kg CO2 gegenüber einer Neuproduktion ein. So werden Verkäufer, Hersteller, unsere Kunden, sowie die Natur und wir zum Gewinner gemacht. Wir kaufen im Rahmen von Trade-In –Programmen zusammen mit den Herstellern gebrauchte oder defekte Projektoren der Kunden zurück und das in fast 20 europäischen Ländern.

Zudem haben wir eine freie Ankaufsplattform ins Leben gerufen: www.sellmyprojector.com.  Auf dieser Seite kann europaweit jeder seinen alten Beamer an uns verkaufen. Die Geräte lassen wir per UPS direkt beim Kunden zu Hause abholen. So ist der Verkauf super bequem und es gibt keine Ausreden mehr für im Keller gelagerte Wertstoffe. Natürlich benutzen wir hier die Carbon neutrale Versandart von UPS.

In der Vergangenheit, als es die Ankaufsplattform nur für Deutschland gab,  konnten die Kunden ihren Verkaufserlös auch an NGOs und Umwelt- bzw. Nachhaltigkeitsprojekte spenden. Derzeit klären wir, wie wir das am besten auf europäischer Ebene umsetzen. Die angekauften Beamer werden dann in Berlin-Kreuzberg refurbished und schließlich mit 12-24 Monaten Garantie verkauft. Hier ist im übrigen unsere Rücklaufquote so gering wie bei Neuware.

Wäre der Prozess Ankauf-Reparatur-Verkauf nicht auch auf viele andere technische Geräte übertragbar?

Natürlich lässt sich das Geschäftsmodell übertragen und das wird ja bereits viel im IT-Sektor betrieben. PCs, Notebooks, Server etc. werden ja schon lange refurbished. Hier ist die hohe Standardisierung der Komponenten der Vorteil, sprich das kann fast jeder. Bei Beamern macht das niemand außer uns, wahrscheinlich da offiziell keine Teile zueinander kompatibel sind und sehr viel Know-How für eine Reparatur benötigt wird. Bei Projektoren ist es leider so, dass fast jedes neue Ersatzteil einen wirtschaftlichen Totalschaden bedeutet und einen Weiterverkauf unmöglich macht. Durch unsere langjährige Tätigkeit konnten wir aber ein großes Ersatzteillager aufbauen und können somit die Reparatur eines Beamers wieder wirtschaftlich rentabel gestalten.

Des weiteren gibt es für Handys, Apple Produkte, DVDs und Bücher ja einige Ankaufsplattformen am Markt. Hierbei handelt es sich meist nicht um nachhaltige Geschäftskonzepte, sondern schlichten An- und Verkauf. Nach meinem Wissen findet bei diesen Unternehmen keine  Veredelung der Produkte (Reparatur, Austausch von Verschleißteilen etc.) statt. Klar werden persönliche Daten von den Geräten vor dem Weiterverkauf entfernt, aber z.B. defekte Displays oder Kopfhörerschlüsse  werden nicht getauscht oder repariert.

Mir fällt zumindest aktuell kein attraktives Massenmarkttaugliches Produkt ein, welches wirtschaftlich refurbished werden kann und bisher einfach nur weggeworfen wird. Spezialprodukte und Nischengeräte sind hier natürlich ausgenommen. So finden wir Zahnarztausrüstungs- und Windkraftanlagen-Refurbishing auch sehr reizvoll. 

Ihr seid für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2015 nominiert. Was bedeutet diese Auszeichnung für Euch und die Zukunft von Rebeam?

Wir freuen uns, dass unsere Arbeit gewürdigt wird und hoffen sehr, dass wir dadurch eine bessere mediale Aufmerksamkeit für unser Geschäftsmodell bekommen. Beim Nachhaltigkeitspreis haben sich über 800 Unternehmen beworben. Wir sind als eines von drei Unternehmen in der Kategorie KMU (Kleine und mittlere Unternehmen) nominiert. Wir betreiben ja seit Jahren Aufklärungsarbeit was das Thema Refurbishing betrifft. Es wäre toll, wenn die Leute verstehen würden, dass ein hochwertiges gebrauchtes Produkt häufig besser ist als aktuell günstig produzierte Neuware; nicht nur für Geldbeutel und Umwelt, sondern auch was Zuverlässigkeit und Qualität angeht.

