Das Konzept des klassischen Lernens gerät immer mehr ins Wanken, da die moderne Gesellschaft immer mehr Fähigkeiten statt Wissen von der jungen Generation voraussetzt. NOW verfolgt den “inter-diversity Learning”-Ansatz, welcher dabei helfen soll junge, kompetente Changemaker auszubilden, die ihre eigenen sozialen Projekte umsetzen. Wir wollten wissen, was sich genau hinter NOW verbirgt, welche Bildungsansätze sie verfolgen und wie sie es schaffen in einem diversen, internationalen Team zu arbeiten und aktiv Impact Measurement zu betreiben.

Was verbirgt sich hinter „NOW“? Wer seid ihr und was wollt ihr erreichen?

Für NOW haben sich vor etwas mehr als 2 Jahren 7 junge Menschen zusammengeschlossen. Unser Ziel war mehr Inklusion im Jugendaustausch zu erreichen. Mittlerweile sind wir auf ein Team von rund 15 Personen gewachsen und auch thematisch sind wir breiter aufgestellt: Mit unseren Programmen wollen wir junge Menschen auf ihr Leben in unserer globalisierten Welt mit einer diversen Gesellschaft vorbereiten und sie dafür zu begeistern, sich sozial zu engagieren. Dabei ist uns weiterhin wichtig, dass eben genau die jungen Menschen bei NOW mitmachen können, die normalerweise keinen Zugang zu solchen Angeboten hätten oder sich so etwas nicht zutrauen würden. Wir nennen unsere Zielgruppe “Unlikely Participants”.

Welche Angebote haltet ihr für (junge) Changemaker bereit?

Wir haben bisher 2 Programme entwickelt: die NOW Journey bringt während 6 Monaten 30 junge Menschen aus ganz Europa und Nachbarländern zusammen. Das Programm ist auf individuelle Lernbedürfnisse abgestimmt. Unsere Teilnehmer*Innen setzen eigene soziale Projekte um und entwickeln dabei wertvolle Kompetenzen, die sie auch später, zum Beispiel bei Jobsuche einsetzten können. Wir fokussieren dabei auf die fünf Lernbereiche Diversität, globale Zusammenhänge, persönliche Entwicklung, sozialer Wandel und Kollaboration. Die NOW Journey kombiniert 3 persönliche Treffen mit 5 monatigem E-Learning Programm.

Mit unserem E-Learning Programm FLOW haben wir die NOW Journey in die Online Welt übersetzt. Während 7 Wochen begleitet und inspiriert das Programm all jene, die eigentlich etwas verändern möchten in ihrem Umfeld, aber sich bisher nicht getraut haben. Während die NOW Journey vor allem für junge Menschen unter 26 Jahren konzipiert ist, sind bei FLOW alle Altersklassen willkommen.

Was bedeutet für euch „Outside-the-box“-Lernen und warum ist das wichtig?

Heutzutage sind von jungen Menschen immer mehr Fähigkeiten und weniger klassisches Wissen gefragt. In der Literatur wird dies manchmal auf französisch als der Wandel vom “savoir” hin zum “savoir-faire” und immer mehr auch “savoir-être” bezeichnet. Wir arbeiten bei NOW genau in diesem Bereich. Unsere 30 Kompetenzen decken Fähigkeiten wie “Ambiguitätstoleranz”, “Selbstmanagment” und “Achtsamkeit” ab. Um jungen Menschen zu helfen, sich in diesen Bereichen weiter zu entwickeln, braucht es neue Lernansätze und jede Menge Eigeninitiative. Dafür bieten wir mit unseren Programmen einen Rahmen, der klassische Lernszenarien sprengt. Unsere Wirkungsmessung zeigt, dass Teilnehmende in ihrem Eigeneinschätzung in erster Linie durch die Auseinandersetzung miteinander und sich selbst lernen, welche wir durch unsere Begegnungen ermöglichen. Wir nennen diesen Ansatz “inter-diversity Learning”.

Es ist bewundernswert, dass ihr international aktiv seid und so eure Angebote noch viel mehr Menschen erreichen. Allerdings ist es sicher nicht immer leicht in einem internationalen Team zu arbeiten. Wie meistert ihr diese Herausforderung? Was hilft euch dabei?

Ehrlich gesagt, kann ich mich im Moment nicht daran erinnern, dass wir uns mit der interkulturellen Zusammensetzung im Team je schwer getan haben. Die verschiedenen kulturellen Unterschiede sind ja wirklich nur ein Teil unserer Identität und der Diversität im Team. Unser Team ist zwischen 18 und 40 Jahre alt, haben unterschiedliche Gender Identitäten und sexuelle Orientierungen und ganz unterschiedliche sozio-kulturelle und Bildungshintergründe, um nur ein paar Dinge zu nennen. Weil Umgang mit Diversität ein unserer großen Themen ist, nehmen wir dies auch im Team sehr ernst und beschäftigen uns damit, wie unsere Identitäten, unsere Privilegien und unsere persönlichen Erfahrungen uns beeinflussen und wie wir als Team daraus lernen können. Team Reflektionen, transparente Kommunikation und ganz viel “Learning from Failure” helfen uns dabei.

Obwohl ihr eine so junge Initiative seid, könnt ihr schon euren ersten Impact Report vorweisen. Oft kommt Impact Measurement eher zu kurz. Habt ihr Tipps für andere Organisationen bezüglich Impact Measurement?

Uns war Impact Measurement von Anfang an sehr wichtig. Und ich glaube das ist auch unser Tipp: Dies nicht auf später zu verschieben. Auch wenn im Kleinen, raten wir dazu von Anfang an zu versuchen die Wirkung zu messen – dabei merkt man auch immer wieder wie viele Annahmen man bezüglich der eigenen Arbeit hat.

Was war die größte Hürde bei dem Aufbau eurer Organisation?

Eine der größten Herausforderungen ist und bleibt, dass die Mehrheit unserer Zusammenarbeit online geschieht. Unsere Zusammenarbeit baut auf persönlichen Beziehungen und unseren gemeinsamen Werten auf und es ist nicht immer einfach, diese beiden Aspekte online zu pflegen.

Es ist ebenfalls eine spannende Herausforderung, eine Organisation hauptsächlich mit Freiwilligenarbeit aufzubauen. Transparente und effiziente Kommunikationsstrukturen, Weiterbildungsmöglichkeiten und hohe Qualität bei unseren Aktivitäten sind eine Herausforderung, wenn jede*r im Team ganz individuelle Zeiten und Verfügbarkeiten hat.

Gibt es große Pläne für die Zukunft? Was sind eure nächsten Ziele?

Wir stehen an einem sehr spannenden Punkt für unsere Organisation. Die NOW Journey wird gerade überarbeitet und wird später dieses Jahr in einem neuen Format erscheinen. Wir möchten ab diesem Jahr auch Programme für die sogenannten NEETs anbieten, welche durch den NOW Ansatz die Themen Employability und Unternehmertum angehen.. Dafür entwickeln wir auch eine App - aber das ist eine andere Geschichte ;)

NOW wird durch ProjectTogether und tbd* im Rahmen der “Zukunft. Jetzt.”-Kampagne zur Bundestagswahl gefördert.
Unter dem Slogan “Wahl ist heute. Demokratie ist immer.” wurden innovative Initiativen gesucht, die in den kommenden vier Jahren die Zukunft mitgestalten.
 

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