Sie sind seit 2013 verantwortlich für die Personalgewinnung bei der Kindernothilfe. Welche Veränderungen im Sektor haben Sie erlebt?

Die stärkste Veränderung, die ich erlebe, ist der Zuwachs von Bewerbern, die sich bewusst für eine Karriere in der Entwicklungszusammenarbeit aussprechen und der Wirtschaft und den dort oft höher dotierten Berufen den Rücken kehren. Der Grund dafür ist natürlich der gesellschaftliche Wandel in den letzten Jahren. Durch ihn sind Werte wie Nachhaltigkeit und Selbstlosigkeit stärker in den Fokus gerückt. Auf der anderen Seite erlebe ich seit Jahren eine immer stärkere Professionalisierung der Branche. Diese beginnt schon damit, dass immer mehr Studiengänge existieren, die sich mit den einzelnen Disziplinen innerhalb der Entwicklungszusammenarbeit befassen.

Welche Trends nehmen Sie im Bereich der HR wahr und wie können diese im Non-Profit Sektor angewendet werden? Auch wenn wenig Budget vorhanden ist?

Die zentrale Herausforderung der Zukunft wird die Gewinnung von Fachkräften sein. Um diese Herausforderung zu meistern, ist es notwendig eine Arbeitgebermarke zu kreieren, mit deren Hilfe sich die Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit noch stärker als bisher als attraktive Arbeitgeber positionieren und die Jobsuche für Kandidaten zum Erlebnis werden lassen. Trends in HR wie der Aufbau von Recruiting Analytics, der Einsatz von Mitarbeiterempfehlungsprogrammen oder Matching-Tools zur Messung des Cultural Fits können daher gerade bei NGOs mit geringem Budget ein äußerst positives und wirkungsvolles Ergebnis hervorbringen.

Sehen Sie eine Zukunft der Entwicklungszusammenarbeit? Wie sieht diese aus?

Natürlich sehe ich eine Zukunft der Entwicklungszusammenarbeit, denn sie wird eine Daueraufgabe bleiben. Alleine der Blick auf die Agenda 2030 zeigt uns doch, dass wir noch viel vor uns haben. Grundsätzlich bin ich der festen Überzeugung, dass es immer Menschen geben wird, die hintanbleiben und unbedingt unsere Unterstützung benötigen – vor allem dann, wenn sich Regierungen nicht in der Verantwortung sehen.  Aber auch ganze Staaten können unsere Hilfe benötigen, wenn sie wirtschaftlich abgehängt sind oder Krisen und Konflikte die Ursache existenzieller Probleme sind. Für mich ist die Entwicklungszusammenarbeit daher lebensnotwendig für die Zukunft der Weltgemeinschaft.

Welche Tipps würden Sie Menschen geben, die gerade auf der Suche nach einem Job in der EZ sind?

Da würde ich unterscheiden zwischen denjenigen, die gerade ihren Berufseinstieg nach dem Studium planen und denjenigen, die einen Quereinstieg in die Entwicklungszusammenarbeit vorhaben. Berufseinsteigern empfehle ich unbedingt Erfahrungen in den Ländern des Südens zu sammeln, indem sie eine der vielen Angebote an Freiwilligendiensten wie weltwärts oder beispielweise Einsätze bei der GIZ wahrnehmen. Menschen, die zuvor in einer anderen Branche gearbeitet haben, stehen natürlich im Wettbewerb mit Fachkräften aus der Entwicklungszusammenarbeit, die die Branche bereits kennen. Oft empfehle ich dieser Personengruppe sich über längere Zeit nebenberuflich oder ehrenamtlich zu engagieren, um bereits erste Luft zu schnuppern.

Welche EZ Organisationen beeindrucken Sie aktuell und warum?

Mich beeindruckt natürlich jeden Tag aufs Neue die Arbeit meiner Kolleginnen und Kollegen bei der Kindernothilfe. Wenn ich sehe, mit welcher Leidenschaft und Identifikation und mit welchem Engagement sie sich für Kinderrechte auf der ganzen Welt einsetzen, dann ist das schon sehr beeindruckend und motiviert mich umso mehr.

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