Natürlich hoffen wir durch die erhöhte Aufmerksamkeit mehr potentielle Kunden zu überzeugen, sich für einen refurbishten oder gebrauchten Beamer von uns entscheiden. Zukünftig wollen wir weiter unser Engagement für Nachhaltigkeitspolitik stärken. So konnten wir in der Vergangenheit schon dem Umweltbundesamt beratend zur Seite stehen. Es gibt auch einen Nachhaltigkeitskongress im Rahmen der Preisverleihung. Wir haben vor uns dort weiter mit anderen Nachhaltigkeitsunternehmen zu vernetzen.

Du hast auch eine Diplomarbeit über nachhaltige Geschäftsmodelle geschrieben – welchen Mehrwert hat für Dich Theorie und Forschung?

In der intensiven Diplomarbeitsphase habe ich mich wirklich auf die Ausarbeitung des rechtlichen und ökologischen Rahmens für rebeam konzentriert. Im Prinzip arbeiten wir bis heute an den einzelnen Unternehmensstandbeinen die ich 2007/2008 in der Diplomarbeit skizziert habe.

Also allgemein machte mich die intensive Theorie und Forschung zum Thema überzeugend gegenüber externen Partnern und war dann auch das was am Ende meinen Geschäftspartner und Mitgründer Jan Schulte überzeugt hat. Durch Verinnerlichung des ganzen Systems oder der einzelnen Ideen ist mir seit Gründung ein intuitives Handeln möglich.

Was sind Deine Top Tipps, um ein nachhaltiges Geschäftsmodel aufzustellen?

Als erstes muss man voll und ganz von der Idee überzeugt sein. Idealerweise kombiniert sich die Überzeugung mit Spaß an der Arbeit. Dann muss das ganze irgendwann wirtschaftlich funktionieren, auch ohne Förderung. Der Fokus sollte so breit wie möglich sein; sprich, wie können weitere positive Effekte geschaffen oder integriert werden? Spenden? Kooperationen? Sonderkonditionen für soziale Einrichtungen oder andere nachhaltige Unternehmen? Durchhaltevermögen und Geduld sind essentiell. Vor allem bei nachhaltigen Ideen sind häufig noch Aufklärung und Bildung gegenüber Partnern und Kunden nötig. 

Des weiteren sollte man nur eine gewisse Zeit in die Theorie stecken und dann einfach machen. Klar gibt es Settings wo erst noch Millionen in Forschung oder Investitionen in Technologien gesteckt werden müssen, ich würde trotzdem empfehlen einfach anzufangen und wenn es nur in klein oder mit Modellaufbau ist.

Zudem sollte man sich von Anfang an gleich einen Ausgleich schaffen, ob  kreativ oder sportlich. "Es ist wichtig regelmäßig aus dem Kopfkino rauszukommen."

Was war bisher Eure größte Hürde und wie habt Ihr sie überwunden?

Aktuell ist es eine Herausforderung ein Unternehmen mit 15 Personen zu führen und gleichzeitig wettbewerbsfähig zu bleiben. Hier ist es wirklich schwierig unserem Anspruch an ein „Familien“-Unternehmen mit einem immer größeren Team und entsprechend steigenden Fixkosten  und Verantwortung in Einklang zu bringen.

In der Vergangenheit war wohl die größte Hürde die Beamerhersteller von unserer nachhaltigen Idee zu überzeugen und ins Boot zu holen. Hier wurden wir aber nur selten damit konfrontiert, dass man unsere Idee als Konkurrenz zu Neuware wahrnimmt. Denn in  Wirklichkeit ist ja eher so, dass wir eine ganz andere Käuferschicht ansprechen. Eine die sich zumindest in der Vergangenheit  sehr aktiv auf eBay rumgetrieben hat und nie ein Neugerät kaufen würde.

Eure Geschäftsgeschichte hat viele Etappen durchlebt. Wie schafft ihr es als junges, nachhaltiges Unternehmen wettbewerbsfähig zu bleiben?

Das ist stets eine  große Herausforderung. Wir überarbeiten hierfür ständig unsere Prozesse, um immer effektiver arbeiten zu können. Vor kurzem haben wir unseren Onlineshop www.rebeam-shop.com komplett überarbeitet und unser Portfolio auch um Zubehör und Ersatzlampen erweitert. Das ganze haben wir zusammen mit einer SEO Expertin und einem eigenen Programmierer in reiner Eigenleistung umgesetzt. Im Verkauf konkurrieren wir trotz des nachhaltigen Geschäftsmodells ja mit jedem anderen Beamershop der Neuware anbietet. Deshalb bieten wir ab sofort auch dort Neugeräte an, wo wir noch keine Beamer im Portfolio haben. So gibt es bisher im Gebrauchtmarkt z.B. noch keine 4k Geräte und auch noch zu wenige defekte FullHD Beamer. Für jedes verkaufte Neugerät lassen wir dann als Ausgleich und in Kooperation mit i plant a tree einen Baum in Berlin pflanzen.

Wir hoffen auf noch mehr nachhaltig orientierte Kunden, die nicht nur aufgrund des besten Preises oder der größten Ersparnis gegenüber dem Neupreis bei uns landen. Es gibt bei uns immer wieder Geräte,  die super funktionieren und vor 15 Jahren bei Markteinführung bis zu 100.000€ gekostet haben und heute bei uns für unter 500€ zu haben sind. Das sind top Geräte, auch wenn Sie nicht FullHD können, kann man sich prima Filme anschauen und profitiert vor allem von dessen Langlebigkeit. Denn damals wurden die Beamer noch zusammengeschraubt und nicht verklebt.

Der Beamer Markt unterliegt schon einer gewissen Sättigung und es gibt immer mehr „Spielzeug“- Beamer aus China welche dem Ruf von Projektoren schaden. Die Geräte sind so schlecht, dass sie oft nicht einmal 10% der angegebenen technischen Daten erreichen und dabei die Preis- und Wertigkeitswahrnehmung verändern. Hier sprechen wir nicht von Markenware, die ja auch aus China kommt, sondern wirklicher „Chinaware“.
2016 ist wieder eine Fußball EM und wir sind optimistisch, dass im Sommer wieder massiver Bedarf an Beamern für Zuhause oder auch für die Biergärten und andere Public Viewing Möglichkeiten besteht.

Aktuell kooperieren wir in Sachen Beamervermietung intensiver mit unserem Partner BeamAround.  Wir haben vor, die Geräte, während sie bei uns im Lager auf Verkauf warten, zu vermieten. Da es bei gebrauchten Geräten keinen Unterschied macht, ob das Gerät 10 Stunden mehr oder weniger gelaufen ist, können wir so die Marge erhöhen.

Was ist Deiner Meinung nach das beste Mittel unsere Gesellschaft zu mehr Nachhaltigkeit zu motivieren?

Erstens Bildung, zweitens Vorbilder und drittens Geld.

Ich denke hier schon an Nachhaltigkeits- und Umwelterziehung in der Schule. Upcycling wäre doch auch ein tolles Fach, in dem man zeigen könnte wie aus „Müll“ Neues durch Kreativität entsteht. Um ein wirkliches Bewusstsein zu schaffen sind freiwillige ökologische oder soziale Jahre für Jugendliche bestimmt auch ein guter Weg.

Öffentliche Einrichtungen sollten als erstes gebrauchte und refurbished Ware einsetzen bevor Neuware ausgeschrieben wird. Vorbildcharakter haben z.B. für mich auch Oldtimer Autos. Gebrauchte Produkte sollten, z.B. durch eine geringere Mehrwertsteuer für Verbraucher oder schnellere Abschreibungsmöglichkeiten für Unternehmer, begünstigt werden.